MYGRAIN - V

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VÖ: 02.10.2020
Bandinfo: MYGRAIN
Genre: Melodic Death Metal
Label: Reaper Entertainment Europe
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Lineup  |  Trackliste

Kennt noch Jemand MYGRAIN? Nein? Ändern, sofort! Die Melodic Death Metaller haben ihr Schaffen nach dem letzten Studioalbum "Planetary Breathing" und einer anschließenden Tour im Jahre 2015 zwar beendet, doch dieses Jahr erleben wir mit dem fünften Studiowerk, das passenderweise den Namen "V" trägt ein Comeback! Die Band stand bisher immer ein wenig im Schatten der ganz Großen im Melodic Death Metal Sektor und gerade dem Vergleich mit SCAR SYMMETRY konnten sie da nie so richtig standhalten, obgleich das Songmaterial immer top notch war! Tja nun, SCAR SYMMETRY sind uns seit sechs verdammten Jahren ein neues Album "schuldig" und nun ist vielleicht der richtige Zeitpunkt, um als MYGRAIN so richtig aufzutrumpfen. 

Weniger oder mehr?


"The Nightmare" geht es sehr gediegen an mit fetzigen Hammond Sounds, ehe das Gerüst zusammenbricht und der Track mit roher Gewalt auf uns einscheppert. Und ja, auch 2020 bleibt der Vergleich mit SCAR SYMMETRY bestehen, doch eben jene Truppe hat ja auch kein Patent auf diesen eher futuristischen Sound und MYGRAIN machen ihre Sache hier extrem gut! Die schnell voranpreschenden Strophen sind eine perfekte Mischung aus Härte und Atmosphäre. Sänger Tommy beherrscht sowohl die Künste des Growlings in Perfektion als auch des Clean Gesangs, der gerade in der ausladenden Hook zur Geltung kommt. Das Stück bleibt hängen und offenbart neben einprägsamen Melodien schwindelerregende Instrumentalparts, die zeigen, warum es eine Band wie MYGRAIN braucht. "Out Of This Life" knüpft nahtlos da an, wo der Opener aufgehört hat, es wird geballert! Ohne Kompromisse wird uns erneut die Strophe um die Ohren gedrescht. Die kleinen Synthie Parts werden stets gekonnt eingestreut und überlagern nie den mit ordentlich Eiern ausgestatteten Sound. Eben jener Sound ist auch sehr positiv hervorzuheben, weil man eine gute Mischung aus glasklarem Klanggerüst und roher Gewalt gefunden hat. Die Hook ist aber mit Sicherheit das Highlight des Songs, denn wenn es irgendwo gehapert hat, dann waren es in der Vergangenheit gern mal die Melodien im Refrain, die nicht so richtig zünden wollten. Das gelingt hier aber bestens und lässt erahnen, dass die längere "Pause" die Akkus aufgeladen und neue Kreativität erzeugt hat. "Summoned Duality" überzeugt wiederum nicht ganz so sehr, wirkt etwas in die Länge gezogen wie ein altes Kaugummi. Die spacigen Strophen machen noch durchaus Spaß, was auch auf die ausladende Bridge zutrifft. Der Chorus will dann etwas zu viel und möchte sich gern mit Nachdruck in unseren Gehörgängen etablieren. Funktioniert nicht. Zu gewollt, zu wenig Verspieltheit. Genau DAS macht "The Way Of The Flesh" wieder vergessen, das in den Strophen an alte IN FLAMES Zeiten rund um "Reroute To Remain" erinnert mit seiner Aggressivität und dem unnachahmlichen Speed. Der mit Blastbeats ausgestattete Chorus liefert den perfekten Ausgleich mit seiner Epicness und zeigt auf, dass nicht mal zwingend Cleans erforderlich sind, um ein derart episches Level zu erreichen. Geiles Ding! Unbedingt hervorheben möchte ich noch "Game Of Gods", wo die Jungs gerade vom Sound her "Full Space" gehen. Die ruhigen Strophen zeichnen sich durch versierten Clean Gesang aus und steigern sich bis hin zur rohen Gewalt der Bridge, die wiederum einen ausgezeichneten Doppelchorus inszeniert. Growls und Cleans geben sich hier die Klinke in die Hand. Die Mischung funktioniert bestens und Sänger Tommy hat sich in den Jahren DEUTLICH verbessert! Unerwähnt bleiben darf auch definitiv nicht der Rausschmeißer in Form von "Waves Of Doom". 13 Minuten im Melodic Death Metal können ein absoluter Rohrkrepierer sein, doch MYGRAIN lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie zurecht zurückgekommen sind. Der lange akustische Beginn erzeugt eine tolle Atmosphäre und wie sollte es anders sein: Nach kurzem Anlauf ereilen uns knallende Blastbeats eingeführt mit einem Urschrei seitens Tommy. Der Song schafft es spielerisch, all das zu vereinen, was dieses Werk so unglaublich stark macht. Viele Tempowechsel, eine ohnehin starke Dynamik innerhalb der Songs, viel Härte, viel Melodie und ein Grundgerüst, das unerschütterlich wirkt. Toll! Die 13 Minuten vergehen jedenfalls wie im Flug...

Totgeglaubte leben länger


MYGRAIN hatte ich nicht mehr so ganz auf der Agenda, obgleich ich ihre gesamte Diskografie besitze, doch spätestens nach "V" bin ich verdammt froh, dass sie wieder unter den lebenden weilen, denn ich würde das Werk ohne weiteres an die Spitze der Diskografie stellen. Das Songwriting wirkt deutlich ausgereifter und man muss sich nicht mehr vor SCAR SYMMETRY verstecken. Gerade in Sachen Melodien liefert man hier zu 100% ab und lässt kaum Schwächephasen aufkommen. Bitte weiter so!

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Sonata (12.10.2020)

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