MUSICAL MASSACRE - Inhuman

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VÖ: 11.12.2020
Bandinfo: MUSICAL MASSACRE
Genre: Death Metal
Label: German Democratic Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Hell Yeah! Drei Jahrzehnte auf dem Buckel und kein bisschen leise! Das Nossener Death Metal Abrisskommando feiert 2020 sein dreißigjähriges Bestehen und wirkt dabei frischer und lebendiger denn je! Dabei reichen die Wurzeln der Band mit ihrer bewegten Historie noch weiter zurück, denn MUSICAL MASSACRE wurden bereits 1988 in der ehemaligen DDR unter dem Namen BLOODBATH gegründet. Es folgten etliche Besetzungswechsel, doch mit dem neuen Bandnamen erlangte man als Musikalisches Massaker nach der Wende (1990) besetzungstechnische Stabilität. Dies führte immerhin zu zwei Demos in den beiden Folgejahren, ehe MUSICAL MASSACRE aufgrund musikalischer Differenzen 1992 erst einmal für lange Zeit zu Grabe getragen wurden.

Doch Totgesagte leben bekanntlich länger, und so erfolgte nach 20 Jahren die Reunion, und 2015 konnte dann endlich das lange erwartete Debütalbum "Hell Tank 666" veröffentlicht werden. Bereits zwei Jahre später legte man mit dem Zweitling "Off To War" ordentlich nach. Und nun im Jahr des 30jährigen Bandjubiläums präsentiert uns das Quintett um die beiden verbliebenen Gründungsmitglieder André Hase und Uwe Limberger einen fetten Todesblei-Brocken, der im sowieso schon grandiosen Death-Metal-Jahr 2020 noch einmal einen späten Höhepunkt markiert! Einen nicht unbeträchtlichen Anteil an der Qualität des neuen Longplayers hat ohne Zweifel der neue österreichische Frontmann Wolfgang Rothbauer, der MUSICAL MASSACRE (die ansonsten seit 2013 ein stabiles Lineup aufweisen) seit 2019 am Mikro verstärkt.

Die Musik von MUSICAL MASSACRE gründet sich auf drei Pfeilern: herrlich oldschooligem, zuweilen hochmelodischem Elchtod, alles erdrückenden, asphyxoesken Death Doom Parts und einer gehörigen Portion Bolzenwerfer-Mentalität. Diese grandiose Mischung verhindert über die gesamte Laufzeit des Albums von knapp 40 Minuten, dass die neun Songs in eintönigen Gleichklang abrutschen. Im Gegenteil, "Inhuman" ist spannend, facettenreich und überraschend von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Schon der Opener "Foxhole" suggeriert mit seiner erstklassigen Hookline in den ersten anderthalb Minuten, dass hier eine schwedische Combo am Start sein MUSS, ehe der Song sich unvermittelt in eine eher britisch geprägte Todeswalze verwandelt, die alles platt machend aus den Boxen grollt, aber hin und wieder kurz innehält, um ein wenig in doomigen Gefilden zu verharren, ehe zum Ende hin der Schwedentod der Eingangspassage noch einmal aufgegriffen wird. In eine stilistisch ähnliche Kerbe schlagen auch noch das einen genialen Spannungsbogen aufbauende "When Compassion Dies", der großartige Titelsong und das mit einer Über-Melodie ausgestattete "The War - The Transcendence - The Possession".

In "Warhead" und "...And Those Shall Bleed" geht es etwas straighter und teilweise noch brachialer zur Sache, hier wird vor allem auf den Wechsel von Up- und Midtempo-Passagen und schleppenden Doom-Parts gesetzt. 

Der glanzvolle Schlusspunkt einer erstklassigen Langrille ist der Album-Closer "Gustloff", der sich inhaltlich mit einer der größten Schiffskatastrophen der Menschheitsgeschichte beschäftigt. Die Versenkung der als Transport- und Lazarettschiff genutzten Wilhelm Gustloff (die bei Ihrer letzten Fahrt über 10.000 Menschen an Bord hatte, davon ca. 8.800 Zivilisten) durch ein russisches U-Boot im Januar 1945 forderte geschätzt 9.000 Todesopfer. Entsprechend grimmig und aggressiv ist auch die musikalische Umsetzung des Songs.

 

Fazit: 

30 Jahre Bandgeschichte sind schon ein ordentliches Pfund, das MUSICAL MASSACRE da mit sich herumtragen. Doch auf dem neuen Longplayer "Inhuman" findet sich von Alters-, Ermüdungs- oder Abnutzungserscheinungen keine Spur. Im Gegenteil, man hat das Gefühl, dass die Sachsen in ihrem zweiten Frühling erst jetzt so richtig in Fahrt kommen. Die beiden Vorgängeralben waren bereits erstklassige Death Metal Scheiben, aber mit "Inhuman" machen MUSICAL MASSACRE noch mal einen gewaltigen Satz nach vorn. Die musikalische Fraktion ist über jeden Zweifel erhaben, das Songwriting zeigt die jahrzehntelange Erfahrung der Musiker in ihrem Business, und der neue Fronter Wolfgang ist mit seinen hervorragenden Growls und Shouts ein echter Glücksgriff. Dazu kommt (einmal mehr) die erstklassige Arbeit von Patrick W. Engel, der "Inhuman" exakt DEN Sound verpasst hat, den das Album braucht. In diesem Sinne reihen sich die fünf Todesblei-Kombattanten mit ihrem dritten Full Length Werk ohne Wenn und Aber in die Championsleague der diesjährigen Death Metal Veröffentlichungen ein.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (14.12.2020)

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