DÉLUGE - Ægo Templo

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VÖ: 06.11.2020
Bandinfo: DÉLUGE
Genre: Post-Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste

Frankreich und Black Metal - a match made in heaven. Oder manchmal auch in hell. Unzählig viele Kollektive unterschiedlicher Couleur könnte man nun inkrementieren, würde dann aber vermutlich trotzdem noch einige versehentlich auslassen. Alleine aus diesem Grund gelang ich kürzlich zu der Motivation, DÉLUGE, die ich bis dahin noch nicht kannte, und ihrem über Metal Blade Records erscheinenden "Ægo Templo" mein Gehör zu schenken; u.A. auch deshalb, weil es speziell im Post-Black Metal zwar zahlreiche Projekte und Bands, darunter aber leider nur wenige hochklassige zu entdecken gibt und sich zumindest Frankreich diesbezüglich bisher positiv schlug. Und klar, das Metastazis-Artwork hat natürlich auch sein Meritum daran.

Lange habe ich seit Erhalt der Promo zu "Ægo Templo" überlegt, wie ich mein Erlebnis damit möglichst nachvollziehbar zusammenfassen, bewerten und all das verschriftlichen kann. Und es gab 2020 definitiv so einige Werke, bei denen mir das Resümee deutlich leichter fiel, obschon DÉLUGE sicherlich vieles richtig machen. Die Atmosphäre, die man mittels gesampelter Wellengänge ("Soufre"), Regenergüsse ("Abysses") und kryptisch-kalter Interludes à la "Fratres" aufbaut, ist durchaus vielversprechend, doch für ein einstündiges Album ist "Ægo Templo" summa summarum zu ereignisarm und fragmentiert. Die Crux daran ist, dass wirklich jeder der insgesamt zehn Songs irgendeine großartige Idee hervorzaubert, das Momentum dieser allerdings nicht immer vollständig aufzugreifen weiß. Beispiele? Die gediegenen Melodien und das skurril kreischende Saxofon von Matthieu Metzger in "Opprobre". Oder der Gastbeitrag von ENVYs Tesuya in "Gloire au Silence". Leider verblassen derartige Momente rasch, weil es der viel zu modernen Produktion an Charisma und Transparenz fehlt und das instrumentale Grundgerüst abgesehen von der überwiegend exzellenten Leadgitarre desöfteren eher beliebig nebenhertändelt.

Nichtsdestotrotz gibt es auf "Ægo Templo" auch einige künstlerische Lichtblicke, die das Quintett gut umsetzt und dazu zählt v.A. die zweite Albumhälfte mit Songs wie dem Titeltrack oder auch "Digue", die zudem von der wunderbaren Stimme Hélène Muessers untermalt werden. Auch "Baïne" weiß mit eleganten Harmonien und vereinzelten Keyboardtupfern zu überzeugen. Das macht es selbstverständlich umso komplizierter DÉLUGE und ihr Metal-Blade-Debüt angemessen zu bewerten, denn auch wenn man sie ungefähr in der Nähe von DOWNFALL OF GAIA oder auch HOPE DRONE verorten kann, hört man "Ægo Templo" einen eigenen Charakter und dazu auch noch viel Potenzial an. Dafür fehlen mir persönlich die Konsequenz und Stringenz im Songwriting, die trotz der Experimente möglich sind bzw. sein sollten, sowie eine weniger aufgeblasene Klangabmischung, die eben nicht sämtliche Details im klinischen Wust aus maschinellem Drumsound und komprimierten Gitarren untergehen lässt. Dass man für den Vorgänger "Æther​" ausgerechnet den Amerikaner Joey Sturgis, der eigentlich nahezu ausschließlich für sterile Metalcore-Produktionen zuständig und bekannt war, rekrutierte, bestärkt mich leider nur zusätzlich in meinem Eindruck, dass DÉLUGE auf dieser Ebene eher geschmacklose Zeitgenossen sind und dringend von einem Sinneswandel therapiert werden sollten, weil das Bisherige schlichtweg nicht mit ihrem musikalischen Stil zusammenpasst.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (10.11.2020)

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