IHSAHN - Pharos

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VÖ: 11.09.2020
Bandinfo: IHSAHN
Genre: Black Metal
Label: Candlelight Records
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Lineup  |  Trackliste

Dass IHSAHN dem reinen und trven Black Metal schon lang abgeschworen hat, sollte ja schon einigermaßen bekannt sein. Nach den Anfängen mit EMPEROR hat sich Vegard Sverre Teitan musikalisch in verschiedene Richtungen geöffnet, etwa in Richtung Jazz (das Saxophon-Massaker von „Eremita“), Avantgarde („Das Seelenbrechen“) und in letzter Zeit auch in Richtung feiner Melodien („Àmr“). Und obwohl manche dieser Ausflüge weniger von Erfolg gekrönt waren, schien es vor allem mit „Àmr“, dass IHSAHN ihren Weg gefunden hatten, mit einem gelungenen Mix aus metallischen Riffs, Sound-Experimenten und dem gewissen Schuss Eingängigkeit, der die Mischung erst so richtig veredelt.

Den Weg geht IHSAHN grundsätzlich weiter, wobei aber die Extrempole Metal und Pop nochmal weiter auseinandergedriftet sind. Der Metal-Teil wurde auf der Vorgänger-EP „Telemark“ großgeschrieben, auf dem vorliegenden „Pharos“ sind aber eher sanftere Töne zu hören. Der Opener „Losing Altitude“ startet schon mal mit psychedelischen Gitarren und ruhigen, fast schon geflüsterten Vocals und erzeugt phasenweise PINK FLOYD-Stimmung. Ähnlich geht es bei „Spectre At The Feast“ weiter, wobei der etwas eingängig-rockigere Einschlag an das ELECTRIC LIGHT ORCHESTRA erinnert. Der Titeltrack schlägt dann zumindest mit seinen leicht schräg angehauchten Piano-Passagen die Brücke zu „Àmr“ und ist auch der einzige Track, der sich etwas von den anderen abhebt (auch weil hier tatsächlich mal krachende Gitarren zum Einsatz kommen).

Wie bei „Telemark“ sind die letzten zwei Songs Coverversionen – als erstes wird „Roads“ von PORTISHEAD verwurstet, dann „Manhattan Skyline“ von A-HA, mit unterschiedlichen Resultaten: „Roads“ ist grundsätzlich nicht schlecht, kann aber nie an das Original heranreichen, bei dem die Stimme von Beth Gibbons ein unglaublicher Gänsehaut-Faktor war, der hier einfach fehlt. „Manhattan Skyline“ gewinnt dagegen gegen das Original, auch weil Einar Solberg von LEPROUS wie immer grandios die Vocals übernimmt und der Song auch die Synth-Intensität zugunsten der Gitarre herunterschraubt.

Das Konzept von IHSAHN, mit „Telemark“ und „Pharos“ zwei so gegensätzliche EPs in kurzem Zeitraum hintereinander zu öffnen, zeigt nochmal die stilistische Bandbreite des Norwegers. Damit geht aber auch der Reiz verloren, die harten und weichen Gegenpole seiner Musik auf einer Scheibe zu hören, wie es noch auf „Àmr“ der Fall war. Und so wie „Telemark“ eine passable Metal-Scheibe mit Ausfällen bei den Coversongs war, so ist „Pharos“ eine passable Pop-Scheibe geworden (mit besseren Covers). Allein, die Existenzberechtigung einer 3-Nummern-EP mit großteils leichtgängigen Songs von einem der großen Songschreiber im Heavy Metal will sich letzten Endes nicht so ganz erschließen.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Luka (08.10.2020)

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