MÖRK GRYNING - Hinsides Vrede

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VÖ: 23.10.2020
Bandinfo: MÖRK GRYNING
Genre: Black Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Wir schreiben das Jahr 1995. Der skandinavische Black Metal hat Hochsaison und mittlerweile ist auch Schweden richtig gut im Geschäft. Klanglich abgegrenzt zu den norwegischen Kollegen, aber auch zu einheimischen Bands wie MARDUK, DARK FUNERAL, NAGLFAR, SETHERIAL oder ARCKANUM entwickeln DISSECTION, SACRAMENTUM, VINTERLAND und eben MÖRK GRYNING einen ganz eigenen Stil, indem sie das melodische Black Metal-Grundgerüst ihrer Musik mit (Elch)Todesblei-Versatzstücken, Akustik- und Ambient-Parts sowie immer wieder eingestreuten Synthesizer-Klängen erweitern. Das MÖRK GRYNING Debüt "Tusen år har gått..." kann heute neben DISSECTIONs "Storm Of The Light's Bane", SACRAMENTUMs "Far Away From The Sun" und VINTERLANDs "Welcome My Last Chapter" definitiv als Meilenstein dieser Stilrichtung angesehen werden. So sind der Titelsong, "Unleash The Beast" oder "Min Sista Ford (En Visa Om Deden)" zeitlose Meisterwerke, die beim Hören auch nach 25 Jahren noch eine Gänsehaut verursachen.

Schipperte MÖRK GRYNINGs zweite Full Length Veröffentlichung "Return Fire" noch halbwegs im Fahrwasser des Debüts, so entfernte sich der Nachfolger "Maelstrom Chaos" stilistisch bereits merklich vom Erstling und diese Entwicklung setzte sich auch auf den nächsten beiden Alben fort. Soll heißen, auf der fünften, selbstbetitelten Langrille "Mörk Gryning" war der ursprüngliche Sound der Band komplett verschwunden und progressiveren, sperrigeren und sehr technischen Klängen gewichen. Kurz darauf verschwanden die Schweden für unglaubliche 15 Jahre in der Versenkung...

...Oktober 2020. MÖRK GRYNING sind zurück wie der Phönix aus der Asche und präsentieren uns ein neues (das mittlerweile sechste) Album. Na dann! Die Spannung steigt! Player anwerfen, den virtuellen Silberling einlegen, anschnallen, jetzt kann es losgehen!

Das atmosphärisch-sakrale Intro gewährt uns noch eine Minute des Innehaltens, dann bricht mit "Fältherren" die Hölle los. MÖRK GRYNING blenden die letzten 24 Jahre komplett aus und machen exakt dort weiter, wo sie 1995 mit "Tusen år har gått..." aufgehört haben: der Opener ist stellenweise rasender, hochmelodischer elchtodangehauchter Black Metal der Spitzenklasse! Und schon direkt zu Beginn findet sich dieser enorme Abwechlungsreichtum wieder, der bereits das Debüt ausmachte und die Musik der Schweden erneut auf ein extrem hohes Qualitätslevel hebt.

"Existence In A Dream" und "Infernal" stehen der Albumeröffnung in nichts nach - bereits mit diesen drei Songs haben MÖRK GRYNING das Gros ihrer Konkurrenz locker hinter sich gelassen. In "A Glimpse Of The Sky" wird erstmals das Tempo gedrosselt. Die Nummer ist definitiv der Hit des Albums. Eingängig, mitreißend, catchy-groovend im musikalischen Bereich, wird dem Hörer neben den großartigen schwarzmetallischen Shouts von Draakh auch Klargesang geboten.

Die geschwindigkeitstechnische Verschnaufpause währt allerdings gerade einmal vier Minuten (inklusive der akustischen Interlude "Hinsides"), dann feuern MÖRK GRYNING mit "The Night" erst mal wieder aus allen Rohren. "Sleeping In The Embers" läutet hernach den zweiten Teil des Albums ein, auf dem sich das Stockholm-Quintett wieder gemäßigter und noch etwas verspielter präsentiert. Zu dem erneut eingesetzten männlichen gesellt sich hier auch weiblicher Klargesang. Weiterhin enthalten Stücke wie "Sleeping In The Embers" in den ruhigeren Passagen sogar eine dezente Melancholie - nur eine von verschiedenen Facetten, die die Stücke auf "Hinsides Vrede" so abwechslungsreich, spannend und auch unvorhersehbar machen. "On The Elysian Fields" lässt das Album einfühlsam und verträumt mit sanfter Klaviermusik ausklingen. Die Wucht der vorausgegangenen Tracks hallt nichtsdestotrotz noch lange nach.

Fazit:

Mit dem unfassbar grandiosen Comeback-Album "Hinsides Vrede" liefern MÖRK GRYNING exakt DAS ab, was sie am besten können und laufen dabei zu absoluter Höchstform auf! Der aktuelle Longplayer ist dem exzellenten Debüt in allen Belangen ebenbürtig. Dadurch, dass die kreativen Köpfe der Band allerdings im Lauf der Jahre gewachsen und gereift sind, hat für mich "Hinsides Vrede" sogar die Nase leicht vorn. Das liegt (u.a.) wahrscheinlich auch am zeitgemäßen, druckvollen, aber trotzdem ausreichend rauen Soundgewand. Die Scheibe ist absolut in sich stimmig, die Stücke zeugen von erstklassigen Songwriting-Qualitäten, und auch das musikalische Handwerk ist über jeden Zweifel erhaben. Ergo, MÖRK GRYNING haben hier auf jeden Fall ein Album für die Black Metal Top 10 des Jahres 2020 abgeliefert!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (25.10.2020)

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