KAUNIS KUOLEMATON - Syttyköön Toinen Aurinko

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VÖ: 27.11.2020
Bandinfo: KAUNIS KUOLEMATON
Genre: Melodic Death Metal
Label: Noble Demon
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Lineup  |  Trackliste

KAUNIS KUOLEMATON sind wieder da. Die Finnen mit dem hohen Qualitätsanspruch lassen sich für ihre Alben immer genügend Zeit und stoßen ihre Hörer nie mit halbgaren Releases vor den Kopf. Nach den beiden höchst wohlwollend aufgenommenen Alben „Kylmä Kaunis Mailmaa“ und „Vapaus“ stehen die Finnen nach weiteren drei Jahren Bedenkzeit nun mit ihrem dritten Werk in den Startlöchern. Der Geheimtipp aus den Weiten Finnlands hat sich gemausert und ist nun beim Label Noble Demon untergekommen, was ihnen im Verein mit der mitgelieferten englischen Übersetzung der weiterhin ausschließlich finnischen Titel eine etwas breitere internationale Hörerschicht erschließen sollte.

Trotz der Integration von Übersetzungen in den Titeln sind KAUNIS KUOLEMATON ihrer Muttersprache treu geblieben, was der Rezensent an diese Stelle sehr zu schätzen weiß, da die klingende finnische Sprache den düsteren Themen denen sich die Band verschrieben hat äußerst gut entgegen kommt. Bereits der Opener nach dem spannungsgeladenen Intro „Sub Idem Tempus“, „Syttyköön Toinen Aurinko“, welcher gleichzeitig auch der Titeltrack ist, offenbart die Weiterentwicklung des Sounds von KAUNIS KUOLEMATON. Der Ton ist rauer, bis zu einem gewissen Grad aggressiver, aber auch deutlich dramatischer als die Vorgänger. Vor allem der Refrain birgt eine tiefgreifende Dramatik, während der Song ansonsten mit (auf dem Album ansonsten sparsam eingesetzten) teils gar bombastischem, flächigem Orchester und Chören aufwartet, die von derbem, stampfendem Riffing getrieben und von zerbrechlichen Akustik-Teilen konterkariert werden.

Tieftrauriger, doomender Rhythmus zeichnet „Hautajaiset“ aus, das mit Growls wie aus den Tiefen eines höllischen Grabes und melancholischem, klagenden Cleangesang den niederschmetternden Marsch zum Grabe direkt greifbar macht. Elegische, angeschwärzte Gitarren tragen den Song zu ungeahnten Höhen und eine zerbrechliche Bridge baut Spannung auf, die in einer jähen, derben Eruption finalisiert. Über das atmosphärische „Mustavalkoinen“ geht es weiter zum Albumhighlight „Kylma Maa“, das geradezu unfassbare emotionale Tiefe erreicht. Ein wahnhafter Spannungsbogen zieht sich durch sieben Minuten, vom getragenen Beginn über epische, schwarzmetallische Gitarrentürme, angereichert durch hässliches Gegeifer zwischen blubbernden Growls bis hin zu den schlüssigen Tempowechseln, die dem Titel eine prägnante Struktur geben. Eine sachte Klaviermelodie führt unaufdringlich durch den Song und eine emotionale Bridge von eisiger Schönheit lässt den Hörer aufatmen, ehe das gar wahnhafte Zusammenspiel aus Growls und Cleangesang dem tonalen Manifest die Krone aufsetzt.

Kantig, dunkel und mit hohem Doom-Anteil walzt sich „Kuolevan Surun Alla“ aus den Boxen, das mit tollem Spannungsaufbau bis zum intensiven Finale besticht. „Paha Ihminen“ ist das Chamäleon des Albums, lebt über weite Strecken nur von Akustikgitarren und dem melancholischen Klargesang von Bandleader Mikko Heikkilä, ehe der Song in eine interessante Mischung aus Stadionrock-Anteilen, hämmerndem Riffing und sogar einem Hauch Elektronik-Anteilen kippt und den Hörer schlussendlich mit doomenden Gitarren und hässlichen Vocals wieder in den Boden der Tatsachen schmettert – und es bei allem Abwechslungsreichtum versteht, die unterschiedlichen Elemente auf überraschend passende Weise zu verquicken. Ein traumhaft schönes Arrangement in „Hyvästi“, das sachte Streicher und eine zerbrechliche Klaviermelodie zu elegischem Riffing kombiniert leitet das Album aus und macht den Abschiedsschmerz beinahe physisch spürbar.

KAUNIS KUOLEMATON offenbaren ein weiteres Mal einen tiefen Einblick in die Seele des finnischen Volkes, wo zwischen Eiseskälte und bleischwerer Melancholie zerbrechliche Seelen schlummern, wie zarte Knospen in einem harten, gefrorenen Panzer. Die Finnen schaffen mit „Syttyköön Toinen Aurinko“ das Kunststück, bereits auf dem dritten Album in Folge auf einem unfassbar hohen Level zu agieren, ohne sich dabei selbst zu wiederholen, noch in irgend einer Form ihr Händchen für packende Strukturen und emotionale Arrangements zu verlieren. Ein Album für dunkle Stunden, das zu keiner Jahreszeit und zu keiner Situation passender sein könnte, als jetzt...

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (23.11.2020)

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