GLACIER - The Passing Of Time

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VÖ: 30.10.2020
Bandinfo: GLACIER
Genre: Heavy Metal
Label: No Remorse Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Das Jahr 2020 darf auf keinen Fall zu Ende gehen, ohne ein Review des Full Lenth Debüts der Power Metaller aus Portland. Wer die Band nicht kennt und in "The Passing Of Time" rein hört, wird vielleicht denken: 'WOW, geiler US Metal mit leichten NWoBHM Anflügen. Ist bestimmt so 'ne neue Combo, die den Dreh mit dieser Retro/Vintage Metal Geschichte richtig gut raushaben'. Diese Annahme wäre durch aus berechtigt, doch jetzt kommt das große ABER.

Denn die erste offizielle Veröffentlichung der bereits 1979 (!!!) gegründeten GLACIER liegt mittlerweile schlappe 35 (in Worten FÜNFUNDREISSIG!) Jahre zurück. 1985 veröffentlichten die Amis die vielbeachtete Fünf-Track-EP "Glacier", die heutzutage zu Recht als Kult gefeiert wird. Leider folgte damals kein vollwertiges Album mehr, und die Band löste sich 1990 auf. Lange Zeit hörte man nichts mehr von GLACIER, doch dann wurde vom Originalsänger Michael Podrybau im Jahr 2016 eine Tribute Band unter dem Namen DEVIL IN DISGUISE ins Leben gerufen, die ein Jahr später mit dem Original-GLACIER-Songmaterial einen glanzvollen Auftritt beim Keep It True Festival absolvierte. Die Beteiligten hatten daraufhin wieder Blut geleckt, und mit dem Segen der restlichen Gründungsmitglieder gingen Michael Podrybau und seine neue Crew 2018 tatsächlich wieder unter dem Namen GLACIER an den Start.

Und nun, zwei Jahre später präsentiert uns das Quintett aus Oregon dreieinhalb Dekaden nach seiner EP die erste vollständige Langrille der Bandgeschichte. Und natürlich ist "The Passing Of Time" (welch treffender Albumtitel!) eine Reise in die glorreichen Achtziger geworden. Verstärkt wird dieser Flashback dadurch, dass Songs wie "Live For The Whip" und "Sands Of Time" tatsächlich bereits mehr als dreißig Jahre auf dem Buckel haben. Trotz ihres Alters reihen sich die beiden Tracks nahtlos ins Gefüge der neuen Titel ein. Die aktuelle Besetzung, Marko Martell (git), Michael Maselbas (git), Alex Barrios (b) und Adam Kopecky (dr) fügen dem Retro-Trip zudem eine gehörige Portion Frische und zeitgemäßen Spirit hinzu, so dass "The Passing Of Time" zwar oldschool, aber zu keiner Zeit angestaubt klingt. Und über allem thront die einzigartige Stimme von Mr. Podrybau.

Ein wundervoller Fakt am Rande ist auch, dass man die 80s Originalmitglieder Tim Proctor (b) und Loren Bates (dr) für einen Gastauftritt im Song "Infidel" gewinnen konnte.

Vom genialen Opener "Eldest And Truest" bis zum nicht minder großartigen Albumcloser "The Temple And The Tomb" tönt der Longplayer wie aus einem Guss. GLACIER bieten dem Hörer acht Mal erstklassigen US Power Metal, der immer wieder Anleihen an die Stilistik der NWoBHM enthält. Dabei reicht die Palette von treibenden, nach vorn galoppierenden Stücken wie "Live For The Wip" und "Into The Night" bis hin zu episch-erhabenen Stampfern wie "Valor" (neben dem Opener und dem Rausschmeißer das absolute Album-Highlight!).

Eine druckvolle, klare Produktion, die zu keiner Zeit plastisch wirkt, sondern sehr analog daherkommt und das kongeniales Cover-Artwork von Daniel Charles runden eine überaus gelungene Veröffentlichung ab, mit der GLACIER hoffentlich den absolut verdienten späten Erfolg einfahren werden. 

 

Fazit:

 

35 Jahre nach ihrer ersten Veröffentlichung hauen GLACIER mit "The Passing Of Time" ein Full Lenght Debüt raus, das definitiv zu den Höhepunkten des Metaljahres 2020 gehört! Herrlich klassischer Achtziger Metal mit angemessener Frischzellenkur tönt dem geneigten Hörer hier 40 Minuten lang in die Gehörgänge, dass es eine wahre Freude ist. Dem Portland-Fünfer ist wirklich zu wünschen, dass sie mit dieser Klasse-Scheibe noch mal richtig durchstarten können. Das liegt jetzt an den Metalheads - die Band hat IHR Möglichstes mit "The Passing Of Time" auf jeden Fall getan!  

 

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (29.12.2020)

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