THE BEAUTY OF GEMINA - Skeleton Dreams

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VÖ: 04.09.2020
Bandinfo: THE BEAUTY OF GEMINA
Genre: Dark Rock
Label: TBOG Music
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Lineup  |  Trackliste

Die Schweizer THE BEAUTY OF GEMINA sind schon lange am Parkett und haben sich ihre Nische gesucht. Ihr traurig sentimentaler Dark Rock, mit Wave, Indie und Folk Anleihen, ist ein Musikstil, der vielen in einer ruhigen Stunde zum Entspannen und Runterkommen oder auch in Zeiten der Trauer und des Schmerzens entgegenkommt. Die tief-emotionalen Vocals von Michael Sele winden sich ins Ohr, die Stimme ist manchmal hypnotisch, fast immer tief berührend, nur selten flockig und rockig. Manchmal erinnert er an Größen der Pop- und Rock-Szene, und horcht sich britisch oder amerikanisch an, vor allem, wenn er nach Roy Orbinson oder David Bowie klingt. Im Endeffekt ist er aber einfach Michael Sele und wer einmal von seiner Stimme verzaubert wurde, der bleibt dabei.

Mit dem neunten Studio-Album "Skeleton Dreams" - das nach einer längeren Krankheitsphase von Michael Sele entstanden ist - liefern sie ein vielseitigeres Werk ab, als beim Vorgänger. Zahlreiche Facetten werden gezeigt, Michael Sele besticht als Poet und gefühlvoller Songschreiber. Die Stücke zergehen nach und nach langsam auf der Zunge und können vor allem als Hintergrundmusik viele Stunden lang immer wieder aufgelegt werden. Auf dem Album gibt es neben zwölf neuen Songs auch einen Remix und eine Cover-Nummer.

So richtig beschwingte Songs sind bei den Schweizern natürlich eine Seltenheit. Das als Video veröffentlichte "A Night Like This", die erste Nummer vom neuen Album, lässt sanften Rock durchklingen, setzt aber bei der Umsetzung im Video auf Surrealität und kratzt stark am "besonders wertvoll" Kriterium, wie man es auch von Filmen kennt. Soll heißen, es ist ziemlich krass, man verfolgt die Szene, weiß aber nicht, ob man es nun gut oder schlecht finden soll. Dieses Feeling befällt einen dann auch öfter, während man sich durch das Album hört. Die Songs sind emotional tief, teilweise betörend schön, hie und dann aber doch sehr dunkel und nachdenklich stimmend. Ob "gut" oder "schlecht" wird dann oft von er aktuellen Stimmungslage der anhörenden Person mitbestimmt.

Auf "Skeleton Dreams" finden sich zahlreiche ruhigere, fast Lounge-Musik Songs. Stücke wie "Naked" oder "Rainbow Man" sind sphärisch dahinfließend und lassen einen Abheben und Träumen. Es sind typische Songwriter-Nummern. Sie sind wohl überlegt, haben bluesige Einflüsse, sind mal beschwingter ("Maybe God Knows") und dann wieder wie zäh fließender Honig ("I Come To Grief" - fast ein Schlaflied). Nur selten ist es flotter, wie bei "Dark Suzanne".

Sehr schön und zum Dahinschmelzen ist auch "Friends Of Mine" - hier trägt die Stimme den Song. Die Instrumente halten sich dezent im Hintergrund. Ein Song, der vor allem auf Michael Seles Stimme zugeschnitten ist. Tod und Traurigkeit begleiten das Stück. Wieder in eine andere Richtung spähend erklingt "Resurgence". Dies ist der Song, der mich ein wenig an Bowie erinnert. Mit hypnotischen Sounds, Bässen und Gitarren und leicht rockig-bluesig-jazzig gespielt, gehört er zu den energiegeladensten Songs.

Auf jeden Fall ein Anspieltipp: der feine Ohrwurm "Apologise". Dieses Lied kann man sich immer wieder anhören, es geht einem nicht aus dem Sinn, es zeigt Herz und Hirn.

Im Vergleich zum Vorgänger Album "Flying With The Owl" ist "Skeleton Dreams" abwechslungsreicher, harmonischer und interessanter. Man hört, dass es weitere Einflüsse beim Schreiben gab, und dass mit dem Alter eine solide Reife eingetreten ist. Michael Sele macht sich über viele Inhalte Gedanken und setzt sie in schönen, ruhigen, emotionsgeladenen Songs um. Er besticht als Poet und Songschreiber und behauptet sich mit dem neuen Album weiterhin in seiner dunklen, emotionalen, musikalischen Nische.

Womit könnten die Schweizer also bei Metalfans punkten? Sie sind der Background Sound für gewisse Stunden, für Traurigkeit, um in Melancholie zu schwelgen oder wenn man sich mit ruhiger, sanfter Musik und Kerzenschein entspannen will. Im Stormbringer Umfeld steht diese Musik nicht an der Tagesordnung, sondern ist ein Nischenprodukt. Aber der Rocker benötigt schließlich auch mal ein Album für ruhige Stunden.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (17.09.2020)

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