NECROPHOBIC - Dawn Of The Damned

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VÖ: 09.10.2020
Bandinfo: NECROPHOBIC
Genre: Black / Death Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Auch wenn NECROPHOBIC mit ihrem in siedendem Pech angeschwärzten Death Metal nicht zwingend als Feingeister der Szene berüchtigt sind, scheint es zumindest so, als würde man mit den Coverartworks zu "Mark Of The Necrogram" (das Review dazu ist hier nachlesbar) und dem neuen Album "Dawn Of The Damned" eine fortlaufende Geschichte erzählen, als würde ein Gemälde zum Leben erwachen. Die Schweden sind nun endlich in ihrer augenscheinlich gut beheizten und mit klassisch-blasphemischem Interieur ausgestatteten Feste unter Tage angekommen und finden sich unvermittelt zur Lagebesprechung am zentral platzierten Kartentisch ein, um die weiterführende Taktik zum nahenden musikalischen Krieg gegen Christenheit auszuarbeiten.

Schlug man sich auf dem Vorgänger noch direkt und martialisch zur Festung vor, soll der anstehende Siegeszug triumphal erklingen ("Aphelion"), ehe man sich mit just gewetzter Klinge in geifernden Mündern von der Dunkelheit leiten und den gewaltsamen Vorstoß entflammen lässt. Ungeachtet dessen hat sich bei den Nekrophobikern allerdings sehr wenig verändert, was in vorliegendem Falle allerdings positiv zu bewerten ist, da man sich damit endgültig aus den Tiefen von Liliths Schoße emporarbeitet und Anschluss an den besseren Teil der eigenen Diskografie findet. Die damals erkorenen Waffen haben sich bereits mehrere Male als verlässlich erwiesen und werden daher mit einem Sound aufpoliert, der einen Tick voluminöser und bösartiger als zuvor aus der Anlage ätzt. Man kommt damit also im Jahre 2020 an, fokussiert sich aber trotzdem auf den eigenen Orlog und schließt sich nicht dankenswerter Weise nicht dem geläufigen Loudness War an.

Die Klänge hingegen sind zeitlos und fassen den jüngeren Abschnitt von 31 Jahren NECROPHOBIC (!) in knackigen 48 Minuten zusammen. "Mirror Black", "Tartarian Winds" und "As The Fire Burns" erhöhen die Schlagzahl bis zu einem unkontrollierten Tempo, in dessen infernalischem Fahrtwind sich die Haut freiwillig von den Ohrmuscheln ablöst, um nicht den brennenden Qualen zum Opfer zu fallen, in "The Infernal Depths Of Eternity" kündigt sich "The Return Of A Long Lost Soul" mit spannendem Songwriting und fesselnden Harmonien an und "Devil's Spawn Attack" ist der übliche Smash-Hit, der auch als Live-Opener taugen würde. Ein Hauch von Kritik weht dennoch durch NECROPHOBICs finstere Bastion, denn der Titeltrack und das anschließende "The Shadows" rauschen, obschon beide nicht zum Totalausfall gereichen, eher unauffällig durch die Gehörgänge.

Dennoch ist NECROPHOBICs "Dawn Of The Damned" ein Spätwerk, das sich selbstsicher im obersten Regal des Blackened Death Metal platziert und mit seinen unheiligen Hymnen kaum einen Fan enttäuschen wird. Üblicherweise würde man nun einen Monolog zu fehlender Experimentierfreude bzw. Weiterentwicklung abhalten, aber wem soll man diesen Quatsch verkaufen, wenn es um eine Band wie NECROPHOBIC geht? Noch immer lodert die Flamme in den fünf Schweden und letztlich ist jene genau das, was NECROPHOBIC auszeichnet, was sie unermüdlich zu Höchstleistungen antreibt und ihre Songs und Alben definiert - so auch auf "Dawn Of The Damned" geschehen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (06.10.2020)

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