NANOWAR OF STEEL - Stairway To Valhalla (Re-Issue)

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VÖ: 04.12.2020
Bandinfo: NANOWAR OF STEEL
Genre: Heavy Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

Wer NANOWAR OF STEEL immer als entbehrliche, bisweilen in den Fremdschäm-Bereich abdriftende Spaßband abgetan hat, dem werden mit dem 2018 veröffentlichten „Stairway To Valhalla“ vermutlich endgültig die Gesichtszüge entglitten sein. Denn die Scheiblette sorgte sowohl bei Fans als auch bei Kritikern für eine gehörige Überraschung – vor allem beim Rezensenten, der die italienische Kitsch-und-Kleister-Spaßtruppe bis dato mied wie der Teufel das Weihwasser, da er sich schaudernd an das erste Album „Other Bands Play, Nanowar Gay!“ erinnert, welches wie alle bisherigen NANOWAR (OF STEEL) Alben im Eigenvertrieb unter die Leute gebracht wurde.

Damit ist jetzt aber Schluss.

Sowohl mit qualitativ fragwürdigen und endpeinlichen musikalischen Ausgeburten, als auch mit der Eigenveröffentlichung. Denn besagtes Album „Stairway To Valhalla“ wurde erstmals über ein Label veröffentlicht – und das so erfolgreich, dass die launigen Italiener inzwischen beim heimischen Platzhirschen Napalm Records untergekommen sind, dort mit der großartigen GLORYHAMMER-Kollaboration „Valhalleluja“ einen beachtlichen Einstand hingelegt haben und selbiges Album gleich noch einmal mit wertiger Bonus-CD unter dem neuen Labelbanner unter die Leute bringen. Dazu kann man natürlich – wie immer – stehen wie man will, aber die Neuauflage von „Stairway to Valhalla“ bietet mit insgesamt 29 Titeln (wenn man die sechs Interluden.  bzw. Intro abzieht, bleibt noch immer eine äußerst respektable Anzahl in deutlich mehr als Radiolänge) durchaus so einiges für die hart verdienten Taler.

Dabei fällt vor allem auf, wie extrem wandelbar und vor allem technisch versiert NANOWAR OF STEEL an ihre Verballhornungen diverser (True-)metallischer Bands herangehen – manche der Songs klingen fast mehr nach ihren Vorbildern, als diese inzwischen selbst. Exemplarisch dafür sei „Barbie, Milf Princess Of The Twilight“ erwähnt, dessen Titel alleine schon gekonnt RHAPSODY (OF FIRE, TURILLI/LIONE, whatever...) parodiert, während Fabio Lione himself als Gastsänger den Vogel ultimativ abschießt – mit welchen Druckmitteln auch immer die NANOwarriors ihren Landsmann Fabio dazu nötigen konnten, bereitwillig Zeilen wie „...no nipples on your tits“ zu singen. Sind sie doch seit jeher eines der Lieblingsopfer der akustischen Persiflagen von NANOWAR OF STEEL.

Das zweite Lieblingsopfer ist – wenig überraschend – MANOWAR, die von ihren Nachäffern inzwischen musikalisch locker in die Tasche gesteckt werden, wie „In The Sky“ hinreichend beweist, wo sich NANOWAR OF STEEL kurz einmal einen Signature-Chorus von RAGE ausborgen und daraus einen Song schmieden, der mehr nach MANOWAR klingt, als MANOWAR selbst. Man beginnt sich zu fragen, wer hier eigentlich wirklich die Parodie-Band ist...

„Call Of Cthulhu“ serviert ebenfalls ein schwerst bekanntes Klassiker-Riff und mixt selbiges mit Lovecrafts Cthulhu-Mythos, was in einem ziemlich untentspannten Tentakelmonster mit ernsthaften Problemen in der Work-Life-Balance endet – zumindest wenn man dem dazugehörigen Musikvideo Glauben schenken darf. „Heavy Metal Kibbles“ und „Vegan Velociraptor“ [Anm. d. Verf.: Was rauchen die, um auf derartige Titel zu kommen?!] verbreiten speediges PRIEST-Feeling, während „Tooth Fairy“ den skandinavischen Power Metal auf die Schippe nimmt und dabei sehr verdächtig nach STRATOVARIUS, SONATA ARCTICA und Konsorten klingt.
„...And Then I Noticed That She Was A Gargoyle“ nimmt nicht nur die Widrigkeiten des Kennenlernens im oberflächlichen Social-Media-Zeitalter auf die Schaufel, sondern persifliert auch gekonnt den Stadionrock der 80er und zitiert mal kurz MIKE OLDFIELDs Klassiker „Moonlight Shadow“.

„Ironmonger (Copier of the Seven Keys)“ lässt dann nicht nur vom Titel her sofort an HELLOWEEN denken... Den klassischen Glamrock-Slasher „Uranus“ im MÖTLEY-CRÜE-Stil gibt es gleich zweimal – als Schlusspunkt lässt sich sogar STEEL PANTHERs Michael Starr in die Niederungen der (gekonnten) Parodiekunst herunter. Der Original-Schlusspunkt der ersten Auflage des Albums, die Ode an das Fürstentum Liechtenstein („Hail To Liechtenstein“ mit großartig-schlimmem Ohrwurmrefrain!) wundert dann schon niemanden mehr.

Wen der dadurch entstandene Bauchmuskelkater noch nicht aufs Krankenbett gezwungen hat, der darf sich sodann noch der Bonus-CD widmen, die sowohl den Ober-Ohrwurm „Valhalleluja“ (ein gnadenloses IKEA-Tribute (!) mit Angus McFife von GLORYHAMMER als Odin (!) - den behämmerten Refrain und das noch verrücktere Musikvideo (!) bekommt ihr nie wieder aus dem Gedächtnis gelöscht!) enthält, als auch einen launigen Streifzug durch vergangene, mehr oder minder geglückte Parodien und haarsträubende Stil-Mashups, wie „Norwegian Reggaeton“. Dazu noch ein paar krude Cover und Remixe – und fertig ist der Lack, bzw. der Hörer von der geballten Faust an Epik schlichtweg am Ende.

Irgendwie schrieb der Rezensent letztendlich mehr als doppelt so viel als er (sie - das Red.) wollte, entdeckte in der wahnsinnigen und überraschenderweise handwerklich extrem guten musikalischen Mischung sogar noch Tribute an, Hinweise auf und Versatzstücke von POWERWOLF, BLIND GUARDIAN, DREAM THEATER, PINK FLOYD, THE BEE GEES... undundund.

Und eigentlich ist es verdammt frustrierend, festzustellen, dass eine, ehemals durch mittelklassigen Klamauk aufgefallene Band, auf einmal musikalisch locker so einige arrivierte Kapellen spieltechnisch in die Tasche steckt und so nebenbei stärkere Songs schreibt, als jene Gruppen, an denen diese stilistisch angelehnt sind.

Ja, ich gestehe, eigentlich setzte ich mich (durch Kenntnis ausschließlich des älteren Backgrounds der Band) mit dem festen Gewissen an diese Besprechung, einen gnadenlosen Verriss dieses quietschbunten und peinlichen Spektakels zu verfassen, doch... ja, ok, NANOWAR OF STEEL, ihr habt mich überzeugt. Ihr könnt das echt gut. Und ihr dürft das auch.

 



Ohne Bewertung
Autor: Anthalerero (30.11.2020)

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