EPHEMERAL SKY - Bipolar

Artikel-Bild
VÖ: 30.11.2020
Bandinfo: EPHEMERAL SKY
Genre: Post-Metal
Label: Eigenproduktion
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Treue Stammleser von STORMBRINGER.AT wissen ja, dass wir hier immer wieder versuchen, österreichische Künstlerinnen und Künstler vor den Vorhang zu bringen, die ansonsten Gefahr laufen würden, übersehen zu werden. Durch Reviews, Interviews oder die regelmäßigen Beiträge in der Rubrik "Underground von Unten - österreichische Musik gehört gehört", welche mittlerweile bei Vol. 53 angelangt ist.

Mit EPHERMAL SKY darf ich euch heute ein Projekt vorstellen, das gerade mit "Bipolar" sein Debutalbum vorgelegt hat. Hier bewusst "Projekt" und nicht "Band", da EPHERMAL SKY im Wesentlichen ein Einmannunternehmen ist. Der steirische Komponist und Multiinstrumentalist Zbigniew Nowitzki (AEONNIHILATION) hat dieses Werk geschrieben und mit Ausnahme der Cello-Parts und mancher Drumparts auch allein in seinem Home-Studio in Liezen in der Obersteimark eingespielt. Also, wie es sich in diesen Zeiten gehört, alles im Home-Office erledigt. 

Das Ergebnis dieses Entstehungsprozesses, der sich laut Pressetext aus verschiedenen Gründen über mehrere Jahre erstreckt hat, liegt nun mit "Bipolar" vor. Der Begriff der bipolaren Störung dürfte vielen schon mal begegnet sein und beschreibt im Grunde extreme, entgegengesetzte Schwankungen der Stimmung, des Antriebs und des Aktititätslevels (lt. Wikipedia).

Beim Anhören der acht Songs wird einem schnell klar, dass dieser Albumtitel nicht zufällig gewählt wurde und sich die Bipolarität durch das gesamte Album zieht. "Let's Wake Up" bietet einen gefälligen, rockigen Einstieg mit rotzigen Gitarren und melodischer Strophe. Nach guten viereinhalb Minuten schlägt das erste Mal die Bipolar-Nadel in die andere Richtung aus, wenn sich Herr Nowitzki von einer Sekunde auf die andere die Seele aus dem Leib schreit. "Euphoric Thoughts" nimmt wieder etwas das Tempo raus. Der Groove und die Riffs verströmen einen Hauch 90er-Alternative-Rock/-Metal und die reine Instrumentalnummer steigert sich immer mehr bis zum euphorischen Ende. "Estate" wird von einem gefühlvollen Piano dominiert und bildet die Brücke von der vorigen Euphorie in die aufkeimende "Depression". Der mit über sieben Minuten längste Song des Albums beginnt mit sehr melancholischen und düsteren Vocals, ändert aber sein Erscheinungsbild im letzten Drittel. Akustikgitarre und Cello prägen dann den Song und verleihen ihm ein völlig anderes Gesicht. Bipolar eben. "We All Love The Sun" versucht mit Meeresrauschen und Walgesängen die Stimmung wieder zu heben, nur um gegen Ende auch wieder chaotischer zu werden. Bei "Middle Of Clearance" und "Scars" schreit Zbigniew Nowitzki wieder über sein Leben und mit "Primavera" wird am Piano ein versöhnlicher Schlusspunkt gesetzt, der einem Zeit gibt, durchzuatmen und das Gehörte zu verarbeiten.

Fazit: "Bipolar" ist sicher keine leichte Kost. Es gibt sowohl melodische, groovende Passagen die ideal zu einem Spaziergang durch die Wintersonne passen, drei Takte weiter wird man aber dann wieder angeschrien und die positive Stimmung ist dahin. Vor dem Hintergrund, dass ein Großteil der Instrumente solo eingespielt wurden und es eine Eigenproduktion ist, ist Zbigniew Nowitzki hier wirklich ein starkes und ungewöhnliches Album gelungen. Experimentierfreudige Leser sollten auf jeden Fall man reinhören. Vermutlich wird man das Album entweder hassen oder lieben. Dazwischen wird es beim Publikum wohl nicht viel geben. Bipolar eben.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Hans Unteregger (25.12.2020)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Benediction - Scriptures
ANZEIGE