RAMMSTEIN - Herzeleid XXV Anniversary Edition

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VÖ: 04.12.2020
Bandinfo: RAMMSTEIN
Genre: Metal
Label: Vertigo
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Lineup  |  Trackliste

Es war einmal, anno 1995, da erblickte ein Album das Licht der Welt, das letztendlich ein ganzes Genre definieren sollte. Zwar gab es Bands mit ähnlichem Stil, die schon früher dran waren als RAMMSTEIN und die man ebenfalls der von den Deutschen quasi begründeten „Neuen Deutschen Härte“ zurechnet (OOMPH!, MEGAHERZ), dennoch waren es eben RAMMSTEIN, die mit ihrem unverkennbaren Stil, der von brachialem Sound, martialischem Auftreten und kontroversen Texten geprägt war, den größten Erfolg feiern konnten. Die Erfolgsgschichte nahm 1995 ihren Ausgang, als das Debüt „Herzeleid“ erschien, das mit einer bis dato nicht gehörten Präzision in die Gehörgänge fuhr. Und dabei gleichzeitig dergestalt simpel einher kam, dass es quasi jeder mit rudimentären musikalischen Kenntnissen sofort nachspielen konnte – jedoch ohne den Druck und die Brachialität von RAMMSTEIN auch nur Ansatzweise zu erreichen.

25 Jahre später ist das Album Kult, die Songs in ihrer Simplizität und Rohheit tausendfach zu Tode analysiert und besprochen (der Rezensent erspart euch an dieser Stelle das Fabulieren über  enthemmten Sex („Wollt Ihr das Bett in Flammen Sehen?), ungezügelte Begierde („Du riechst so gut“), verstörende Perversion („Weißes Fleisch“) und rohe Gewalt („Rammstein“), sowie die überraschende Sanftheit von „Seemann“) und RAMMSTEIN dürfen überall auf der Welt alles in Brand setzen, was sie wollen. Ok, außer in Nordkorea vielleicht.

So simpel, aber effektiv die Musik auch sein mag, so aufwändig und ausufernd ist das (berühmt-berüchtigte) Bühnenkonzept und so innovativ auch das Veräußerungskonzept. RAMMSTEIN haben das Prinzip der Verkaufsförderung durch Provokation regelmäßig auf die Spitze getrieben und mit kontroversen Videos und vor Perversitäten triefenden Texten im präzisen Albumturnus für Schnappatmung beim besonders korrekten Bürgertum gesorgt – und ihren weltweiten Ruhm damit nur noch weiter ausgebaut. So weit, dass man rund um den Erdball das charakteristische rrrrollende RRR von Till Lindemann hören kann und sich Horden von Fans von USA bis China die Stimmbänder verknoten, im Versuch die brachialen deutschen Lyrics ansprechend vorzutragen.

Grund genug, das richtungsweisende Debüt gebührend zu Feiern – mit einer fetten Anniversary-Edition als aufwändige Digipak-CD in Kreuzform, sowie als Splatter-DLP im edlen Schuber. Das schreit doch geradezu nach ausgiebigem Kramen in den RAMMSTEIN-Archiven, um den Fans einen ordentlichen Kaufanreiz zu bieten und weitere Kontroversen zu schüren, doch... Fehlanzeige. Das erwartete Bonusmaterial ist nicht einfach nur überschaubar, sondern schlichtweg gar nicht vorhanden. Das simplifizierte Cover (ok, sehen wir den Tatsachen ins Auge, schon das Original war nicht unbedingt Preisverdächtig...) wirkt im Kontext dazu leider einfach billig, aber würde sich zumindest erklären lassen, wenn entsprechende inhaltliche Vorzüge dieser angeblich streng limitierten Version den höheren Preis im Vergleich zu noch immer erhältlichen Standardeditionen rechtfertigen würden.

Was wäre hier alles möglich gewesen... vielleicht die Demos „Feuerräder“ oder „Wilder Wein“, die man ohnehin schon auf Streamingportalen hören kann? Oder irgend einen der zweifellos zahlreichen Live-Mitschnitte, vielleicht sogar als DVD? Gut, die Songs wurden aufwändig remastert – was anhand des charakteristischen, rohen Sounds von RAMMSTEIN vermutlich nur der audiophile Nerd in seinen feinen Nuancen wirklich zu goutieren weiß - doch irgendwie hätte man sich schon ein wenig... mehr erwartet. Schade, denn eigentlich waren RAMMSTEIN mal die Könige der schrägen und richtig markanten Vermarktungsideen (man denke nur an die Dildobox!). Dagegen wirkt „Herzeleid XXV“ in seiner Jubiläumsedition wie das Jahr 2020 generell: Lustlos und überflüssig.

 

 



Ohne Bewertung
Autor: Anthalerero (29.11.2020)

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