GENUS ORDINIS DEI - Glare Of Deliverance

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VÖ: 04.12.2020
Bandinfo: GENUS ORDINIS DEI
Genre: Symphonic Extreme Metal
Label: Eclipse Records
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Lineup  |  Trackliste

GENUS ORDINIS DEI, die bereits mit ihrem letzten Album „Great Olden Dynasty“ mit breitwandigem Sound und überraschend schlüssigem Genremix punkten konnten, wagen sich für ihr neues Album an ein etwas umfangreicheres und extrem ambitioniertes Projekt heran. Bereits im Vorjahr wurde die Idee eines die musikalische und visuelle Ebene verbindenden Albums vorgestellt, welches im Stil einer Metal-Oper nicht nur mit zusammenhängender, die Songs übergreifender Story, sondern auch dazu kombinierten Musikvideos zu jedem einzelnen Titel (!) aufwarten sollte. Mittels einer groß angelegten Crowdfunding-Kampagne konnte die Finanzierung für das ambitionierte und extrem aufwändige Projekt auf die Beine gestellt werden und dem dritten Album „Glare Of Deliverance“ stand nichts mehr im Wege.

Was sogleich auffällt, ist die Akribie und Detailverliebtheit, mit der GENUS ORDINIS DEI an ihr Mammutwerk herangehen. Nicht nur der Sound hat dicke Eier, auch das cinematografische Konzept kann sich mehr als sehen lassen, denn die visuelle Reise zu den breitwandigen Klängen der Italiener ist nicht minder episch und überzeugt sowohl in der Darstellung, als auch in der aufwändigen Ausstattung. Wie viel Arbeit und Herzblut in diesem Projekt steckt, ist aus jedem Puzzleteil von „Glare Of Deliverance“ ersichtlich.

Passend zu der opulenten Inszenierung, hat sich auch der Sound von GENUS ORDINIS DEI entwickelt, hin zu präsenterer Orchestrierung und deutlich progressiveren Strukturen, bei gleichzeitiger Reduktion der modernen Elemente, was die Italiener näher zu ihren ähnliche Genre-Hänge beackernden Landsmännern in der Extreme-Metal-Sparte rückt. Dabei spielen GENUS ORDINIS DEI gekonnt mit den gewählten Stilmitteln, dass sowohl wütende, treibende Songs wie „Hunt“ mit seinem diabolischen Gefauche, oder das extrem dramatische „Edict“ mit seinen bombastischen Arrangements und Chören zu derbem Gegrunze schlüssig im Ohr des Hörers landen.

Im finsteren „Torture“ frönt man wieder mehr den modernen Stakkato-Gitarren, die jedoch einen willkommenen Gegenpart zu den opulenten Orchesterparts bieten. Oftmals überschreitet man mit den ausladenden Songs auch die Grenze von sieben Minuten, sodass sich keine Hast im Aufbau der Titel einstellt und sich die raumgreifenden Spannungsbögen artgerecht entfalten können – jedoch sorgt die schiere Länge von komplexen Stücken wie „Judgement“ oder dem sakral anmutenden „Abjuration“ auch für einen gewissen Überforderungseffekt beim Hörer, der von der dichten, teils nur mehr schwer greifbaren Atmosphäre wortwörtlich überrollt wird. Besonders deutlich wird das im abschließenden Longtrack „Fire“, der ohne weiteres Stoff für drei einzelne, opulente Extremmetall-Brocken liefern könnte und sich in seiner ganzen Komplexität dann doch ein wenig verzettelt.

Am besten funktioniert „Glare Of Deliverance“ tatsächlich nicht für sich genommen in seiner reinen Audio-Form, sondern als perfekte Untermalung für die aufwändigen Musikvideos, die die Atmosphäre des Albums entsprechend tragen oder unterstützen. Das ist insofern logisch und nachvollziehbar, da GENUS ORDINIS DEI ihr drittes Album ja auch als übergreifendes audiovisuelles Konzept vorgestellt haben, wodurch man die manchmal überfordernden Strukturen, die von den visuellen Inhalten entsprechend abgefedert, beziehungsweise auch erst schlüssig und greifbar gemacht werden, nicht mehr wirklich bekritteln kann.

Für „Glare Of Deliverance“ muss man schon ein bisschen Liebe fürs Detail mitbringen, sowie eine Vorliebe für opulent-orchestralen Extremmetall, der einen wortwörtlich in Ehrfurcht erstarren lässt. Mit Easy Listening haben GENUS ORDINIS DEI weiterhin nichts am Hut, und das ist auch gut so.

Im Folgenden sind nur die ersten drei Episoden von "Glare Of Deliverance" eingebettet, die komplette Videoserie mit allen zehn Episoden findet ihr in der offiziellen Youtube-Playlist und weitere Infos zur Entstehung der Videos und Behind the Scences-Material gibt es im YT-Kanal von GENUS ORDINIS DEI.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (01.12.2020)

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