INTERREGNUM - Des Menschen Bürde

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VÖ: 24.12.2020
Bandinfo: INTERREGNUM
Genre: Melodic Death Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Seit 2006 sind Kris und Joey von INTERREGNUM schon mit wechselnden Mitstreitern im harschen Musikbusiness zugegen. Kris ist noch dazu mit seinem Volk Metal Jacket einer der beständigsten Konzertveranstalter in und um Graz. Anfangs war man noch mit beiden Beinen tief im Pagan Metal verwurzelt, ein Genre mit dem man mich bis ans Ende der Tage jagen konnte. Aus diesem Grund habe ich mich wohl auch nie näher mit INTERREGNUM beschäftigt. Ich kann die durchgehenden Lead-Harmonien im Genre beim besten Willen nicht mehr anhören.

Ganz anders mittlerweile eben INTERREGNUM. Kurzes Intro und dann kommen die an AMON AMARTH angelehnten Gitarrenflächen und gscheit abwechslungsreiche Drumpatterns beim Opener "Eisenpfahl". Der Song ist wirklich mehr als gelungen, klar, die vorgenannten Schweden sind sicherlich Vorbilder für die steirische Band, aber es gibt schlimmere Vorbilder. Der Song ist eingängig und trotzdem nicht langweilig, geht schnell ins Ohr. Damit könnte man gut ein Konzert beginnen.

"Hagazussa" beschäftigt sich mit dem gleichnamigen österreichischen Film aus dem Jahr 2017, den man sich unbedingt einmal anschauen sollte. Langsame Bilder und doch ein unglaublich garstiges Stück Zelluloid. Ähnlich der Song, supereingängig, die Leads von Kris heben den Song noch ein Stück weiter hinauf. Überhaupt, die Soli auf "Des Menschen Bürde" sind zeitweise schon auf IRON MAIDEN-Level. Da könnten sich einige andere, auch internationale, Gitarristen eine Scheibe abschneiden.

Der Anfang des Titeltracks erinnert mich leider an einen der ganz schlimmen AMON AMARTH-Songs, wird aber wohl in einer Livesituation genau deswegen funktionieren. Der Song defiliert im Midtempo und hat recht bald eines dieser starken Soli. Well done, Stefan.

"Blutdämmerung" beginnt verspielt, zieht dann aber anständig an und strahlt mit einem break-down-artigen Chorus. Hier möchte ich kurz auf den mehr als gelungenen Sound eingehen. Insgesamt durchaus modern, aber nicht wie bei tausend anderen Bands. Da hat man sich Gedanken gemacht. 

Die "Heldenlieder" zeigen wieder schönen Schweden-Melodic-Death, der aber immer wieder mit eigenen kleinen Ideen aus der Geradlinigkeit heraus verändert wird.

"Knochenvater" erinnert an die "alten" INTERREGNUM, nicht wirklich ein Song, der oft in meinem Player kommen wird, auch wenn hier wieder ein schönes Gitarrensolo vorkommt.

"Narrengott" zum Abschluss beginnt episch und mäandert hin zum Ende des Albums, abschließend wieder episch und genau passend.

Zu den Texten kann ich nicht viel sagen, ich habe da ja so meine Probleme mit deutschen Texten, aber eine protoakademische Abhandlung ist nicht meine Aufgabe. Ich möchte nur sagen, dass diese Lyrics (nicht nur bei INTERREGNUM wohlgemerkt, da gibt es ganz andere Kaliber, nicht nur in deutscher Sprache) einfach etwas unnötig geworden sind über die Jahre. Wohlgemerkt, MEINE Meinung. Ich unterstelle hier der Band überhaupt nichts, aber auch ewig währende Schlachten haben einmal ein Ende.

Fazit: Gutes Album, exzellenter Sound, gediegene Soli und einige wirklich starke Songs. Das kann man so machen.

Ich möchte auch noch hinzufügen, dass das, was sich heuer im österreichischen und besonders im steirischen Untergrund abgespielt hat (TORTURED SOULS, DEPRAVED, INCLINATION, MANDAGROUND, SATURNISTS, THOSAR, etc.) sich aber schon vor gar keiner anderen Band aus dem Ausland zu verstecken braucht. Unser Untergrund ist ganz groß geworden. Das ist wohl auch eine der wenigen positiven Auswirkungen des Seuchenjahres 2020. Mehr davon - trve styrian underground rules!

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (24.12.2020)

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