PALLBEARER - Forgotten Days

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VÖ: 23.10.2020
Bandinfo: PALLBEARER
Genre: Doom Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Ihr kennt mich und meine Vorlieben, Erwartungen oder Abneigungen musikalischer Natur ja mittlerweile. Erspähe ich ein interessantes Artwork und kenne die damit für sich werbende Band noch nicht, ist zumindest ein zaghaftes Probehören natürlich oberste Pflicht. Machen wir es kurz und schmerzlos: Hätte ich PALLBEARER vor "Forgotten Days" noch nicht gekannt und verehrt, würde ich das amerikanische Doom-Quartett zumindest mit diesem neuen Werk wohl nicht kennen und schlussendlich auch lieben lernen. Denn obwohl das zweifelhafte Frontgemälde im thematischen Kontext durchaus Sinn ergeben mag, spricht mich die gesamte Umsetzung daran einfach überhaupt nicht an.

Gleichsam trifft auf "Forgotten Days" aber auch der Grundsatz zu, den schon die englischsprachigen Vorfahren philsophisch zu deuten wussten: „Don't judge a book by its cover“. PALLBEARERs Viertveröffentlichung ist quasi der Grower aller Grower. Zunächst noch unscheinbar und kauzig-widerspenstig, gewinnt "Forgotten Days" mit jedem weiteren Durchgang an Intensität und unterscheidet sich dabei doch in nahezu allen Aspekten recht deutlich von seinem leichtfüßigen aber auch progressiveren Vorgänger "Heartless". Zum einen wären da die lyrischen Inhalte zu nennen, die wesentlich persönlicher, ja, intimer als zuvor ausfallen und beispielsweise die Krankheit Alzheimer behandeln (im Titeltrack "Forgotten Days") oder Tode von Familienmitgliedern aufarbeiten. Zum anderen, und darauf nahmen natürlich auch die Lyrics Einfluss, hat sich musikalisch eine fesselnde Schwere in den acht großartigen, instinktiver eingespielt wirkenden Kompositionen verwurzelt. Und dann wäre da auch noch der Klang, der wesentlich erdiger und härter ausgefallen ist und den schwermütigen Charakter effizient betont.

Nachhaltig haften blieb dabei meine persönliche Erfahrung mit "Forgotten Days", das beim Erstdurchlauf oberflächlich noch unscheinbar erklang, innerlich bzw. unterbewusst aber zu weiteren Durchläufen drängte und somit schnell wuchs. Es ist eines dieser Alben, bei dem ich definitiv ein, zwei oder gar drei Anspieltipps geben könnte (das ruhige "Riverbed" oder das psychedelische "Caledonia" zählen zweifelsohne dazu), um einen repräsentativen Eindruck von der Grundstimmung zu erhalten, schlussendlich aber trotzdem zum konzentrierten Hören und Fühlen des kompletten Kunstwerkes raten würde, weil PALLBEARER nachempfindbar viel Mühen und Leidenschaft investiert haben. Der schleppende Longtrack "Silver Wings" beispielsweise ist für sich genommen schon ein dramaturgisches Meisterwerk, blüht aber inmitten kürzerer, geradliniger Stücke à la "Stasis" und "The Quicksand Of Existing" erst so richtig auf.

Was mich an PALLBEARER beeindruckt, ist relativ einfach erklärt: Die vier Herren sind authentisch, auch in ihrer Kunst. Und begabt sowieso. Sie können auf jedem Album unterschiedliche Schwerpunkte setzen und bleiben trotzdem dieselbe Band, die sowohl pointierte als auch ausladende Stücke packend umsetzt und dabei Tradition und Moderne glaubwürdig verbindet, mit demselben grandiosen Sänger, der nicht nur in "Vengeance & Ruination" oder "Rite Of Passage" über sich hinauswächst, sondern durchgängig ein Level erreicht, bei dem man jeder einzelnen Silbe Glauben schenkt und die Emotionen regelrecht spüren kann. Ich höre mittlerweile immer mehr Doom und Stoner Metal, entdecke viele spannende Interpreten, aber im Jahre 2020 kommt an PALLBEARER ("Forgotten Days") und ELDER ("Omens") nichts und niemand vorbei.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (21.10.2020)

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