MOSSADEQ - Hospital

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VÖ: 02.01.2021
Bandinfo: MOSSADEQ
Genre: (nicht klassifizierbar)
Label: Grazil Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Wenn es jemanden gibt, der 2020 nicht jammernd oder aluhuttragend verbracht hat, dann ist es der Grazer Cle Pecher. Neben seinem Tun bei Radio Helsinki und seinem Wirken als Veranstalter im Explo, hat er auch noch ein Label, Grazil Records gegründet, Veröffentlichungen, ähm, veröffentlicht und - warum auch nicht, auch noch ein neues Album seiner Band MOSSADEQ aufgenommen.

Cle hat für "Hospital" bis auf die Vocals in "Wake Up In A Coma" alles selber gemacht. Es handelt sich hier um ein Konzeptalbum, in dem es sich um diverse Facetten im Leben und Sterben in einem Krankenhaus dreht. Cle Pecher hat seine persönlichen Gefühle und Gedanken in diesem Seuchenjahr in ein Album umgewandelt, welches er stilistisch als Experimental Hard Rock bezeichnet. Damit tu ich mich ein wenig schwer, weil Hard Rock hier nicht wirklich vorkommt, experimental aber in riesigen Dosen. Wir haben hier alles von PINK FLOYD, den trashigen Phasen von THERAPY?, TYPE O NEGATIVE, MELVINS und den BEATLES vereint und vermischt. So verwirrend das klingen mag, es funktioniert. Meistens. Damit meine ich, dass man wirklich in einer besonderen Stimmung sein muss, um die vielen Mosaiksteinchen des Albums auf sich einprasseln zu lassen. Wenn man "Hospital" aber greifen kann, dann steht einem ein Rollercoaster-Ride an Emotionen bevor. 

Nach dem Herzschlag in "Agitation" gibt es massive Verwirrung in "Dr. No", FLOYDsche Verzweiflung in "No Control".

Die erste Krise des Protagonisten während des Einser-Lockdowns wird in "The Crisis Part I: Trapped" abgebildet. Tieftraurig und sicherlich etwas, was vielen bekannt vorkommt. Man war hilflos, man ist noch immer hilflos, aber der Wahnsinn hat sich mittlerweile leider in den Köpfen von Menschen eingenistet, die man dereinst für solide intellektuell hielt. "Wake Up In A Coma" zerstört das rationale Denken.

Die Depression kehrt zurück, intensiver, breiter, greifbarer, Hoffnung schwimmt mit. Der Song ist flächig und bedeckt, einem Winternebel gleich, die ganze Welt.

Post-Metallisch ist der "Quarantine Love Song", Post-Metal wie ihn FLOYD und TYPE O NEGATIVE an einem geselligen Abend zusammengeschmiedet hätten. Das trifft genau meinen Nerv.

"Dr. Huxtable" ist ein Interludium welches klingt, als ob es in einem Maschinenraum aufgenommen worden wäre. 

"I Am The Healer" ist, wie schon "Dr. No" sehr schräg, mit einem Subpop 1993er-Einfluss. So hat Seattle damals auch geklungen. Nicht aufzuhalten und schwer industrial stampfend kommt der "Virus" bis, ganz im Gegensatz, der letzte Track "The Patient" schon fast luftig aufgebaut ist. Dem stehen die einen erschlagenden Lyrics diametral entgegen. Ein Song, zwei Welten. Das Outro "Temporary Peace" täuscht nur ein optimistisches Ende vor, wie mir Cle sagte.

"Hospital" ist eine Reise durch ein Jahr, durch die Psyche eines Mannes in einem Jahr, welches viel verändert und ebenso viel zerstört hat. Ob es einen Wiederaufbau gibt, vermag ich nicht zu sagen. 

Was ich sagen kann ist, dass "Hospital" von einer Emotionalität getragen wird, die mich selten zuvor so abgeholt hat. Es ist kein leicht zu hörendes Album, deshalb möchte ich hier auch keine Bewertung vergeben, es entzieht sich aller Kriterien die ich für eine simple Note erachte. Es ist ein Album, welches zu verstehen, zu begreifen ich noch lange brauchen werde...

 



Ohne Bewertung
Autor: Christian Wiederwald (01.01.2021)

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