DIE TOTEN HOSEN - Learning English Lesson Three: Mersey Beat! The Sound Of Liverpool

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VÖ: 13.11.2020
Bandinfo: DIE TOTEN HOSEN
Genre: Punk Rock
Label: JKP
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Düsseldorf, 1991: DIE TOTEN HOSEN haben vor nicht allzu langer Zeit ihr gelobtes Doppelalbum "Auf dem Kreuzzug ins Glück" veröffentlicht, die Wahrsager prophezeien einen kongenialen Nachfolger namens "Kauf mich!" und die Jungs von der Opel-Gang spielen ihr englischsprachiges Coveralbum "Learning English Lesson One" ein. Sie singen ein Loblied auf die Hochphase des Punk Rock und warten mit einer langen Liste erlesener Neuinterpretationen und einer nicht weniger zahlreichen Mannschaft hochkarätiger Gäste aus den Reihen der gecoverten Bands auf...und versehen ihr Geschichtsbuch der lauten Art in weiser Voraussicht mit dem Namenszusatz "Lesson One". Damit war klar, dass das bunte Treiben einst in die Verlängerung gehen sollte - und nachdem "Learning English Lesson Two" noch als Beiwerk zum jüngsten Album "Laune der Natur" (2017) versteckt daherkam (und damit drohte, im allgemeinen Rummel unterzugehen), haben es die HOSEN dieser Tage wieder getan: "Learning English Lesson Three: Mersey Beat! The Sound Of Liverpool" steht in den Regalen, um die musikalische Reise durch den "Advanced Learner's Covercorner" fortzuführen.

Die dritte Auflage besagter Coverreihe unterscheidet sich von seinen Vorgängern dadurch, dass die erteilten Lektionen nicht auf den unmittelbaren Wurzeln der Band fußen, sondern einige Jahre weiter zurückreichen. "Lesson Three" ist erstmals nicht wie ein Sprachkurs aufgebaut und kommt dieses Mal ohne ausschweifende Gästeliste aus (was in Anbetracht des Alters der Urheber ohnehin zur Herausforderung hätte werden können). Vielmehr liegt der Fokus auf Stücken aus dem "Liverpool der Mersey Sound-Ära", also auf Songs, die zu Beginn der 1960er von Liverpooler Bands gespielt bzw. gecovert wurden. Damit halten auch die BEATLES erneut Einzug in das Werk der Düsseldorfer Institution, was besonders vor dem Hintergrund interessant ist, dass die wohl bekannteste Band der hier präsentierten Musikszene schon immer eine besondere Bedeutung für DIE TOTEN HOSEN hatte. "Wir spielen eigentlich seit dreißig Jahren die BEATLES und keiner merkt's" soll dazu einst in einem Interview vertont worden sein (so zumindest das lückenhafte Gedächtnisprotokoll des Verfassers aus einer Zeit, in der die HOSEN mehr waren als nur eine seiner Lieblingsbands...und in der man nicht selten mehr über den Durst hinaus zechte, als der Ausbildung eines soliden Langzeitgedächtnisses zuträglich gewesen wäre...welch herrliche Jugend das doch war [und jetzt komm' mir keiner mit "Alter, du warst schon über zwanzig!"]).

Wie man sieht, zählen auch DIE TOTEN HOSEN zu meiner musikalischen Intimsphäre und Früherziehung, weswegen man mir gelegentliche Ausschweifungen bitte nachsehen möge. Diesem neuesten Output der Band die gebührende Aufmerksamkeit zu widmen und einige Zeilen dazu in den Äther zu entlassen, war damit selbstredend mehr Bedürfnis denn Pflichtübung. Was mir an "Lesson Three" besonders gut gefällt, ist, dass es die HOSEN mal wieder schaffen, den Coverversionen ihren persönlichen Stempel aufzudrücken und trotzdem den Vibe der Ur-Songs zu konservieren. Es ist, als würde man ein altes Röhrenradio ausgraben, den Oldiesender anpeilen und plötzlich Campino singen hören. Damit gelingt ihnen der gleiche Spagat wie bereits zuvor mit "Lesson One" und "Lesson Two" - nur eben mit älterem Liedgut und niedrigeren Schlagzahlen. Der THE SWINGING BLUE JEANS Hit "Hippy Hippy Shake" ist das beste Beispiel dafür - zeitgemäßer Sound, angezogenes Tempo, mehr Dampf auf dem Kessel...aber unterm Strich zu 100% der Vorlage treu. Ähnlich verhält es sich mit der Neuinterpretation der BEATLES-Version von LARRY WILLIAMS' "Slow Down" - einem alten Schinken, der schon damals seine miefigen Nachfahren - Rock'n'Roll und Punk Rock - klar durchblitzen ließ...was in der HOSEN-Inkarnation absolut treffsicher auf den Punkt gebracht wird.

So könnte man sich noch länger auslassen, jedem der fünfzehn Stücke auf den Grund gehen und über die Dekaden überspannende Transformation sinnieren. Aber das würde den Rahmen meiner ohnehin meist wortreichen Rezensionen überspannen und überdies Spannung und Entdeckungsreichtum verpuffen lassen. Dass "Learning English Lesson Three" einen Hörer wert ist und die HOSEN abermals mit ihrer behutsamen Art des Coverns begeistern, dürfte hinreichend betont sein. Für alles Weitere braucht es nicht mehr als das Medium selbst, geeignete Wiedergabetechnik und etwa 36 Minuten Zeit.

Achso...die Songs mit Saxophon sind der Hammer! So, das musste noch raus...aber genug gespoilert...jetzt halten wir brav die Backen und sind gespannt, was sich die HOSEN als nächstes einfallen lassen!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (17.11.2020)

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