HOLY TRINITY - Holy Trinity

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VÖ: 22.11.2020
Bandinfo: HOLY TRINITY
Genre: Psychedelic Rock
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Trivia

Mit den Moskauern HOLY TRINITY haben wir uns besondere Spaßvögel an Land gezogen. Die Bandmember behalten ihre Namen lieber für sich, auf Künstlernamen hatte man anscheinend auch keine Lust. Nichts Neues in diesen Gefilden, immerhin existiert ein schwarzweiß Foto ihrer Gesichter. Releasedatum der "Holy Trinity LP" ist an verschiedenen Stellen mit "Januar 1969" angegeben. Nachdem die schöne Scheibe einmal durchgedreht ist, wird man den Verdacht nicht los, man müsse die tatsächliche Veröffentlichung trotz ihrer vorzüglichen Hommage an das psychedelische Jahrzehnt, auf 50 Jahre später datieren. Facebook und Instagram sind aber leider nichts für die mysteriösen Russen und ihre offizielle Homepage hat entweder nie existiert oder wurde nach wenigen Tagen wieder vom Netz genommen. Der tote Link weist russische Schrift auf, weshalb wir wenigstens davon ausgehen können, dass ihr Herkunftsland tatsächlich Russland ist. Wirklich schade, dass wir nicht mehr über HOLY TRINITY erfahren, denn was die Herrschaften hier gezaubert haben, macht von der ersten bis zur letzten Sekunde Spaß. Fans von Alben mit Überlänge werden aber die Repeat-Taste malträtieren müssen, denn trotz elf Songs, beträgt die Gesamtlaufzeit 34:20 Minuten.

HOLY TRINITY fusionieren auf angenehme Weise feinsten Psychedelic / Garage mit female fronted Doom Rock und klingen dabei so authentisch, dass man fast gewillt ist, ihnen abzukaufen, sie seien eine unter jedem Radar hindurchgerutschte Band aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrtausends. Das gesamte Album ist von kurzweiligen, manchmal zart die Melancholie streifenden, Orgelklängen geführt. Die Gitarren sind im Vergleich dazu meist zurückhaltend eingesetzt, brechen aber an den richtigen Stellen durch die restliche Instrumentalisierung, um pointiert der herrlichen Stimme der Sängerin zur Seite zu treten. Die junge Dame ist eine besondere Entdeckung, bewegt sie sich ihre Stimme doch in Sphären, die sowohl in der Tiefe als auch in der Vibration und Eindringlichkeit zeitweise an Visionen von Grace Slick (JEFFERSON AIRPLANE) erinnern. Überraschenderweise gibt sich im Song "Beat Him" einmalig ein Sänger ein Stelldichein. Seine gesanglichen Qualitäten reichen zwar nicht an die der Sängerin, aber auch er wirkt, als hätte er sich auf die Fahne geschrieben, den wahren Spirit der 69er Jahre einzufangen und außerdem trägt er mit seinem Einsatz weiter zum Abwechslungsreichtum bei. Zum Schlagzeug sei angemerkt, dass es sich nicht gerade prägnant absetzt, aber in dieser Produktion wäre dies vielleicht sogar zum Nachteil gewesen.

Es lässt sich weder ein unmotivierter Lückenfüller auf "Holy Trinity" noch ein übermotivierter "Mehr gewollt als gekonnt"-Track ausfindig machen. Nachschub in dieser Qualität darf jederzeit gerne nachrücken. Mehr Bandinfos, mehr Artwork und Lyrics zum Mitlesen wären nicht verkehrt gewesen. Dass man so ein hervorragendes Teil heutzutage aber kostenlos anbieten muss, ist eine Schande. Flip da Rubel, Fans!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Daniel Hadrovic (03.12.2020)

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