DARK QUARTERER - Pompei

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VÖ: 06.11.2020
Bandinfo: DARK QUARTERER
Genre: Progressive Metal
Label: Cruz del Sur Music
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Lineup  |  Trackliste

Steter Tropfen höhlt den Stein. Und eine gewisse Penetranz im Schaffen und Tun erweist sich langfristig oft als die beste Strategie, wenn man kommerziell derart in seiner eigenen kleinen Nische hockt wie das toskanische Prog-Urgestein DARK QUARTERER. Die beiden End-Sechziger Gianni Nepi und Paolo „Nipa“ Ninci konnten bereits 1988 mit ihrer zweiten Langscheibe „The Etruscan Prophecy“ nicht nur großartige Kritiken einheimsen, sondern sich schon sehr früh einen gewissen Kultstatus in der Prog-Szene erspielen. Interviews mit der Band sind rar bis nicht existent, die Live-Auftritte außerhalb des heimischen Stiefels ebenso. Wie praktisch, dass Stormbringer eines der wenigen, wenn nicht gar das einzige Video-Interview mit der Truppe geführt hat! Im neuen Jahrtausend kann man auch schon wieder auf vier Full Length-Werke zurückblicken, und „Pompei“, so der Titel des insgesamt achten Studioalbums, reiht sich stilistisch (und ein wenig auch inhaltlich) nahtlos an seinen Vorgänger „Ithaca“(2015).

Gewöhnungsbedürftig sind und waren die oft überzeichneten Melodiebögen und Arrangements ja immer schon, insbesondere Gianni Nepis Vocals - teils klingt der gute Mann mit dem markanten Hut, als würden mehrere Stimmen aus ihm sprechen, wie aus einem Orakel, und irgendwie denkt man, er wäre die progressive Manifestation eines Hörspiels. Mit den beiden gut eine Generation jüngeren Sidekicks Francesco Sozzi und Francesco Longhi an Gitarre und Tasten ist man vor dem Fehler, allzu altbacken im eigenen musikalischen Saft zu garen, schon mal relativ safe. Der Drive stimmt, die Rhythmik ist wie erwähnt oft abstrakt, dennoch hat man diesmal erstaunlich viele „gerade“ Passagen eingebaut, zu denen man auch ab und zu mal echt den Nacken trainieren kann. Als – so wie eigentlich alle Veröffentlichungen davor auch – Konzeptalbum (es geht natürlich um den Vesuv-Ausbruch um 79 nach Christus) wartet „Pompei“ ausschließlich mit Longtracks auf - sechs an der Zahl und alle jenseits der Sechs-Minuten-Mauer - von denen einige vielleicht den einen oder anderen Durchlauf mehr benötigen, um wirklich zu zünden, aber der Charme von DARK QUARTERER liegt eben genau darin: Im ersten Moment unzugänglich und entrückt zu wirken, den Hörer vor ein Rätsel zu stellen, das er nur Schicht für Schicht durchschauen kann, musikalisch wie auch textlich.

Der eröffnende Titelsong (geschrieben aus der Sicht des Vulkans Vesuv!) ist ein starker Einstieg, danach hat das etwas straighter nach vorne rockende „Welcome To The Day Of Death“ schon guten Boden bereitet bekommen. Das getragene „Panic“ gipfelt in einem wunderbaren Gitarren-Hammond-Solo, bevor der stärkste Song der Scheibe - „Plinius The Elder“ - die instrumentalen Fertigkeiten der Band mit Ausrufezeichen unterstreicht. Hier klingt man ab und zu sogar ein wenig nach älteren DREAM THEATER, die sich mit den seligen CONCEPTION auf einen Jam verabredet haben – inklusive jazzigem Lounge-Intermezzo! „Gladiator“ fällt danach ein klein wenig ab, zeigt aber einmal mehr, wie gut Gianni stimmlich noch immer unterwegs ist – auch wenn es manchmal weh tut. „Forever“ ist dann ein würdiger, weil ultra-epischer und emotionaler Abschluss eines großen Albums, das gehört werden soll und will, nein, muss.

Schade ist halt nur, dass DARK QUARTERER auch mit diesem Werk wahrscheinlich nur die üblichen Nerds im Untergrund bedienen werden. Als Institution im Prog-Rock sind sie allerdings schon irgendwie ein Monolith der Szene und die musikalische Pionier-Arbeit vor allem in ihrer Heimat kann man Paolo und Gianni gar nicht hoch genug anrechnen. Abgesehen davon sind die beiden so ziemlich die nettesten Menschen, die man so trifft, und die man am liebsten knuddeln und mit nach Hause nehmen möchte. Neugierig geworden? Lasst euch drauf ein!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (14.12.2020)

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