BLACK STONE CHERRY - The Human Condition

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VÖ: 30.10.2020
Bandinfo: BLACK STONE CHERRY
Genre: Southern Rock
Label: Mascot Label Group - Rough Trade
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Lineup  |  Trackliste

BLACK STONE CHERRY sind zurück! Nachdem schon die Besprechung ihres bis dato letzten Releases, der Cover-EP "Black To Blues, Volume 2", in einem Kalauer aus schlüpfrigem Wortwitz und gebrochenem Französisch gipfelte, müssen wir ein Jahr später Wort halten und uns der nächsten regulären Platte annehmen. "The Human Condition" wurde im Frühjahr des krisengebeutelten Jahres 2020 eingespielt und entstand damit, wie Drummer John Fred Young resümiert, in einer Zeit der Ungewissheit: "Während der Aufnahmesessions spürten wir regelrecht die Angst vor dem Unbekannten - es war eine beängstigende Zeit". Und während Gitarrist Ben Wells optimistisch "die Verstärker bis zum Anschlag aufdreht" und von "schönen schweren Gitarrenriffs" oder gar "Wiedergeburt" spricht, fragt man sich, welche dieser Seiten nun deutlicher aus den neuen Songs herausstechen würde.

Aber warum eigentlich Wiedergeburt? BLACK STONE CHERRY waren nie weg und haben gerade in ihrer jüngeren Historie starken Stoff geliefert. Und nach dem famosen "Family Tree" und dem unterhaltsamen "Black To Blues"-Duo durfte man Großes erwarten. Was Album Nummer sieben indes bedeutet, kann man ein stückweit als "back to the roots" und damit im weitesten Sinne tatsächlich als "Wiedergeburt" bezeichnen. Waren der direkte Vorgänger und die Cover-Sessions doch auffällig bzw. naturgemäß blueslastig, kehren mit "The Human Condition" tatsächlich die schweren Gitarrenriffs, für die man BLACK STONE CHERRY seit Anbeginn ihrer Karriere kennt, zurück. Der Opener "Ringin' In My Head" und das fette "The Chain" sind hierbei gute Beispiele und zugleich patente POIs für die Navigationsapp der heimischen Plattenspieleranlage. Auch in puncto hart anhaftender Refrains und Gesangslinien können Chris Robertson und Co. erneut punkten, z. B. im emotionalen Refrain von "Again" oder mit "Some Stories". Und für die Tribute-Ecke liefert das ELECTRIC LIGHT ORCHESTRA-Cover "Don't Bring Me Down" einen weiteren Klassiker in typischem BSC-Gewand.

Musikalisch haben BLACK STONE CHERRY also wieder leicht den Kurs verändert, bleiben dabei aber zu 100% in ihrem Kosmos. Im Großen und Ganzen gibt es an "The Human Condition" nichts Gravierendes auszusetzen, weswegen man als Fan von Band und / oder Zunft nicht viel falsch machen kann. Beim genauen Blick unter die Haube und dem obligatorischen Diskographie-Check fällt der neue Langläufer aber zumindest hinter den starken Zugpferden im Stall zurück. So sind vereinzelte Stücke wie "When Angels Learn To Fly" und "If My Heart Had Wings" schlicht eine Ecke zu schmalzig und würden gegen ältere Balladen der Truppe klar den Kürzeren ziehen. "Things My Father Said" bspw. rührt mich noch heute zu Tränen und auch "My Last Breath" war eine Glanzleistung vor dem Herrn. Den härteren und hymnischeren Stücken fehlt gelegentlich der letzte, infinitesimale Tropfen hörbarer Leidenschaft und auch der Sound, der bei BSC eigentlich immer vom Feinsten war, ist dieses Mal etwas steril und steif geraten, was im Vergleich zu den letzten Alben einen kleinen, aber bemerkbaren Rückschritt bedeutet.

Es mag sich wie harsche Kritik lesen, ist aber am Ende halb so wild. Die angesprochenen Punkte springen einem alteingesessenen Hörer und Fan, der nach den letzten Releases vielleicht einen modernen Klassiker zwischen "Family Tree" und "Folklore And Superstition" herbeigesehnt hat, nun mal einfach ins Gesicht. Es ist aber andererseits nichts, weswegen man die Platte gleich zerreißen müsste...zumal die Zahl starker Songs nach wie vor zufriedenstellend ist. "The Human Condition" ist womöglich nicht die stärkste Scheibe im BSC-Regal, aber noch lange kein totaler Reinfall. BLACK STONE CHERRY bleiben nun mal BLACK STONE CHERRY - und BLACK STONE CHERRY leisten sich vielleicht mal einen kleinen Hänger, liegen aber am Ende nie wirklich daneben.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (12.11.2020)

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