PROFANITY - Fragments Of Solace

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VÖ: 04.12.2020
Bandinfo: PROFANITY
Genre: Technical Death Metal
Label: Eigenproduktion
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Ist es ein architektonisch hochwertiges Schloss, ein diabolischer, mit verirrten Seelen befeuerter Hochofen inmitten eines Sumpfsees oder vielleicht doch ein nervenaufreibender Bastard aus Geisterbahn und Achterbahn? Das Artwork zum neuen PROFANITY-Album "Fragments Of Solace" bietet reichlich Raum für Interpretation, Spekulation und wilde Spinnerei. Den tieferen Sinn der Frontpappe mal außen vor gelassen, kann man dem farbenfrohen Kunstwerk jedoch eine Qualität attestieren: es ist ein imposanter Blickfänger, der jede gut sortierte Posterwand bereichert und Heißhunger auf den Inhalt dahinter schürt.

Dabei ist das Trio aus Augsburg deutscher Tech-Underground erster Güte und muss kaum mehr vorgestellt werden. Aber wo wir schon bei den wilden Gedankenexperiment um das Coverartwork sind und nachdem mich die feuerbrünstige Szenerie am ehesten an ein kotzintensives Highspeed-Fahrgeschäft erinnert, möchte ich mit der Analogie zwischen Assoziation und Vorgefundenem nicht hinterm Berg halten. Denn obgleich die Trademarks der Band, wie man sie zuletzt mit dem gelobten "The Art Of Sickness" bezeugen durfte, nach wie vor sittlich gepflegt werden, gleicht der neueste PROFANITY-Streich tatsächlich mehr einem wilden Ritt auf der Berg-und-Tal-Bahn des Grauens.

Nicht nur, weil die Hochgeschwindigkeits-Schrauber jenseits aller Tempolimits Präzisionsarbeit leisten - nein, was bei "Fragments Of Solace" noch eine Ecke mehr ins Gewicht fällt als beim Vorgänger, ist die nochmals verfeinerte Gitarrenarbeit mit verstärktem Fokus auf Soloparts, Leads, Tappings und alles, was die Sartorsche Trickkiste sonst noch so hergibt. Die harten Riffs geraten dadurch beinahe ins Hinterstübchen, was aber am Ende keinen Deut stört. Das virtuose Spiel des Fronters heizt dem Hörer kräftig ein, prügelt ihn förmlich durch sieben Tracks der Platte und sorgt zugleich für eine unverschämt heitere Grundstimmung. Bei dieser Finesse bekommen selbst gestandene Recken wie Jeff Waters (ANNIHILATOR) oder der in "Ceremony Of The Rotten" erneut gastierende Terrance Hobbs (SUFFOCATION) kalte Füße. Abgesehen vielleicht von dem episch-pfundigen Neunminüter "Where Forever Starts" muss man hier kaum etwas hervorheben - einfach auflegen, durchrattern lassen und wohlfühlen!

Zusätzlicher Respekt gebührt der Band, weil sie dieses aktuelle Werk in Eigenregie auf den Markt bringt. Damit muss sie sich komplett auf die funktionierende Mundpropaganda im Underground sowie die Fürsprache aufmerksamer Musikredakteure verlassen. So wahr sich die Truppe bereits einen respektablen Namen gemacht hat, dürfte dieses Vorhaben von Erfolg gekrönt sein - zumal ihr vierter Schinken erneut ein veritables Brett geworden ist. Wer "The Art Of Sickness" als "Balsam für die Ohren", "Hyper-Methyl für die Dopaminpumpe" oder ähnlich lautend umschreibt, wird es nicht bereuen, eine Karte für "Fragments Of Solace" zu lösen. Mit etwas weniger Gebolze und mehr Melodie zeigen PROFANITY mal wieder, welcher Hahn im deutschen Tech-Stall den dicksten Schraubenschlüssel hat.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (02.12.2020)

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