DROPS OF HEART - Stargazers

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VÖ: 22.07.2020
Bandinfo: DROPS OF HEART
Genre: Melodic Death Metal
Label: Eigenproduktion
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste  |  Trivia

Die russische Band DROPS OF HEART existiert zwar schon seit 2008, doch erst im Juli konnten sie ihr zweites Studioalbum veröffentlichen. Geplant war dies schon im Jahre 2017, doch leider wurden die Terminpläne von Schicksalsschlägen und Line-up-Wechseln etwas durcheinander geworfen. Das Warten hat sich jedoch definitiv gelohnt. DROPS OF HEART haben ein atmosphärisches, vielseitiges und emotionales Album geschaffen, das zeigt, wie hochwertig die Musik aus der östlichen Hemisphäre sein kann. Die Songs entfalten ein solch melodisches Gesamtbild, dass man sich wirklich wünscht, an einem kühlen Sommerabend bei klarem Sternenhimmel im Gras zu liegen, seinen Blick über die endlos vielen Sterne streifen zu lassen und über das Leben zu räsonieren. Kein Wunder, dass Björn Strud, unter anderem Sänger von SOILWORK, und Richard Sjunesson, Sänger von THE UNGUIDED, an diesem Projekt teilhaben wollten. 

Es fällt fast schwer die Tracks voneinander abzugrenzen, da sie wirklich wunderbar aneinander anschließen und die Songs für sich so melodisch sind, dass die Platte sich wie ein einziges Musikstück anhören lässt. Auch wenn ich persönlich kein Wort russisch spreche, ist dies während des Hörens gar kein Punkt, der negativ ins Gewicht fällt. Im Gegenteil, es ist faszinierend, wie DROPS OF HEART es schaffen durch den Klang der Texte und der Musik dem Hörer das Gefühl zu vermitteln, er würde die Texte verstehen. Außerdem macht es die Musik der Band so um einiges persönlicher und authentischer. Die Singleauskopplungen des Albums wurden zwar auch auf englisch veröffentlicht, aber die russische Version ist wirklich zu empfehelen. 

Die Stimme von Denis Fakhrislamov ist sehr facettenreich und passt sowohl zu den schnellen Blastbeats als auch zu den melancholischen Pianopassagen, die Vadim Nizamov durch Synthesizerakzente unterstützt. Generell harmonieren die beiden Sänger sehr gut miteinander und das Doppeln der Stimme kommt besonders in den Refrains zum Vorschein, sodass sich diese doch ein wenig von den Strophen abheben und zum Mitsingen animieren, auch wenn es recht unwahrscheinlich ist, die russischen Wörter auf Anhieb auch nur ansatzweise korrekt auszusprechen. Vor allem der Song "Lull", der sich durch viele gesprochene Passagen auszeichnet, zeigt, wie gut die russische Sprache durch ihre Akustik zu dieser Musik passt. Nicht nur der Gesang und das Piano überzeugen auf ganzer Linie, auch das Gitarrenspiel ist abwechslungsreich, eingängig und fügt sich ebenso gut in das Gesamtkonstrukt ein wie die Drums. Das gilt ebenso für die melancholischen Stücke, aber auch für die deutlich härtere Gangart wie in "Modern Madness" oder "Coffin". 

Die Songs haben nicht diesen Ohwurmcharakter, wie viele ihn sich vielleicht wünschen, aber das ist auch nicht der Anspruch des Albums. Es ist eine musikalische Reise durch Gefühls- und Leidenswelten. Es wird schwer fallen, die Lieder zu unterscheiden, wenn man sie für sich hört, obschon sie sehr abwechslungsreich sind. Es gibt einfach keine auffälligen Stilbrüche oder wirklich charakteristische Refrains, die einfach zuzuordnen sind. Das ist allerdings kein negativer Kritikpunkt. Man verliert sich in diesem Album, wie man sich in den Bildern der Sterne oder im Anblick eines Sonnenuntergangs verlieren kann. Dafür sorgen nicht zuletzt auch die akzentuierten Streicher und vor allem das Saxophon in dem Song "Death Lover", denn seit RIVERS OF NIHIL weiß man einfach, dass ein Saxophon eines der wohl stylischsten Instrumente im Metal ist. 

Das letzte Stück des Albums ist zugleich auch der Titeltrack und dieser fasst die Platte wunderschön zusammen. Dieser Song ist ein eklektisches Werk, welches sich aus den vorherigen Tracks zusammenfügt. Sowohl Synthesizer als auch melancholische Gitarrenriffs und wütende Screams wechseln sich ab, um letztlich eine optimistische Perspektive des Albums zu eröffnen. Denn aus dieser vorherigen Melancholie entspringt eine schöpferische Kraft, der wir zum Beispiel dieses Album verdanken. 

Wie zu Anfang erwähnt bietet dieses Album die perfekte Atmosphäre für einen Spaziergang durch die Natur und den Blick auf die sich langsam am Horizont senkende Sonne. Die Musik stimmt nachdenklich und bewegt sämtliche Gefühle im Geiste des Hörers. Aber DROPS OF HEART können auch ordentlich Dampf machen und würden ebenso eine perfekte Konzertkulisse für einen schlammigen Moshpit abgeben. Jeder, der sich für Melo-Death interessiert, sollte mal einen Blick auf DROPS OF HEART werfen, denn wenn auch die nächsten Veröffentlichungen an "Stargazers" anknüpfen können, dann ist höchstens besagter Sternenhimmel das Limit für diese Band.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Joel Feldkamp (14.09.2020)

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