BRAVE THE COLD - Scarcity

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VÖ: 02.10.2020
Bandinfo: BRAVE THE COLD
Genre: Grind Core
Label: Mission Two Entertainment
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Lineup  |  Trackliste

Tendenziell kann man als Metal-Fan ja schon neugierig werden, wenn man hört, dass der Drummer von MEGADETH (Dirk Verbeuren) und der Gitarrist von NAPALM DEATH (Mitch Harris) zusammen ein Album eingespielt haben. Wobei man sich als gut informierter Metaler auch wundern darf: Hat Harris nicht bei NAPALM DEATH auf eigenen Wunsch kürzer getreten und ist daher auf dem kürzlich erschienenen NP-Album „Throes Of Joy In The Jaws Of Defeatism“ nicht mehr als Songwriter aktiv mit von der Partie, sondern nur noch als Gast- beziehungsweise Studiomusiker? Inwiefern es dann Sinn macht, ein Projekt ins Leben zu rufen, wo Harris nun doch wieder Songwriter ist und die Mucke nicht sooo weit weg ist von seiner angestammten Band, ist schwer zu beantworten.

Denn BRAVE THE COLD sind zwar kein NP-Klon, es gibt aber immer wieder Momente, die sehr nach den Birminghamern klingen. So gibt’s auch bei den ersten drei Songs, beim Opener, beim vorab veröffentlichten „Hallmark Of Tyranny“ und bei „Monotheist“ ein paar Blastbeats und knallende Gitarrenriffs. Nur halt mit einer anderen Stimme, die gut verständlich, aber doch recht extrem kreischt. Und dann eben mit Weiterführungen, die nicht zu NAPALM DEATH passen würden. Weil melodischer, mehr in Richtung von Bands wie MESHUGGAH oder DARKANE. Also ziemlich modern und vertrakt (man höre dazu beispielsweise den komplexen Rhythmus von „Shame And Ridicule“). Auch linsen immer mal wieder MINISTRY um die Ecke etwa bei „Shallow Depth“, wenn sie kalten, harten Thrash Metal spielen. Also nix mit Industrial, nur um hier jetzt nicht missverstanden zu werden. Aber ähnlich wie bei genannter Band, die ja zu den Lieblingen von Harris gehört, knallen einem immer mal wieder Gitarrenriffs an die Birne, dass man aufhorcht.

Allerdings kommt dann nix mehr. Die kurzen Phasen, wo einen die Gitarrenriffs aufhorchen lassen, sind schon die Highlights. Danach werden die Songs recht nichtssagend. Auch die Vocals sind auf Dauer eher ermüdend, da sie zu wenig Varianz und Power bieten. Von kurzen Ausbrüchen wie beim an VOIVOD erinnernden, ziemlich progressiven „Retrogade“ oder bei „Refuge“ mal abgesehen, kreischt Mister Harris recht eintönig. Das größte Problem von „Scarcity“ ist aber, dass die Songs oft unausgegoren wirken und die beiden Musiker sich noch nicht sicher zu sein scheinen, wo genau die Reise hingehen soll. Thrash Metal mit Einflüssen aus dem Grindcore und Industrial Metal wie man ihn bei den noch am gelungensten Tracks „Apparatus“ oder „Dead Feed“ zu hören bekommt? Oder doch weniger brachial auf die Fresse und doch mehr mit einer ordentlichen progressiven Prise versehen?

Ist eigentlich wurscht, solange es aufgeht. Aber das tut es nicht so richtig. Somit ist „Scarcity“ von BRAVE THE COLD zwar ein stark eingetrommeltes Album mit gutem, industriell-kaltem Sound (Produktion: Logan Mader), das immer wieder kurz aufhorchen lässt, vor allem wegen der wirklich starken Gitarrenriffs. Die enervierend fahrigen Songstrukturen und das für so ein Geprügel zu kraftlose Shouting lassen aber kaum Begeisterung aufkommen. Das wirkt doch sehr nach einer Ansammlung von Ideen, die mehr schlecht als recht zu Extreme-Metal-Songs zusammengeschustert wurden.

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Tobias (01.10.2020)

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