FIRES IN THE DISTANCE - Echoes From Deep November

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VÖ: 18.09.2020
Bandinfo: FIRES IN THE DISTANCE
Genre: Melodic Death Metal
Label: Prosthetic Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

FIRES IN THE DISTANCE werden ihr erstes Studioalbum am 18.09.2020 veröffentlichen. Höchste Zeit, ein mal zu schauen was die Platte kann, schließlich hängen die Trauben hoch, wenn man es schafft ein Label direkt von seinem Debüt-Album zu überzeugen. Man sieht schon am Cover der Platte, dass hier professionell gearbeitet wurde. Das Artwork ist wirklich ein Hingucker und vermittelt bereits bevor der erste Ton gespielt wurde eine Atmosphäre, die den Hörer bis ans Ende der Scheibe packen wird. Albumcover, Texte und Musik entfalten ein Konzept, welches auf der Metaphorik des Herbstes basiert. Der Herbst ist bekanntlich die Jahreszeit in der die Natur zur Ruhe kommt, Blätter segeln von den Laubbäumen herab, am Morgen spiegeln sich die ersten Sonnenstrahlen im Tau auf den Wiesen und die Tiere bereiten sich für einen langen Winterschlaf vor. Die Texte beschreiben die Gefühlswelt eines von tiefen Depressionen und Hoffnungslosigkeit gebeutelten menschlichen Schicksals. Beziehungen fallen wie vertrocknete Blätter von den einst starken Bäumen und beginnen zu verrotten. Der Regen setzt ein und spült die ehemals so wertvollen Erinnerungen hinweg. Das Spiegelbild, welches sich klar im Wasser zu erkennen gab, wird durch eine dünne Eisschicht verschleiert. All diese sprachlichen und auch musikalischen Bilder ergeben ein melancholisches und atmosphärisches Gesamtwerk, welches den Hörer, wenn er sich darauf einlässt, in seinen Bann zieht.

Sich selbst bezeichnen FIRES IN THE DISTANCE als "Melodic Death-Doom Metal"Das bedeutet vor allem, dass die Songs häufig ein etwas langsameres Tempo besitzen, als man es vom herkömmlichen Melo-Death gewohnt ist. Das Album soll eben eine melancholische Gewalt entfalten, die besonders dann zum Tragen kommt, wenn die Musik wie ein schwerer Herbstwind vor sich hinwallend die pulsierenden negativen Gedanken einer Depression verbildlicht. Der einleitende Song "The Climb" startet mit einer Pianopassage, die durch Harfenklänge unterstützt wird und dem Hörer das Gefühl vermittelt in einem Zauberwald zu stehen und durch die magische Geräuschkulisse zu wandern. Der Text ist dabei inhaltlich weniger bezaubernd, sondern viel mehr von tiefer Trauer und Hoffnungslosigkeit gebrandmarkt. Lang konnten die starken Äste des Baumes die Blätter halten und in leuchtendem Grün erstrahlen lassen, doch sie fallen bald unwiderruflich zu Boden "like November leaves". Der folgende Song "Elusive Lights" beginnt deutlich schwerer, wechselt dann aber immer wieder zwischen langsameren Synthesizer-Parts und die Nackenmuskulatur beanspruchenden Riffs. Dennoch bleibt das Stück sehr atmosphärisch, vor allem weil sich gutturaler Gesang und Erzählerstimme abwechseln. Es scheint wie ein Dialog zwischen der Stimme der Vernunft und der inneren Stimme einer verzweifelten destruktiven Kraft.

Der Track "The Lock and the Key" widmet sich inhaltlich dem Verlust einer geliebten Person, an die die Erinnerungen verblassen. Die einst so vertraute Stimme verkommt zu einem Echo, welches sich in der Zeit verliert. Musikalisch bleibt das Stück entsprechend ruhig und melodisch. Einige Streicher unterstützen die Gitarrensoli und auch die für das Album charakteristischen Synthesizerklänge fehlen hier nicht. Ebenso wie in "Reflections in the Ice". Dieser Song hebt sich musikalisch zwar nicht merklich von den vorherigen ab, dennoch macht ihn das nicht weniger hörbar. Die melodischen und atmosphärischen Klänge werden auch nach dem vierten Song des Albums nicht langweilig. Sie lassen den Hörer noch weiter in die gezeichnete Welt des Albums abtauchen. Vor allem die textliche Ebene ist bei "Reflections in the Ice" wirklich interessant. Gespielt wird mit dem Bild, dass Körper und Geist durch den Novemberwind voneinander getrennt werden. Gegensätze, die durch ihre unterschiedliche Beschaffenheit eine Identität formen, stehen sich nun gegenüber wie Eis und Feuer, was dem Hörer nahebringt, wie zerbrechlich dieses Konstrukt von Identität sein kann. Das vorletzte Stück "Chained to the Earth" beschäftigt sich inhaltlich mit dem Gefühl, an diesen Ort gefesselt zu sein, seine Träume nicht erreichen zu können und auf die eigene Unbedeutsamkeit in einer solch großen Welt limitiert zu sein. Musikalisch sind auch hier wieder die typischen Synthesizer- und Streicher-Klänge zu finden, wenngleich es ebenfalls wieder eingängige Riffs zu hören gibt. Alles in allem bewegt sich das Album aber in einem gewissen musikalischen Dunstkreis, den es nicht verlässt. Da ändert auch das Instrumentalstück "Sundial" wenig dran, obschon es zumindest sehr heavy beginnt und gitarrenlastiger als seine Vorgänger ist.

FIRES IN THE DISTANCE haben ein wunderschönes Konzeptalbum auf die Beine gestellt, welches seinen eigenen Charakter hat. Die einzelnen Songs gehen fließend ineinander über und entfalten eine Atmosphäre, die zugleich anmutig, aber auch erdrückend wirkt. Wem es leicht fällt, sich auf eine Symphonie einzulassen, die vor allem depressive Emotionen bespielt, der wird schnell von diesem Werk vereinnahmt werden. Wer jedoch wenig mit Metaphorik und melancholischer Atmosphäre anfangen kann, dem sei das Album weniger empfohlen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Joel Feldkamp (18.09.2020)

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