MACABRE - Carnival Of Killers

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VÖ: 13.11.2020
Bandinfo: MACABRE
Genre: Death Metal
Label: Nuclear Blast GmbH
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Lineup  |  Trackliste

Amüsiert euch ruhig über mich und folgende Aussage, aber das Artwork zu MACABREs "Carnival Of Killers" ist schlichtweg großartig, weil auf merkwürdige Weise herzerwärmend und - natürlich - herrlich bescheuert. Was aber noch viel bemerkenswerter darin ist: man kann ungefähr daraus ablesen, was eine/n auf dem Sechstwerk des seit 1985 bestehenden Trios erwartet - nämlich prolligen Death Metal mit morbidem Humor, mehr oder weniger bekannten, aber umgebauten Kinderreimen, Jahrmarktgeklimper und dem Gefühl, als würde man gerade im nächstgelegenen, windigen Dorfsaloon von drei schmierigen Rednecks abgefüllt werden, um dann später am Abend für menschliche Experimente mit rostigem Gerät im angebauten Schuppen gefügig zu sein. Leider klingt das nur selten so unterhaltsam wie es sich womöglich liest.

Ich will vollkommen ehrlich zu euch sein: Bis zu diesem Werk habe ich mich wenig mit MACABRE und ihrem gesamten Œuvre beschäftigt. Die Reaktionen auf die aktuellen Singles und den Vorgänger "Grim Scary Tales" liessen allerdings ansatzweise erahnen, dass das Trio seit 17 Jahren, also dem Release von "Murder Metal", nicht mehr allzu gut in Form war und ein Album à la "Carnival Of Killers" besser sein gelassen hätte. Dieser Conclusio pflichte ich nach dem anschließenden Genuss von "Gloom" und "Sinister Slaughter", also das Frühwerk, das ich zukünftig definitiv häufiger anspielen werde, spärlich mit dem Kopf nickend bei, denn abgesehen vom Opener "Your Window Is Open", "Lake Of Fire", "Now It's Time To Pay" und "The Murder Mack", bei denen obig ausgebreitetes Konzept einigermaßen schlüssig aufgeht, erscheint ein Großteil des Albums im Vergleich wie ein unausgegorenes Selbstzitat ("Richard Speck Grew Big Breasts" z.B.) mit zu vielen Clean Vocals und aufgesetzter Psychopathie ("Warte, warte" und "The Wheels On The Bug" z.B.), die dem metallischem Werkzeug die Schärfe und damit auch die Tödlichkeit rauben. Oder anders gesagt: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass diese Death-Metal-Kirmes auch nur ansatzweise so viele Besucher anlockt, wie es einem auf dem Cover suggeriert werden soll.

Erst dachte ich noch, dass ich diesen durch und durch amerikanischen Ulk vielleicht einfach nicht verstehe, das mochte durchaus im erweiterten Kreis der Möglichkeiten eingeschlossen gewesen sein, doch stattdessen stellte sich heraus, dass "Carnival Of Killers" einfach überwiegend zahnlos und daher qualitativ nicht nur Nuancen, sondern Multiversen vom früheren Schaffen MACABREs entfernt ist. Von einem Totalausfall kann man zwar nicht sprechen, aber kennt ihr das, wenn es eine Person alleine durch Mimik und aufregenden wie amüsanten Sprachgebrauch schafft, einen eigentlich eher durchschnittlichen Witz trotzdem lustig zu machen? Diese Art von Personen waren MACABRE einmal. Heute hingegen hat man es mit drei mäßig unterhaltsamen Schatten davon zu tun, die ihren Kalauer zum zigten Male runterleiern und über die Jahre einfach weitestgehend ihre Fertigkeiten als Entertainer eingebüßt haben - und dazu auch längst keine solch gewieften Mörder mehr sind.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (18.11.2020)

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