HÖRN - Hörn

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VÖ: 00.00.2020
Bandinfo: HÖRN
Genre: Groove Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

"Nimm das!" sagt HÖRN, "Und reviewe es hart!"

"Im Ernst?" sagt der Reviewer, "Nun denn, so nehmen wir euch hart."

So sprach HÖRN und landete auf dem Seziertisch der Stormbringer-Kellerverliese. Eine gehörnte Entität von unbekannter Herkunft, der Name Legion, das Auftreten düster und äußerst wirkungsvoll, übersendete uns ihre finsteren musikalischen Grüße, gepresst auf besonders schwarzem Vinyl. So treten wir der HÖRN-Legion bei und lauschen aufmerksam den Klängen des Untergangs...

...die sich da gar groovend aus den Boxen wälzen, vielfältig und mit äußerster Sorgfalt produziert, auch wenn es im tonalen Keller gerne noch ein wenig mehr Schub vertragen könnte. Musikalisch bewegen sich HÖRN hauptsächlich im sauber groovenden Bereich, mit kauleistenzerschmetternden Thrash-Eruptionen, die beispielsweise in „Mutter Dämon“ stringent ins Cerebrum fahren. Das hinten raus ordentlich Fahrt aufnehmende „Legion“ liefert dafür ein paar feine, der Göteborger Schule angelehnte Gitarrenmelodien ab und kann mit seinem rüttelnden Groove zwischen powernden Passagen überzeugen.

Songs wie „Totenmelodei“ rumpeln gar gewaltig durchs Gebälk und die Lyrics und die gerade so an der Kante zwischen Clean und Geröchel tanzenden Gesangslinien, die man ohne weiteres auch im mittelklassigen Pagan Metal für weiße Gymnasialwikinger finden könnte, sind schon echt schräg - jedoch scheinen HÖRN angesichts ihres ernsten und hochklassigen musikalischen Grundgerüsts hier auf bewusste künstlerische Überzeichnung zu setzen, wie sich spätestens ab dem Einsatz von präsenten Orgelklängen in der epischen Bridge herauskristallisiert. Bei dem verqueren Konzept ist man sich jedoch nie so ganz im Klaren, ob HÖRN das nun vollkommen todernst meinen, oder einfach großartig persiflierende Übertreibung fahren.

Dafür geben HÖRN musikalisch umso mehr Gas, wie im kantigen „Schatten des Biests“ mit epischerer Schlagseite – im Falle von „Schwarzes Sakrament aber vielleicht sogar etwas zu viel des Guten. Dort schwitzt der Drummer ordentlich und fährt gnadenlose Doublebass-Attacken, während die Gitarrenfraktion kräftig von der Kette gelassen wird und einige Gustostückerl raushaut – der von vielen Tempowechseln durchzogene, sehr komplexe Titel wird dadurch bisweilen etwas schwer verfolgbar, was die schrägen Vocals, die aber immerhin ein echtes Alleinstellungsmerkmal darstellen, noch zusätzlich befeuern.

Ob sich hier wohl ein paar alte Hasen aus dem Musikgeschäft einen Spaß erlauben und unter der Maske der Anonymität ihre Gelüste ausleben? Man weiß es nicht, doch egal ob es nun ein blutjunger, ambitionierter Haufen mit richtig starkem, herausstechendem Konzept ist (alleine die simplen, aber wohldurchdachten und effektvollen Artworks sind großes Kino!), oder hier gesetzte Musiker gepflegt eskalieren, HÖRN haben jedenfalls echt einen an der Waffel, aber in vollkommen positiver Weise. Das gesamte Konzept und Klanggewand wirkt perfekt durchdacht, dabei nicht hölzern oder gekünstelt (ausgenommen in „Schwarzes Sakrament“, wo man sich ein wenig verzettelt), sodass man jederzeit das Gefühl hat, die verquere Mischung sprudle vollkommen natürlich und flüssig aus den Boxen.

Da kann man nur sagen: Meine Damen und Herren, HÖRN sie sich das an! Das sechs Titel starke, selbstbetitelte Debütalbum der GeHÖRNten Legion kommt mit extrem starkem Konzept einher und überrascht nebst dem starken musikalischen Grundgerüst vor allem mit seinen extrem eigenständigen Vocals, die man nur schwer als Plus oder Minus einordnen kann. Es lohnt sich, HÖRN weiter zu verfolgen – es wird eine spannende Sache, wie sich die Band noch entwickelt!

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (20.11.2020)

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