SUBTERRAEN - Rotten Human Kingdom

Artikel-Bild
VÖ: 20.11.2020
Bandinfo: SUBTERRAEN
Genre: Doom Metal
Label: Transcending Obscurity Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Die französische Blackened Doom/Sludge Kapelle SUBTERRAEN stellt sich vor: "slow and crushing. Spawned from the wrath of a downtrodden planet". Verstörende Geschichten über die langsam fortschreitende Zerstörung des Erdenrund und die unbarmherzige Rache von Mutter Natur. Die Erde hat Fieber und wir sind das Virus - wollen uns die Franzosen diese und ähnlich lautende Fundamentalweisheiten vermitteln? Vielleicht. Um ehrlich zu sein: ich weiß es nicht. Zu verzerrt und guttural ist der Vortrag von Sänger und Gitarrist Hlvt. Hlvt?! Ganz recht, Hlvt. Wie es scheint, neigen die Herren zur Geheimniskrämerei. Aber Namen sind Schall und Rauch...und auch die Musik benötigt nicht zwingend verständliche Lyrics, um ihre Aussage zielgerichtet zu transportieren.

Denn eines muss man SUBTERRAENs Erstwerk "Rotten Human Kingdom" lassen: es ist glasklar und vernebelt zugleich. Es spricht eine deutliche Sprache, ohne dabei verständlich zu sein. Es findet klare Worte, ohne sie auszusprechen. Es kommuniziert auf anderen Ebenen und hinterlässt vernarbte Impressionen in Geist und Seele. Die plärrenden und dröhnenden Gitarren umgarnen den Hörer bedrohlich... wie schwarzer Nebel, in den man sich nicht vorzudringen wagt. Und sie schaffen ein kleines Kunstwerk, das mich an ihre deutschen Amtskollegen von EREMIT erinnert: denn so simpel und monoton die Riffs auch manchmal sind, so treffsicher, atmosphärisch und fesselnd sind sie zugleich. Der unheilvolle Zauber dieser Musik zieht den Hörer schnell in seinen Bann und lässt ihn in lauwarmer Schwefelsäure vor sich hin köcheln. Sie hat einen schwer beschreibbaren, mystischen Charme, der auf spiritueller Ebene ebenso souverän betört wie auf auraler.

Doch was macht eigentlich diese ominösen Kompositionen aus? Das Album besteht im Wesentlichen aus drei überlangen Stücken, deren Großteil schleppende Passagen mit statischen, langsam ausdröhnenden Riffs ausmachen. Die Vocals klingen gequält und klagend, sind ein Ausdruck unendlichen Leids. Der Sound ist erdig, verwaschen und reich an verzerrter Ranzerei - ähnlich wie bei den ebenfalls als Referenz angeführten JUPITERIAN. Zudem kommt das Trio ohne Bass aus und schafft seinen knarzigen Unterbau stattdessen mit der zweiten Gitarre (eine weitere Parallele zu den vorgenannten EREMIT). Überdies erwähnenswert sind der Einfluss des Black Metal und die sporadischen Ruhepole in den Songs. Die BM-Schlagseite sorgt für eine grundsätzliche Düsternis und Kälte, blitzt in Form von Gesang und Leads hervor und entlädt sich abrupt in Form von rumpelndem Geblaste und schneidenden Tremolos in "For A Fistful Of Silver". Die ruhigen Plateaus in "Blood For The Blood Gods" und "Wrath Of A Downtrodden Planet" sowie das Interlude "Oceans Are Rising" verändern die Stimmung und driften in melancholische, verträumte und meditative Sphären ab.

Dies alles verschmilzt in den Stücken von "Rotten Human Kingdom" zu einem konsistenten Kollektiv, das es schafft, den Hörer durchgehend bei der Stange zu halten. Auch das Artwork verspricht mit seiner herausstechenden Aquarell-Optik und der bedrückenden Farbkomposition einen echten Hingucker im Plattenregal. Damit liefern die Franzosen einen runden und auch als Gesamtkunstwerk überzeugenden Einstand ab, dem man sich als Fan einschlägiger Bands nicht verschließen sollte.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (13.11.2020)

WERBUNG: Area53 2022
ANZEIGE