THRUST - The Helm Of Awe

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VÖ: 30.10.2020
Bandinfo: THRUST
Genre: Heavy Metal
Label: Pure Steel Records
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Lineup  |  Trackliste

Die Band, die gerade mit Hochdruck durch das Stormbringer-Loft schallt, gibt es bereits eine gefühlte Ewigkeit. Nach ihrer Gründung Anfang der 1980er Jahre veröffentlichten THRUST mit "Fist Held High" ein Album, welches unter manchen Szenekundigen bis heute als waschechter Klassiker des US-Metal gehandelt wird. Unmittelbar nach diesem Werk übersiedelte die gesamte Band von Chicago nach Los Angeles, wo es aber bis auf den Gitarristen Ron Cooke keines der Mitglieder lange aushielt - die Band zerbrach und Cooke blieb als einziges Originalmitglied allein zurück.

Es folgte eine längere Auszeit, bevor im Jahr 2002 mit neuer Mannschaft ein Neustart versucht wurde. Dieser gestaltete sich holpriger als erwartet und erst in jüngerer Vergangenheit präsentiert sich das Lineup stabil, was sich auch in regelmäßigeren Auftritten und Veröffentlichungen niederschlägt. Und so ist "The Helm Of Awe" nach "Harvest Of Souls" (2018) bereits das zweite Album mit unveränderter Mannschaft. Hat ja eh nur knapp dreißig Jahre gedauert.

Geboten wird solide US-Metal Kost, die dem einen oder anderen Genrefan feuchte Augen bescheren dürfte. In groovigem, eher im mittleren Tempo angesiedeltem Old School Metal haben sie ihre Nische längst gefunden. Insofern staret das Album ganz und gar untypisch mit "Blood In The Sky", wo mit dezenten Thrash-Versatzstücken geliebäugelt wird. Es bleibt aber beim Flirt, bereits mit dem zweiten Track ist man auf der klassischen Schiene gelandet. Ein erstes richtiges Highlight ist aber das epische (und damit ist nicht nur die Länge gemeint) "Killing Bridge", welches schleppend, doomig und im Vergleich zum restlichen Album beinahe balladesk aus den Lautsprechern kriecht. Der Track lebt vor allem vom Gesang des (nicht mehr ganz so) neuen Sängers Eric Claro, der es versteht, hier eine tolle Stimmung aufzubauen. Das gelingt leider nicht auf allen Songs so hervorragend, zu selten kommt er so richtig aus seiner Wohlfühlzone, um Akzente zu setzen. Wenn er es aber tut, wirds richtig spannend. Zu beobachten etwa beim Titeltrack, wo Claro die gesamte Bandbreite seiner Fähigkeiten offenbart. Limitiert sind aber bedauerlicherweise auch die Gitarristen. Zwar sägen die Riffs ganz anständig, doch die Soli rasseln eher so mittelgut daher. Da fehlt mir der zündende Moment, den beispielsweise die ähnlich gelagerten Labelkollegen NIVIANE mit ihrer zeitgleichen Veröffentlichung von "The Ruthless Divine" an den Tag legen.

Insgesamt ein bemühtes Album, das für mich knapp über der Durchschnittsmarke rangiert. Genrefans wirds wurscht sein, denn zum gepflegten Abschädeln taugt "The Helm Of Awe" allemal. Und einen moderaten Legendenbonus hat man ja, wie eingangs erwähnt, auch noch zu Buche stehen.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: adl (03.11.2020)

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