OCEAN HILLS - Santa Monica

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VÖ: 27.11.2020
Bandinfo: OCEAN HILLS
Genre: Alternative Rock
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

IGNITE und Zoltán "Zoli" Téglás waren eine Einheit, ein untrennbares Gefüge aus melodischem OC-Hardcore und einer Stimme wie keiner anderen. Doch wie so oft meinte es das Leben anders...im November 2019 verkündete der langjährige Frontmann überraschend seinen Ausstieg aus der Band. Sein ehrenwertes Engagement im Tierschutz und "andere Film- und Musik-Vorhaben" sollten fortan die geschätzte Zeit der Szeneikone in Anspruch nehmen. Knapp ein Jahr später ist Zoli Téglás zurück - mit einer neuen Band namens OCEAN HILLS und einem fabrikneuen Blaumann.

Der Name OCEAN HILLS leitet sich aus den beiden Herkunftsorten der Bandmitglieder ab - ein Teil stammt, wie der Sänger erklärt, aus Kalifornien (dem kleinen Dorf am Strand) und der Rest aus Budapest (dem hügeligen Buda-Teil genauer gesagt). Warum aber plötzlich Blaumann?! Sollte der ehemalige IGNITE-Fronter plötzlich dem Aussie-Altmeister Angry Anderson nacheifern und die "Sisters" in der ersten Reihe stilecht mit Handkuss begrüßen?


Zoli Téglás über OCEAN HILLS:

„Ich möchte einfach nur, dass man OCEAN HILLS als Working-Class-Rock’n’Roll-Band kennt.“

„Ich versuche, Musik zum Beispiel für einen Durchschnittsklempner aus New Jersey zu schreiben, der nach einem langen Tag von der Arbeit kommt und sich in einem Song verlieren möchte, denn die meisten Menschen da draußen arbeiten sich den Arsch ab. Ich schreibe Musik für 30-, 40- und 50-Jährige; Menschen, die verstehen, woher OCEAN HILLS kommen.“


Höchstwahrscheinlich nicht, aber wie man den Ausführungen des Sängers entnehmen kann, möchte er mit seinem neuen Projekt gleichwohl Musik für Malocher schreiben. Musik schaffen, in der man nach einer harten Plackerei versinken kann. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man dem Resultat seinen "Working-Class-Charakter" wahrscheinlich nicht auf den ersten Hörer anmerken, denn über weite Strecken klingt das OCEAN HILLS-Debüt "Santa Monica" eher nach "IGNITE meets Stadionrock" - mit Parallelen zu zeitgenössischen Bands wie den im Begleitschein angeführten NICKELBACK und ALTER BRIDGE. Die vernarbten, öligen Arbeiterpranken findet man also - musikalisch gesprochen - eher im Playmobil-Format vor...aber wen interessiert das schon? Genau genommen kommt es doch nur darauf an, dass die Sache mit dem metaphorischen Versinken nach Dienstschluss auch sauber funktioniert - und das, werte Leserschaft, klappt mit der hier vorgestellten Begleitmusik gar hervorragend!

Der Opener "Bounce" bspw. hat in aggressivster Weise klebrige Gesangsmelodien und Hooks zu bieten, die einen schon beim ersten Fluchtversuch zurückgeschleudern, als wären Hörer und Eröffnungsact durch ein dickes Bungeeseil verbunden. Und damit steht der Track bei Weitem nicht alleine da - "A Separate Peace" und "Angels Wings" rocken eine Ecke härter und grooviger, "Death Or Liberty" lässt die samtweiche Mafia im Gehörgang Schutzgeld kassieren...und aktiviert dabei des Hörers Tränendrüsen wie eine saftige Ladung Tränengas am Morgen. "Like A Lady" zeigt sich hörbar KISS-beeinflusst und "Budapest My Love" ist Liebesbekundung und Ohrwurm-Ballade zugleich. Wie man sieht (oder hört), sind die Songs auf "Santa Monica" stilistisch weit gefasst. Man findet nur wenige gemeinsame Nenner und das ist auch gut so - denn der größte besagter Nenner ist das wahnsinnig gute Songwriting in Verbindung mit einem Höchstmaß an Eingängigkeit. Was diese Band auch anpackt - es geht durch Mark und Bein und lässt einen nicht mehr los. Und über Mr. Téglás' Stimme muss man inzwischen kaum mehr referieren - dieses Genie an der Membran könnte ohne Weiteres Old McDonald's zweitbestes Fischsuppenrezept zum Besten geben und würde auch damit die Arenen der Welt für die nächsten zehn Jahre füllen. Und auch in diesem neuen Metier liefert der erfahrene Fronter eine sehr überzeugende Performance ab.

Mit seinem Abgang bei IGNITE dürfte Zoli Téglás wahrscheinlich hunderttausenden Fans das Herz gebrochen haben. "Hätte er die musikalische Ader nicht mit einem Soloprojekt ausleben können" hier, "würde eine Runde Crowdfunding für Sea Shepherd nicht auch reichen" da...doch wer sind wir, die bewusste Entscheidung eines mündigen Bürgers in Frage zu stellen? Zweifelsohne werde auch ich die charakteristische Stimme bei IGNITE schmerzlich vermissen, aber wie man es dreht und wendet: das neue Projekt des charismatischen Sängers weiß aus dem Stand zu überzeugen. Wenn es also irgendwann mal wieder Liveshows gibt, werde ich die Truppe mit offenen Armen empfangen und feiern - ganz egal, ob ihr Chef noch für eine Runde "This Is A War" zu haben ist oder nicht!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (20.11.2020)

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