DRENGSKAPUR - Was der Morast verschlang

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VÖ: 10.10.2020
Bandinfo: Drengskapur
Genre: Black Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Sicherlich muss ich niemandem erneut vorbeten, für welche metallische Spielart sich Monate wie der momentane Oktober oder der nahende November bestens eignen, denn es ist - natürlich - der Black Metal, der sich von verschiedensten Seiten zeigen kann. Paganismus und Natur erscheinen als lyrische Themen zunächst natürlich so innovativ wie Tod und Teufel im Death Metal, doch wussten die Berliner DRENGSKAPUR, die bereits seit 2002 aktiv sind und nach "Der Urgewalten Werk" (2013) sieben Jahre in den Forst ziehen liessen, ehe sie dieser Tage ohne großen Wirbel den Nachfolger "Was der Morast verschlang" vorstellen, bislang stets mit stilistischem Wiedererkennungswert herauszustechen und lassen sich auf ihrem neuen, vierten Werk auch nicht auf den so üblichen Romantizismus ein, sondern waten wagemutig in die von dichtem Nebel umschlungenen, tückischen Sümpfe.

Diese undurchdringlich bedrückende Stimmung fängt das Zweigespann vehement ein. Abgesehen vom akustischen Intro ("Schummerlicht") und Outro ("Geistersang") übersteigen die vier Stücke allesamt die Einzelspielzeit von zehn Minuten, benötigen dabei keinerlei Keyboardunterstützung. Dadurch entfaltet sich ein eigentümliches Charisma, wenn der "Irrwisch" mit klirrend-kalten, subtil-melodischen Gitarren, ja, regelrecht "Mit kalten Fängen" nach dem einsamen "Moorwanderer", dem Eindringling schnappt, sein Sichtfeld auf das kärglichste Minimum reduziert und damit seinen Ausweg verhindert, ihn schlussendlich "Im Morast" festsetzt. Was DRENGSKAPUR eigenständig macht, ist ihre kaum zu rekonstruierende, natürliche Intuition für das exakte Gleichgewicht zwischen schwarzmetallischer Monotonie und atmosphärisch-immersiven Harmonien, die sich merklich von denen unterscheiden, die oftmals nur aus reiner Stiltreue eingebunden werden. Dadurch fühlt man sich ein wenig an ein "Drifa" der längst aufgelösten HELFAHRT oder auch an osteuropäische Größen wie DRUDKH, die sich ebenfalls auf rohe Grundlagen und künstlerischen Instinkt verliessen und verlassen, erinnert.

Viele würden und werden auf "Was der Morast verschlang" definitiv die Abwechslung vermissen, zumal man permanent von teils interessanten Drumpatterns und frostigen Gitarrenläufen bearbeitet wird und dabei nur gelegentlich Auflockerung durch Akustikgitarren erfährt, so dass man irgendwann tatsächlich der unwohlen Vorahnung erliegt, wortwörtlich von ebenjenem Morast verschlungen werden zu können. Aber das kann man selbstredend auch positiv bewerten, weil DRENGSKAPUR hierauf mit vermeintlich simplen Methoden ein einerseits atmosphärisch bemerkenswertes, andererseits aber auch spezielles Album entsprungen ist, dessen Stimmung ideal für kalte Herbst- und Wintertage geeignet ist, manchmal aber auch ein wenig zu resolut am Gemüt des Hörers nagt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (15.10.2020)

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