KADAVAR - The Isolation Tapes

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VÖ: 23.10.2020
Bandinfo: KADAVAR
Genre: Psychedelic Rock
Label: Robotor Records
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Lineup  |  Trackliste

Langsam aber sicher kommt die Welle der Corona-Alben in Schwung, KADAVAR haben die Zwangspause ebenfalls genützt. Davon kündet das neue während des Lockdown entstandene Werk „The Isolation Tapes“. Ohne die Pandemie wären die drei Berliner in diesem Frühjahr noch mitten im Tourzyklus zu „For The Dead Travel Fast“ gewesen, der allerdings jäh unterbrochen wurde und die Gruppe zum Umdenken zwang.

Anscheinend sind KADAVAR mit den veränderten Umständen allerdings bestens zurechtgekommen. Als eine der ersten Bands haben sie ein Konzert aus ihrem Proberaum live gestreamt und sich anschließend direkt dem nächsten Album gewidmet. Laut eigenen Aussagen hat sich Sänger Lupus noch nie so frei innerhalb der Band gefühlt, da der Lockdown den normalen Alltag der Gruppe unterbrochen und diese somit aus der Umklammerung von Tourneen und Promotion befreit hat. Unter diesen Voraussetzungen ließ die Gruppe ihre Kreativität treiben, was sich in einem radikal veränderten Klangbild äußert. Standen KADAVAR bisher für treibenden Rock in der Tradition von Acts wie BLACK SABBATH oder PENTAGRAM, hat nun die „krautige“ Seite überhandgenommen. Freie Jams waren schon immer Teil der Musik, doch so losgelöst und ohne Schranken hat man KADAVAR noch nicht gehört. Nahezu alle Tracks basieren auf sphärisch, flächigen Synthie-Sounds, die gewohnten treibenden Beats sowie die sägenden Gitarren sucht man Großteils vergebens, der geneigte Hörer muss sich also auf viel Neues einstellen. Die ersten Takte vom Opener „The Lonely Child“ geben mit ihrem getragenen, flächigem Klangteppich schon die grobe Marschrichtung für das restliche Album vor, ehe sich das Stück zu einer instrumentalen Spacerock-Hymne Marke HAWKWIND entwickelt. Schon hier ist klar, dass Synthesizer noch nie von so großer Bedeutung waren, die Gitarren und auch das Schlagzeug nehmen sich bewusst zurück. Akzeptiert man die klangliche Evolution der Gruppe muss man anerkennen, dass die Jungs noch immer begnadete Singschreiber sind. Auch wenn KADAVAR jetzt ruhiger tönen, ist der Großteil der Stücke noch immer klasse, nur gegen Ende findet sich dann doch etwas Füllmaterial („Peculiareality(!), „The Flat Earth Theory“, "Black Spring Rising“).

KADAVER stellen ihre Fans mit neuem Sound auf die Probe. Wer die Herausforderung annimmt und sich auch mit ruhigen gemäßigten Tönen anfreunden kann, der wird mit „The Isolation Tapes“ viel Freude haben und in (vor)freudiger Erregung erwarten wie KADAVAR diese neuen Töne in ihre energetischen Konzerte integrieren werden.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Michael Walzl (23.10.2020)

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