MEGASCAVENGER - Songs In The Key Of Madness

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VÖ: 06.08.2020
Bandinfo: MEGASCAVENGER
Genre: Death Metal
Label: XTREEM Music
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Lineup  |  Trackliste

Mit diesem Review muss ich mal wieder eine Lanze für den guten Rogga Johansson brechen. Bei dem bekanntermaßen strammen wie rekordverdächtigen Release-Rhythmus des Schweden zweifelt man nämlich nicht selten an der Qualität seines exponentiell-unübersichtlich anschwellenden Backkatalogs. Manch einer – der Verfasser nicht immer ausgeschlossen – rechnet zuweilen unterschwellig mit halbgarem, langweiligem oder gar aufgewärmtem Käse. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Die neue MEGASCAVENGER-Scheibe "Songs In The Key Of Madness” ist ein tolles Beispiel für besagte Alben, die ohne viel Brimborium unscheinbar in den Äther gespuckt werden und hinter denen man keine hohen Weihen der Inspiration erwartet. Und in der Tat betritt der Hörer auf Album Nummer fünf des Soloprojekts nur allzu vertraute Klangwelten, in denen hinter jedem Busch bekannte Riffs lauern. Die Axtarbeit, die das Rückgrat der ganzen Sache bildet, verkörpert ohne Zweifel und Ausnahme den schwedischen OSDM und könnte ebenso gut aus der Restekiste der letzten PAGANIZER-Sessions stammen (z. B. "The Beckoning Of The Rats“).

Nun patentiert Herr Johansson sicherlich kein revolutionäres Verfahren, das Elchpipi in formidablen Chardonnay verwandelt, aber eines muss man dem alten Recken lassen: dass ein typischer OSDM-Teller auf den ersten Spin so großen Spaß bereitet, ist mitnichten alltäglich. Wollte ich mit diesem Geläut im Ohr einen maroden Bau abreißen, könnte ich zwei Vorschlaghämmer in die Hände nehmen, zwanzig Minuten wüten und hätte mir das Workout für die Woche gespart. Bis auf wenige Ausnahmen ("Nothing But The Feet Remains“ oder die Atmo-Anleihen in "Five Severed Fingers“) werden auf “Songs In The Key Of Madness” durchgehend mit Bleifuß die Rallyereifen abgerieben. Auch Stilausreißer gibt es nur in mikroskopischem Maßstab und auch der wunderbar ungeschliffene Sound tut dem Vergnügen keinen Abbruch, ganz im Gegenteil.

Ja, "Songs In The Key Of Madness” ist nüchtern betrachtet ein stückweit generisch, beliebig, von der Stange und wie die Warmspielsession vor einem großen Gig. Aber im Gegensatz zu manch anderen Releases, die sich hinter dem Gütesiegel "Elchmetal“ verstecken und außer Stiltreue wenig zu bieten haben, beweist das neue MEGASCAVENGER-Album, dass Rogga Johansson trotz alledem noch in der Lage ist, unterhaltsame Songs zu schreiben und zu einem kurzweiligen Album zusammenzustampfen. Der "Schlüssel zur Beklopptheit" ist in diesem Sinne kein klares Muss, aber eine vernünftige Alternative!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (05.09.2020)

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