HEADS FOR THE DEAD - Into The Red

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VÖ: 11.12.2020
Bandinfo: HEADS FOR THE DEAD
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Das Grauen hat einen Namen - HEADS FOR THE DEAD sind zurück und schicken sich mit ihrem zweiten Opus an, Köpfe kreisen und rollen zu lassen. "Into The Red" folgt auf den wohlrezipierten Erstling "Serpent's Curse" aus 2018, den ich in einem meiner ersten Artikel bei Stormbringer besprechen durfte - damals leider "nur" in Form eines kurzen Beitrags im Flusensieb. Die neue Spielwiese von Ralf Hauber (REVEL IN FLESH) und Jonny Pettersson (WOMBBATH u.v.m.) ist inzwischen zum Trio herangereift und zählt nunmehr Ed Warby (AYREON, ex-GOREFEST, ex-HAIL OF BULLETS) an den Kesseln als neues festes Bandmitglied.

Das Erstwerk stach in mehrerlei Hinsicht aus der Masse heraus, ganz besonders allerdings durch seinen ungezogen ranzigen Sound. Das mag in gewisser Hinsicht gewöhnungsbedürftig gewesen sein, doch hatte es auf der anderen Seite einen ganz eigenen Charme und eine wohlig stinkende Note, die kaum ein anderer Vertreter an den Tag zu legen pflegte. Doch gerade an dieser Stelle vollziehen HEADS FOR THE DEAD nun eine markante Veränderung: der Sound ist klarer und damit einhergehend auch ein stückweit "erwachsener" geworden. Und wie so oft ist auch die Sache mit dem Sound ein Geben und Nehmen: während die aktuelle Produktion vielleicht einen Teil des initialen Ungestüms einbüßt, arbeitet sie auf der anderen Seite die Differenziertheit der Instrumente deutlicher aus und liefert damit ein in sich abgestimmtes Gesamtbild ab, das den rauschenden Ursumpf des Vorgängers entwirrt. Unterm Strich hat Jonny Pettersson als Produzent auch hier wieder ganze Arbeit geleistet - alleine schon für den nach wie vor markigen und wunderbar spukigen Gitarrensound gehört dem alten Schweden eigentlich ein Orden verliehen.

Was die Kompositionen angeht, hat "Into The Red" zwei Gesichter: den blanken Horror und die neue Komponente "Eingängigkeit". Der eröffnende Titelsong bspw. beginnt langsam und behutsam instrumentiert, so dass die Momente der Ruhe die Anspannung in die Höhe treiben und sich mit den sporadisch eingestreuten Riffs zu einem zittrigen Spaziergang durch das Gruselkabinett ergänzen. Man beachte auch die dazu passenden, in Deutsch eingestreuten Textzeilen am Ende des Tracks. Zwischendurch gibt es treibende Passagen mit punkigen Beats aus Ed Warbys Artillerie und sogar ein fein gespieltes Solo. Mit seinem abwechslungsreichen Songwriting steht der Titeltrack Pate für die verschiedenen Facetten der Platte, die in unterschiedlicher Wichtung immer wieder zum Tragen kommen.

Die Vorabasingle "At The Dead Of Night" fährt ähnlich zweigleisig wie der Opener, erweist sich dabei aber noch eine Ecke ohrwurmiger und kristallisiert sich nach wenigen Durchläufen als Hit der Platte heraus. "The Coffin Scratcher", "Night Ripping Terror" und "The Revenant" gehen äußerst straight zu Werke und produzieren in bester Grind-Manier Sägespäne (aus dem Hörer). "Horror Injection" - ebenfalls ein klassischer Schnellzünder - driftet dabei fast schon in die Thrashecke ab, wogegen "The Seance" sich Zeit nimmt und das Auditorium behutsam und genüsslich durch den Fleischwolf dreht. In diesen Momenten regiert das nackte Grauen und des Hörers Nerven werden mit einem blutigen, rostigen Brotmesser filetiert. Halbe Sachen können andere machen.

Dazu haben die Herrschaften auch noch die Geilheit besessen, den guten alten DARKTHRONE die Ehre zu erweisen und "Transilvanian Hunger" im HEADS-Gewand darzubieten. Norwegischer Ur-Black-Metal in walzendem Death-Metal-Sound hört man auch nicht alle Tage. Und was passt dazu besser als Hauberssons schrilles Gekeife? Ein gelungenes und authentisch stiltransformiertes Cover, mit dem man die Kälte des nordischen BM auf die behaglichen 37 Grad eines frisch gezapften Rinnsals von humanem Lebenselixier aufgepumpt hat. "Creatures Of The Monolith" baut zu guter Letzt noch einmal auf Atmosphäre und punktet mit einem gelungenen Zusammenspiel aus doomigem Tempo, harten Gitarren und mystischen Keyboard-Einlagen.

Unterm Strich bleibt das Konzept von HEADS FOR THE DEAD gut im Kurs. "Into The Red" ist vertraut und anders zugleich, es dividiert die Elemente des Vorgängers weiter auseinander, separiert den Schrecken von der Eingängigkeit und kanalisiert die spezifischen Stärken beider Seiten. Es ist ein düsterer Höllentrip und durchschwitzter Moshpit zugleich, ein Leckerbissen für Szenegänger mit und ohne Horror-Affinität und nebenbei völlig jenseits von Schema F. Oder um es auf den Punkt zu bringen: ein kleines Genre-Highlight zum Ende des Jahres!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (02.12.2020)

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