KEISER - Our Wretched Demise

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VÖ: 27.11.2020
Bandinfo: KEISER
Genre: Black Metal
Label: Non Serviam Records
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Lineup  |  Trackliste

Winterzeit! Back to nature, back to black, back to True Norwegian Black Metal! Als ich die norwegische Nachwuchsband KEISER auf meinen Reviewstapel packte, konnte ich bloß auf einen flüchtigen Moment des Reinhörens zurückblicken und erwartete nicht mehr als ein standesgemäßes, westskandinavisches Schwarzbierspektakel. Doch wie so oft trägt der Teufel Schlaghosen und erweist sich einmal mehr als der Meister aller Finten. Denn bei genauerer Betrachtung entpuppt sich "Our Wretched Demise", das Zweitwerk der Band, als unerwartet überraschend und bei Weitem nicht so bierernst und evil, wie man es von zeitgenössischen Pandaverbindungen dieser Breitengrade erwarten könnte.

Eigentlich hätte ich schon nach einem halbherzigen Check der Äußerlichkeiten misstrauisch werden müssen... Das Bandlogo erscheint für BM-Verhältnisse ungewöhnlich lustig, das Coverartwork hat einen fast märchenhaften Touch und auch die Band würde man den Fotos zufolge eher in die Melodeath-Ecke als in den norwegischen Eisschrank stellen. Aber sei's drum - rauf auf den Teller und auf in den Kampf! "Scourge Of The Wicked" steigt genretypisch mit Raserei und Geblaste ein; über zwei Minuten folgt straightes Gerödel und Geprügel, bis die Stimmung kippt. Dann springen die Norweger plötzlich und kontrastreich in die KVELERTAK-Schiene über und unterlegen ihren BM-typischen Rabengesang mit sautightem Rock'n'Roll.

"Cannons Of War" fährt eine noch stärker hybridisierende Schiene und nötigt den Hörer, im schleppenden Takt der dreckigen Riffs zu bangen. In "When Fire Rides The Nightsky" erinnern einzelne Riffs an typischen Altmeister-Heavy-Metal britischer Prägung, die tanzenden und ohrenscheinlich gezupften Bassläufe addieren dazu eine heitere Note und prägen das Klangbild der Truppe maßgeblich mit. Der Einbezug von ausgefeilten Soli und Akustikgitarren (z. B. in "Shroud") offenbart einen leichten Hang zu kompositorischer Progressivität. Wo man auch hinhört - das Gebotene entspricht nur selten der reinen Lehre des nordischen Black Metal. Doch wenn man es beim Lichte beschaut, wird die Platte durch den eigensinnigen Ansatz der Band zu einem ganz anderen Hörvergnügen. Einzig der abschließende Titelsong "Our Wretched Demise" meint es mit seinen zehn Minuten Laufzeit und einem regelrechten Potpourri an Stilen und Einflüssen zu gut und wirkt trotz einiger sehr unterhaltsamer Passagen etwas überladen.

Aber so ist das nunmal - wer sich weit aus dem Fenster lehnt, riskiert das ein oder andere Rendezvous mit dem Blumenbeet des Nachbarn. Unterm Strich ist das bisschen Gemecker am längsten Song der Scheibe aber nicht mehr als Jammern auf hohem Niveau. Ansonsten gibt es an "Our Wretched Demise" wenig auszusetzen, dafür aber eine Menge Spaß. Was mehr oder weniger konventionellen BM angeht, hatte das scheidende Jahr schon einige heiße (bzw. kalte) Eisen im Feuer - MÖRK GRYNING, HELFRÓ, WINTERFYLLETH... Der Kampf um den ersten Platz in der Frostarena wird hart, doch der Preis für guten "Black Metal mit Schuss" geht zweifelsohne an den KEISER! Wohl bekomm's!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (22.11.2020)

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