SOULBURN - NOA'S D'ARK

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VÖ: 13.11.2020
Bandinfo: SOULBURN
Genre: Black / Death Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Das niederländische Black/Death-Metal-Bollwerk SOULBURN kehrt nach vier Jahren mit seinem neuen Album "NOA'S D'ARK" zurück. Ur-Drummer Bob Bagchus reichte 2018 seine Stöcke und Kessel an Marc Verhaar (GRACELESS) weiter, wodurch Eric Daniels zum einzigen Mitglied der frühen Tage wurde. Das restliche Lineup der Band, die einst aus den vorläufigen Trümmern von ASPHYX entstand, blieb unverändert in der Besetzung des Vorgängers "Earthless Pagan Spirit". Insoweit spricht nicht viel für eine gravierende Veränderung des Sounds. Oder vielleicht doch?

Im Prinzip könnte man erwarten, dass SOULBURN auch nach einem Wechsel des Taktgebers in der Spur ihrer letzten Alben bleiben würden. Immerhin schwört die Band seit Anbeginn ihrer Existenz auf alte Idole wie VENOM und BATHORY und macht auch keinen Hehl aus deren Einfluss auf das eigene Schaffen. Aus einer solchen Herangehensweise leitet sich nahezu zwangsläufig ein entsprechendes Maß an Traditionsbewusstsein und Linientreue ab, was für sich gesehen durchaus als Pluspunkt in besagter Sparte angesehen werden kann. Und tatsächlich machen die Jungs aus Oldenzaal stilistisch keinen Quantensprung - zumindest keinen allzu großen. Alles in allem klingen die Songs etwas deathiger als ihre direkten, urschwarzen Vorgänger und sind zudem abwechslungsreich und spannend komponiert. "Triumphant One" - mit seinen zwei Minuten Laufzeit mehr Interlude als autarker Song - verbreitet eine verschlafene, fast schon verträumte Stimmung. Es bietet im letzten Drittel die nötige Luft zum Atmen und erweist sich nebenbei als ungeahnter Earcatcher. "Anarchrist" und "On The Crimson Wings Of My Ruin" punkten mit dem Spagat zwischen mystischer Atmosphäre und rasender Gefühlskälte und gehören zu den potenziellen Hits der Platte.

Twan van Geel spielt mit seiner Stimme und lässt dabei den natürlichen Charakter seines Organs zum Vorschein treten. "Assailed By Cosmic Lightning" erhält dadurch neue Facetten und eine geradezu menschliche Komponente - in diesem Fall ein klarer Zugewinn. Im brachialen Midtempo-Stampfer "Anointed - Blessed - And Born For Burning" gastiert ASPHYX-Fronter Martin van Drunen, dessen markantes Keuchen und Heulen an den schmerzgeplagten Aufschrei nach der ungewollten Kollision eines schweren Topteils mit dem linken Zeh erinnert. Oder womöglich an den Werwolf aus der Ducktales-Episode "Die Ducky Horror Picture Show" von 1987 [der Verfasser zu seinem Spiegelbild: Oida geht's noch?! Kinderfernsehen in einer BM-Rezension?! Aber im Ernst Leute - wer diese Assoziation nicht nachvollziehen kann, hat seine Kindheit vergeudet!]. Die Nummer ist vielleicht ein stückweit unfreiwillig komisch geraten, bleibt aber wie man es dreht und wendet ein kleines Highlight – nicht zuletzt wegen van Drunens Gastauftritt beim ehemaligen Nachfolger seiner eigenen Band.

Den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen SOULBURN allerdings mit dem neuen Sound. Einerseits ist die Produktion merklich sauberer, drückender und moderner gehalten, andererseits jedoch sehr gut auf die einzelnen Akteure abgestimmt und nach wie vor mit dem nötigen Rotzfaktor versehen. Die Gitarren schneiden wie eine Diamantsäge, die Drums klingen nicht zu klinisch und der Bass wird in seiner dominanten Rolle fast schon zum Lead-Instrument. An dieser Front spielt sich fast schon eine kleine Revolution ab, die aber nicht zwingend als Nachteil gesehen werden muss und dem erwähnten Death-Metal-Touch gebührend Rechnung trägt.

Die Qualität der Songs ist über die volle Distanz zufriedenstellend. Und auch, wenn hier verschiedene Tracks aufgrund gewisser Eigenschaften hervorgehoben werden, soll dies die übrigen Stücke nicht in den Schatten stellen. "NOA'S D'ARK" ist ein Album ohne nennenswerte Schwächen und kann ohne Ausnahme als Ganzes gehört werden. Es geht die Dinge anders an, ohne dabei den Bogen zu überspannen. Es bringt frischen Wind in die Hütte, ohne dabei zu sehr an der alten Tapete zu reißen. Es serviert Vertrautes, ohne als lauer Aufguss durchzugehen - und so wollen wir unser Genre schließlich erleben, oder?



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (09.11.2020)

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