ARAWN - Odkazy doby

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VÖ: 24.12.2020
Bandinfo: ARAWN
Genre: Melodic Death Metal
Label: Slovak Metal Army
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Lineup  |  Trackliste

Jeder, der wie der Schreiber dieser Review, nicht ganz sattelfest im Tschechischen ist, wird sich wohl kaum die Frage stellen, wie die Etymologie des Bandnamen nachzuvollziehen ist. Es wird wohl irgendein tschechischer Begriff sein, der halt nach Metalband klingt, wird man sich sagen. Eine nachvollziehbare These, allerdings geht der Name auf den aus der walisischen Mythologie (ja ganz recht) stammenden Fürst der Unterwelt zurück, der ebenso den Namen "Arawn" trägt. Dass es sich bei ARAWN um eine Band handelt, die sich durchaus für Mythologie und Sagenkultur interessiert ist demnach recht offensichtlich. Gerade durch Songtitel wie "Ragnarok" oder "Hlasy z Tartaru" (was, man korrigiere mich, falls ich falsch liege, soviel wie "Stimmen aus dem Tartarus" bedeutet) wird die Faszination für Folklore noch klarer ersichtlich. Aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse des Tschechischen betreffend, soll es zunächst bei diesem kurzen Einblick in die Textinhalte des Albums bleiben. Wenn man nun aber schon ein mal bei der Mythologie angelangt ist, bleibt noch zu sagen, dass die Platte mit dem Titel "Odkazy doby" ("Links of the Time" auf Englisch) an Heiligabend veröffentlicht wird. Sich das Erscheinungsdatum mit dem Religionsstifter zu teilen, ist wohl gleichsam gewagt als auch praktisch, wenn der Familie noch die passende Weihnachtsmusik fehlt. Statt "Ihr Kinderlein Covid" zu singen, kann man im Familienverbund also passend zu den Feierlichkeiten auch tschechischen Melodeath anstimmen. 

Passend zum Titel des Albums, eröffnet mit "Z/N/P" ein Song das Album, der fast schon oldschool anmutet. Die Abmische klingt roher und die Instrumente ein wenig eindimensionaler, was dem Rhythmus allerdings keinen Abbruch tut. Vor allem das treibende Gitarrenriff während des Refrains steht exemplarisch für diesen etwas direkteren, dreckigeren Sound. Man hat schlichtweg das Gefühl diesen Song in grauer Vorzeit schon einmal gehört zu haben. Der Einstieg in das Album ist also durchaus interessant, da die anfängliche Fremdartigkeit sofort in eine bekannte Atmosphäre umschwingt. Auch der nächste Song "Mozkomor" versprüht, wenngleich er deutlich abwechslungsreicher als sein Vorgänger ist, eine wohlige Underground-Attitüde. Der Sound bleibt ein wenig dünn, bringt dafür aber eben den Charme, den wir alle am Untergrund lieben. Die aggressiveren Passagen und an Breakdowns erinnernde Parts des Songs kommen trotzdem ausreichend gut zur Geltung, um ihnen ein zustimmendes Nicken entgegenzubringen. 

Der gemeinhin kulturoptimistische Metalhead wird sich vor allem auch an der Klangästhetik der tschechischen Sprache ergötzen können. Obwohl diese nicht jedem geläufig sein wird, fällt kaum auf, dass alle Songs einzig auf Tschechisch gesungen werden. Die Musik passt perfekt zur Phonetik und lässt Raum für den Wunsch nach mehr Bands, die ihre Muttersprache mit in ihre Musik einfließen lassen. Natürlich ist auch dem Song "Jachymov" der angesprochene Stil immanent. Das Stück entfaltet sich durch die vielen Tempiwechsel, sowie eingängigen Riffs zu einem fast schon klassischen Melodeath-Song. Mit "Nemysli Zaplati" folgt ein weiterer Song, der grundsolide ist. Die Aggressivität wird etwas durch den nicht gänzlich perfekten Sound gemindert, doch bei einer guten Anlage und volleren Klängen, würde dieser Track richtig Laune machen. Das Stück besticht nicht nur durch seine brachiale Härte, sondern auch durch melodische Riffs, allerdings bleiben die Drums leider etwas zu dünn und nehmen dem Ganzen ein wenig an Volumen. 

Nach diesen temporeichen Stücken setzt der Track "Pohan" den Fokus auf eine atmosphärischere Spielart, wenngleich der Song in der zweiten Hälfte wieder an Geschwindigkeit zulegt. Im Großen und Ganzen bleibt der Spannungsbogen des Songs aber recht linear. "Hlasy z Tartaru" bleibt zu Beginn zwar atmosphärisch, ist dabei dennoch etwas mehrdimensionaler und spannt die Sehne des eben angesprochenen Bogens doch weit mehr. Vor allem zur Mitte des Songs hin, öffnet sich das Stück und klingt nicht so drückend wie der vorherige Track. 

Das letzte Drittel der Platte wird, passenderweise, von dem Song "Ragnarok" eingeleitet. Wenngleich in einigen Phasen die Riffs wirklich Spaß machen, fehlt es dem Song doch vor allem zu Beginn an Tempo, um wirklich mitzureißen. Es mag daran liegen, dass die vorherigen Tracks die Geschwindigkeit etwas zu sehr zurückgefahren haben, aber der Funke springt (bei mir) nur zum Ende des Liedes wirklich über. "Divej, venku uz svita" startet dagegen wieder deutlich aggressiver, bietet neben den teilweise etwas monotonen Riffs aber auch melodische Abwechslung. Der Song "9 Krizu" läutet im wahrsten Sinne des Wortes, aufgrund der Glocken, die diesen Song einleiten, das Ende des Albums ein. Er orientiert sich von der Härte an seinem Vorgänger, legt allerdings eine Schippe drauf und kommt noch brachialer daher, viel abwechslungsreicher ist dieses Lied allerdings auch nicht. 

ARAWN spielen soliden Melodeath, in manchen Momenten blitzt das hohe Potenzial durch. Allerdings fehlt auch ein wenig Abwechslung gerade der Sound könnte noch voller sein, dann würde das Album vermutlich auch noch mehr knallen. Einen Hörer ist es dennoch wert, vor allem die Phonetik der tschechischen Sprache harmoniert sehr gut mit der Musik, wenngleich der gutturale Gesang noch etwas deutlicher sein könnte, um diese Charakteristik besser auszunutzen. 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Joel Feldkamp (20.12.2020)

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