NASTY - Menace

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VÖ: 25.09.2020
Bandinfo: NASTY
Genre: Hardcore
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Trivia

Wie treffend ist doch der Albumtitel "Menace" in der aktuellen Zeit. Ein jeder von uns Menschlein wurde mit einer gewissen Kraft von der Corona-Plage, wenn man so will, getroffen und hat sich einer Bedrohung ausgesetzt gesehen, die man so selbst kaum kannte. Vor allem den Kultursektor hat diese Pandemie nahezu überrollt. Keine Konzerte, keine öffentlichen Veranstaltungen und das in einer Zeit, in der Streaming-Dienste so groß sind, dass viele Künstler auf Live-Shows angewiesen sind. Auch sämtliche Fans und musikbegeisterte Menschen mussten fast hilflos mit ansehen, wie ein großer Teil ihres Lebensinhaltes verschwand. Zum Glück kann man doch noch auf die Solidarität vieler Leute setzen, die durch Spendenaktionen und finanzielle Unterstützung in Form von Merchkäufen oder Ähnlichem, dafür gesorgt haben, dass die Musik auch weiterhin ihre unfassbare Wichtigkeit erhalten kann. Allerdings kann man auch feststellen, dass viele Künstler sich durch diese gracierende Krankheit inspiriert fühlen. Viele Songs die sich mit dem Thema Corona beschäftigen wurden bereits veröffentlicht, um den Menschen eine Möglichkeit zu geben all dies zu verarbeiten und auch die Musiker selbst nutzen ihre Kunst als Ventil. 

NASTY äußern ebenfalls, dass die Pandemie sie hart getroffen habe, aber eben auch Antrieb war, um das Album "Menace" fertigzustellen. "Four dudes doing fucked up music for a fucked up world" lautet die Maxime des Quartetts aus Belgien. Nicht nur für die Gruppe selbst ist dieses Album zur Verarbeitungsstrategie des momentanen Leids in der Welt geworden, auch als Hörer kann man der Musik und den harten Breakdowns ein kathartisches Element abgewinnen. Von NASTY ist man selbstverständlich kaum etwas anderes gewohnt als Breakdown zentrierten Hardcore und auch kaum etwas anderes erwartet einen hier. 14 Songs voller musikalischer Gewalt und absolute Stank-Face-Sounds. Bei jedem Song zieht man die Unterlippe nach oben und formt die Augenbrauen fast zu einem M. Jeder Gesichtsmuskel spürt die langsam vor sich hin bebenden Breakdowns. Die Gitarrensounds sind dabei in einem solch langsamen Tempo, dass man sich ohne Mühe vorstellen kann, wie man mit einem riesigen Vorschlaghammer bewaffnet das innere Monument der eigenen Unsicherheit in Schutt und Asche zerlegt. Dabei schafft die Musik natürlich keine Aggressionen, sie baut diese viel mehr ab. Katharsis eben. Dazu kommt, dass NASTY auch schon durch die Songtitel auf relativ offensichtliche Art und Weise aussprechen, was einem selbst während all dem mal in den Kopf gestiegen ist. Das heißt nicht, dass man Allem zustimmen muss, aber so kann man mit diesen Gedanken einfach abschließen. 

Es gibt wohl kaum eine Band, dessen Name, die Musik die sie machen so punktgenau beschreibt, wie es bei NASTY der Fall ist. Sowohl die aggressive Stimme, als auch die schon häufig angesprochenen Breakdowns, aber auch die eingestreuten Riffs könnten ohne Weiteres als Bosstheme für den Balrog aus Herr der Ringe herhalten. Der Refrain ist vor allem bei "Betrayer" hervorzuheben, der durch die Nu-Metal-Attitüde nicht weniger aggressiv aber deutlich mitsingbarer wird. Klar ist, dass NASTY keine Musik zum Staubsaugen oder für das Wäschebügeln machen, wobei auch das natürlich niemandem verboten werden soll, viel mehr passt die Gewalt der Songs dazu beispielsweise beim Sport sämtliche persönliche Rekorde zu sprengen. Dabei immer auf die Atmung achten! Auch wenn "Inhale/Exhale" alles andere als ein Track zum durchatmen ist, viel mehr spitzt sich, wie so häufig, ein langanhaltendes Riff zum Ende hin derart zu, dass man den Breakdown schon 10 Sekunden bevor er dann endlich da ist spürt. 

Die einzelnen Stücke sind bisweilen zwar schwer zu unterscheiden, aber es geht der Band auch mehr darum einfach eine Stunde musikalisch abzureißen, was geht. Der Begriff Kopfnicken ist hierbei schon fast spottend, da man vielmehr den gesamten Körper in Bewegung setzt, um die wallenden Beats durch Mark und Bein brodeln zu lassen. Statt den Lockdown auszusitzen bieten NASTY eher eine Bewegungstherapie an. Da fällt auch kaum auf, dass nur ein einziger Song länger ist als drei Minuten. Das Zeitgefühl ist ohnehin längst Geschichte. Abgeschlossen wird das Album von dem Instrumentalstück "Ballad of Bullets" welches absolut genial ist. Mehr davon Bitte! Viele Tempowechsel und generelle Variabilität, die man von dem restlichen Album eher weniger gewohnt ist, prasseln auf den Hörer ein und schließen auch dessen kathartische Erfahrungen mit einer gewissen Milde ab. "Menace" ist dafür da dem Hörer/der Hörerin neue Kraft zu geben und zu zeigen, dass niemand allein ist, so einsam sich die Zeiten auch anfühlen können. Die pure musikalische Gewalt, die von den kräftigen Breakdowns transportiert wird ist viel mehr dafür da dem Auditotium die Möglichkeit zu geben, die innere Frustration einen Moment gewähren zu lassen. Musik ist und bleibt einfach ein unfassbar wichtiges Medium, nicht nur für die kulturelle Welt, sondern auch für die persönliche Verarbeitung von Gefühlen. Lachen soll angeblich die beste Medizin sein, das mag stimmen, aber manchmal ist auch das zulassen von Trauer und Wut (selbstverständlich nur in Maßen und ohne jemand anderem auch nur in geringster Form zu schaden!!!) eine angemessene Therapie. 

Sehr deutlich bemerkt man hier also, dass sich die Musik und die Kunst eigentlich aller Rezensionen entzieht, dennoch dient eine Bewertung als Maßstab, inwiefern die vorher kommunizierten Ansprüche eingehalten wurden. NASTY lässt auf jeden Fall Katharsis walten, mehr Songs wie "Ballad of Bullets" hätten dem Ganzen aber vielleicht eine weitere Ebene der Gefühlsverarbeitung geben können. 

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Joel Feldkamp (14.11.2020)

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