KARG - Resilienz

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VÖ: 22.01.2021
Bandinfo: KARG
Genre: Black Metal
Label: AOP Records
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Lineup  |  Trackliste

Über mangelnde Kreativität kann man im heimischen Musikdschungel zu diesen Zeiten wahrlich nicht klagen. Bereits im August veröffentlichte J.J. (HARAKIRI FOR THE SKY) mit seinem Soloprojekt KARG zunächst nur digital eine neue EP, die nun auch als physischer Tonträger via AOP Records Einzug in die Plattenläden hält. Conaisseuren des Post-Blackmetallischen Genres wird die zwei Songs starke, aber dennoch satte 35 Minuten spielende EP somit nichts Brandneues bieten können, aber dank der längeren Einwirkzeit dennoch sofortigen Kaufreflex auslösen.

Stilistisch führt „Resilienz“ das Werk von „Traktat“ und seinen Vorgängern nahtlos fort – flächige, post-metallische Gitarren treffen auf zornige Blastbeat-Eruptionen, sowie die schmerzhaft hinausgepressten, direkt aus dem Herzen gerissenen Screams von J.J., die im heimatlichen Idiom vorgetragen werden. In „Abbitte“ erfährt J.J. überdies vokalen Beistand von Nico Ziska (DER WEG EINER FREIHEIT, BAIT), der dem Titel eine weitere Nuance hinzufügt.

Höchst überraschend ist aber die zweiminütige Endsequenz des schmerzesgequälten „Lorazepam“ (Ebenjenes rezeptpflichtige Psychopharmaka stand für den Titel Pate), welche mit geradezu fröhlicher, hochmelodischer Atmosphäre wie einem kitschigen Heimatfilm entlehnt wirkt und im Hörer das beklemmende Gefühl aufgesetzter, der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit übergestülpter Fröhlichkeit indiziert, das alleinig der Beruhigung des gesellschaftlichen Gewissens dient. Der ausufernde, schlüssig strukturierte und liebevoll arrangierte Titel beschreibt sehr anschaulich die Wirkungsweise des Medikaments – vom tiefen Tal der Tränen bis hin zur gedämpften, wattigen Illusion eines Glücksgefühls, das zum Lebensinhalt einer ganzen Gesellschaft hochstilisiert wird.

„Resilienz“ ist wieder starker Tobak, der fordert und anregt. Musik, die tief aus den Abgründen der geplagten menschlichen Seele gehoben wurde und nun in schaurig-schönem Licht erstrahlt und wie die Faust aufs Auge des Zeitgeists passt.

 

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (21.01.2021)

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