WOKEH - Where Ancients Tread

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VÖ: 27.11.2020
Bandinfo: WOKEH
Genre: Death/Doom Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Vor etwa einem halben Jahr bewies der aus England stammende Multiinstrumentalist Matthew Pither, welchen es nach Dänemark verschlagen hat, mit seiner selbstbetitelten EPOCH´S RUIN Solo-EP, dass Kreativität alle Limitierungen durchbrechen kann. Dieser Mann tobt sich nicht nur mit seinem anderen Soloprojekt PH VENUS, sowie seit 2016 an den Drums der Sludge Stoner RIFT GIANT, sondern seit 2019 auch an der Gitarre, am Bass, an der Klarinette und sogar mit Background Vocals der Death Doomer WOKEH aus. Kann aber eine Band mit Beteiligung des genannten Tausendsassers wieder überzeugen?

Mein Erstkontakt mit WOKEHs "Where Ancients Tread" (2019 ging eine 4-Track EP mit exklusiven Liedern voraus) fand wie bei vielen anderen Bands in letzter Zeit, zufällig nach einem beinharten Arbeitstag statt. Da befinde ich mich für gewöhnlich in einem Zustand, der es mir unbekannten Bands schwer macht, mich von ihrer Musik zu überzeugen, doch "Where Ancients Tread" braucht nicht lange, um mir den Schlafsand aus den Augen zu fegen, meine knackenden Knochen mit Melodien zu ölen, meine Muskeln zu entspannen, und meine blankliegenden Nerven zu besänftigen, als wollten WOKAH mich zum Headbangen wieder fit machen.

Die ersten beiden Nummern "Tyrant" und "Rán" sind fast midtempo, hart und düster - aber nicht depressiv oder anstrengend. Musik wie zum Schwerter schmieden, doch alles andere als eintöniges Geklopfe. Abwechslungsreichtum entspringt hier nicht nur dem handwerklichen Geschick der Musiker, sondern ist mutmaßlich auch ihrer Lust am Komponieren geschuldet. Bei "Beyond Perception" hatte Sänger Tiago Dias glücklicherweise den Mut, die Growls vornehmlich in Sludge-Bahnen zu steuern. Zwischen dem Gekeife und den klassisch tiefen Growls, kommt das fantastisch. Ähnliche Wege beschreiten sie mit "Chimaera". Sehr harmonisch und heterogen, in all der Abwechslung. Immer wieder schleicht sich eine hypnotische Melodie ein, die ein wenig an EPOCH´S RUIN erinnert. "Tomes Of Desolations" beginnt akustisch, ruhig, irgendwie lieblich, klingt nach Natur und Tradition, verfängt sich schließlich in nordisch anmutenden Death Metal mit den bislang wenigsten Fremdeinflüssen. Gegen Ende assoziiert man womöglich ein wenig IRON MAIDEN. Bis hier war das ein sehr geiles Album und bietet alles, was dem Fan schweren Metalls ein zufriedenes Lächeln abgewinnen würde. Mehr hätte es nicht gebraucht - viele true Black Metal Alben beispielsweise gewähren dem Hörer gerade einmal eine halbe Stunde Hörspaß, also in etwa so viel, wie man mit den ersten fünf Liedern hier bekäme... Aber dann schäumt "Ares" wie eine heftig an die Klippen stoßende Welle auf, erfrischt mit neuer Energie und beschwört gleichzeitig unruhige Ameisen auf dem Rücken herauf! Brutal, atmosphärisch, konsistent! Fühlt sich an, als bekäme man fast vier Minuten lang mit einem modrigen Holzbrett die Kellerasseln ins Maul gehämmert! Grandios! Gänsehaut abschütteln und Repeat drücken, um sie noch einmal aufziehen zu lassen. Glücklich dürfte man nun wirklich sein, aber es fehlen noch zwei weitere Songs. Das Highlight des Albums zieht auf und normale Rhetorik reicht für "Where Titans Slumber" fast nicht mehr aus. Dieser Song pflügt einfach nur deinen Nachbarn den Schrebergarten kaputt und reißt ihnen die Latten aus dem Gartenhäuschen! 9:10 Minuten lang ekstatische Vernichtung! Und dazwischen immer wieder diese kathartischen Desert Rock Gitarren-Parts, die den Zuhörer einlullen. Drummer Simon Esbjerg weiß übrigens genau, wozu das Schlagzeug erfunden wurde! Nämlich ganz sicher nicht, um Kieselsteine darauf rieseln zu lassen, wie es bei vielen anderen Bands klingt. Drums sind dazu da, um wild daurauf rumzukloppen und dazu noch die nötigen Variationen zu bewerkstelligen. Je weiter das Lied voranschreitet, deso kreativer wird das Schlagzeug bearbeitet, womit bewiesen ist, dass die drei Bandmember zumindest musikalisch auf einer Wellenlänge sein müssen. Mit "Sylvia", einem kurzen, leisen Outro schließen WOKEH ihr Meisterwerk ab, wie es sich gehört.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Daniel Hadrovic (05.12.2020)

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