AZARATH - Saint Desecration

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VÖ: 27.11.2020
Bandinfo: AZARATH
Genre: Death Metal
Label: Agonia Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Hand auf's Herz: Wer kennt die polnische Band AZARATH? Und wem wäre sie ohne den Hintergrund, dass BEHEMOTHs Inferno an ihrer Gründung beteiligt war und bis heute hinter den Kesseln sitzt, geläufig? Ich wette, wenn man auf dem nächstbesten Aldi- oder Hofer-Parkplatz nach Black/Death Metal aus Polen fragt, würden etwa 82% aller Kuttenträger und Hausfrauen sofort an Nergal und Co. denken... und vielleicht noch einige Schwarztod-Streber an HATE. Den hier besprochenen AZARATH, die mit "Saint Desecration" immerhin ihr siebtes Album in zweiundzwanzig Jahren Bandgeschichte vorlegen, würde ich hingegen bescheidene Quoten prognostizieren. Zu Unrecht, wie der neue Langläufer der Polen beweist - weswegen wir der Kapelle an dieser Stelle gerne das verdiente Forum bieten wollen.

Für alle, die die Band tatsächlich nicht kennen, sei vorab betont, dass auch AZARATH mit einem urtypischen Polensound aufwarten, einer Düsternis, Grantigkeit und Unerbittlichkeit, die die polnische Szene von vielen ihrer Wegbegleiter abhebt. Dazu fallen bei Infernos weniger prominenter Kombo besonders die vielfältigen und anspruchsvollen Riffs ins Gewicht, so auch auf "Saint Desecration". Die Parallelen zu ihren großen Brüdern sind nicht undezent, was alleine schon auf das herausstechende Drumming des einzig verbliebenen Originalmitglieds zurückzuführen ist. Der neue Dreher kommt zudem mit einem schwarz und dunkel gehaltenen Artwork, das Assoziationen zu BEHEMOTHs "The Satanist" weckt. Auch vom allgemeinen Flair der Tracks her könnte man "Saint Desecration" gewissermaßen als Hybriden zwischen besagtem Werk und dem älteren und ungleich aggressiveren "Demigod" kategorisieren.

Die Heiligenschändung verbindet weiter Raserei und hartes Geknüppel mit einem tiefschwarzen, nebulös-diabolischen Überbau, wodurch sich der Schwerpunkt ein stückweit in Richtung Black Metal verschiebt und damit die besagte Gedankenbrücke zu den beiden Referenzwerken des Polenprimus geschlagen wird. Der Schwenk in Richtung klassischer Teufelsmusik wird zudem durch den neuen Mann an Axt und Mikro, den EMBRIONAL-Fronter Skullripper, unterstützt. Dessen knarzige und giftige Vocals lassen an schwefelgetränkte Stimmbänder denken und hieven das Gebräu auf eine neue, blasphemischere Stufe. Man beachte nur die Gift-und-Galle-Ergüsse in "Sancta Dei Meretrix". Durch die angesprochenen, oft technischen, Riffs wirken die Kompositionen nach wie vor sperrig, brauchen Zeit zum Entfalten, wissen aber nach einigen Durchgängen zu überzeugen. Dazwischen bietet "Fall Of The Blessed" mit seiner weniger vertrackten, OSDM-lastigen Gitarrenarbeit einen Hauch Eingängigkeit und "Reigning Over The Death" lässt in bester MGLA-Manier die Leads durch den Äther fliegen. So bleibt am Ende stets genug Abwechslung im Programm, was gerade bei Bands mit hochversierter Saitenkunst nicht unwichtig ist.

Zugegeben: AZARATH decken einen weiten Bereich ihrer heimischen Extreme-Szene ab und rufen zahlreiche Erinnerungen an bekanntere Kombos ins Gedächtnis. Unterm Strich jedoch bleiben sie trotz ihres typischen Polensounds eine eigenständige Truppe mit originären Trademarks und autarker Signatur. Die neue Stimme und die nachgeschärfte Produktion tun dem Sound der Band gut, weswegen sich "Saint Desecration" vor seinen Marktbegleitern keineswegs verstecken muss.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (24.11.2020)

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