HAVEN - Vessel EP

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VÖ: 27.11.2020
Bandinfo: HAVEN
Genre: Post-Metal
Label: Argonauta Records
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Lineup  |  Trackliste

HAVEN sind eine genreübergreifende Combo aus Berlin, die gekonnt Elemente aus Post-Metal, Alternative und Doom kombiniert. Zur Zeit ihrer selbstproduzierten Scheiben hatten wir die Guten bereits im Stormbringer-Verhörraum empfangen dürfen, doch inzwischen sind sie bei Argonauta Records unter Vertrag: Es kann ja dem bearbeitenden Redakteur unheimlich viel Spaß bereiten, die Karriereleiter und musikalische Entwicklung von Bands zu verfolgen, da bekanntlich allein schon die Interaktion zwischen Management und Künstlerreigen schlagartig den musikalischen Ausdruck neu justieren kann -  der Zufriedenheit der Fanschar oder eben auch der Enttäuschung zum Resultat. Wie oft hört man aus dem Munde ehemaliger, loyaler Fans der ersten Stunde, ihre Lieblinge hätten sich des Ausverkaufs schuldig gemacht, bevor der erste Groschen in Form vertraglich geregelter Tantiemen überhaupt in ihr Portemonnaie rollen konnte? Oft hat in einem solchen Fall wieder einmal das Unternehmen hinter dem Act sicherstellen wollen, dass seine Investition sich rentiert und folglich ihre Künstler angehalten, sich dem Mainstream anzunähern, um mehr zahlungsfähige Gefolgschaft zu generieren. Andererseits lassen sich massig Acts nennen, die erst durch Rückhalt von Büromenschen im Hintergrund und an den Reglern, das Beste aus den Musikern herauskitzeln konnten, Qualität und Niveau auf ungeahnte Höhen trieben.

HAVEN machen einen Schritt auf den Fan zu, den euer euch ungebrochen zugewandter Stormbringer-Redakteur persönlich sehr schätzt: Sie werfen eine EP auf den Markt. Drei Songs nur, aber diese erreichen gemeinsam eine Spielzeit von fast 27 Minuten, was die "Vessel" EP bei mir für eine Benotung qualifiziert (sehr kurze Werke werden von meiner Seite aus gern besprochen, bei Wohlgefallen lasse ich für gewöhnlich die Benotung weg, wenn es nicht entweder exorbitant gut und nahezu bewusstseinserweiternd ist, oder ganz im Gegenteil, abgrundtief schlecht oder eine Veräppelung des Kunden mit beispielsweise 08/15 Technobeat-Remixes zuvor veröffentlichter Songs).

HAVEN schlagen sich auf dem Silberscheibchen schon aus dem Grund sehr gut, weil "Vessel" nach absolut natürlicher Entwicklung klingt. Man kann die Berliner weder der unmoralischen Platzierung ihres neuen Materials an die große, liquide Masse bezichtigen, noch ohne Rücksicht auf Verluste, rein unabhängigen künstlerischen Ausdruck verfolgt zu haben. Die Produktion klingt schärfer, nicht etwa sauberer, denn HAVEN achteten auch als sie ihr Independent-Dasein fristeten, auf guten Sound. Die Vocals scheinen fast ein wenig spitzer in Mark und Bein zu fahren, was mir persönlich am besten bei den ersten beiden Songs, "Miasma" und "Samsara" gefällt. Zu den anfangs erwähnten, miteingeflossenen Genres, kann man, muss man aber nicht, eine zusätzliche, wenige Millimeter feine Ausrichtung auf Screamo-Gefilde erkennen, was einfach der noch intensiver als beim Vorgänger, scharbenderen Stimme von Sänger Norman, geschuldet ist. Der zeitweise verzweifelt klagende Ausdruck tut den Rest. Wer jetzt aber fürchtet, "Vessel" könnte für seinen Geschmack zu depressiv ausfallen, sei beruhigt. Nicht nur die ersten beiden Songs bieten modernen Rock-Einschlag in erdigem Sediment, sondern die letzte Nummer "Within", verkeilt sich in ruhigerer Atmosphäre ("Miasma" bändelt kurzzeitig sogar mal an STONE TEMPLE PILOTS Flair an).

Das Schöne an HAVENs Arbeit ist, dass sie nicht nur US-amerikanisch klingen, sondern es ihrer Musik außerordentlich gut steht. FAZIT: Man spürt den Shit, sagte man früher gern mal. Die Scheibe ist ein grandioser Anheizer für was da noch kommen mag. EP-Fans wie mir wünsche ich, dass es nicht alle drei hier enthaltene Song auf den neuen Langspieler schaffen, dass aber bei den anderen auf uns zukommenden, flotten Nummern, diese Qualität beibehalten wird. Testet Vessel hier .

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Daniel Hadrovic (09.01.2021)

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