MIKE TRAMP - Trampthology

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VÖ: 18.12.2020
Bandinfo: MIKE TRAMP
Genre: Rock
Label: Target Records
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Lineup  |  Trackliste

Kurz vor seinem mittlerweile sechzigsten Geburtstag (dafür sieht der Bursche aber wirklich noch verdammt fit aus!) liefert MIKE TRAMP eine Retrospektive in Form einer Doppel-CD (sowie Zweifach-Vinyl) mit sechzehn seiner bekanntesten Stücke ab und ergänzt diese mit vier neuen Tracks.

Man kann nun nicht wirklich "Hits" sagen, denn letztlich waren die Solo-Scheiben von MIKE TRAMP leider nie der ganz große Erfolg beschieden, nichtsdestotrotz muss man ihm bescheinigen, dass er - bis auf ein paar Irrwege (z.B. die Pseudo-White-Lion-Reformierung mit neuen Leuten) - seinen Weg durchgezogen hat.

Scheiben wie "Recovering The Wasted Years", "More To Life Than This" oder auch "Cobblestone Street" waren ausgezeichnete Werke, in denen er seine Melodicrock-Vergangenheit gekonnt mit neuen Ansätzen und Singer/Songwriter-Einflüssen a'la BRUCE SPRINGSTEEN mixte. Lyrisch (wie zum Teil auch musikalisch) schwebt bei den meisten TRAMP-Solostücken eine gewissen Grundmelancholie mit, in der er seiner Rockstar-Vergangenheit mit WHITE LION nachzutrauern scheint. In der Tat muss es traurig sein, eine Band wie WHITE LION aufzugeben, die nicht gerade zu den 08/15-Bands der Achtziger gehörte und zudem mit VITO BRATTA einen Gitarristen in den Reihen hatte, der nicht zu Unrecht mit Genre-Giganten wie EDDIE VAN HALEN verglichen wurde. Aber man muss vor MIKE TRAMP den Hut ziehen, dass er da nicht resigniert hat und es weiter durchzieht, auch wenn er da manchmal vor zweistelligem Publikum spielt oder alleine mit dem VW-Bus durch die gesamte USA tingelt.

Die letzten Platten "Nomad", "Museum", "Stray from The Flock" und "Maybe Tomorrow" waren für mich jedoch leider über weite Strecken etwas austauschbar und ein bisschen zu ruhig. Da hätte ich mir schon einmal gewünscht, dass der Gute doch mal wieder kraftvoll durchrockt (so wie er es letztmals mit dem ROCK'N ROLL CIRCUZ getan hat).  Vielfach hat sich da, wie auch bei vergleichbaren BON-JOVI-Spätwerken, eine gewisse Grundseichtheit reingeschlichen.

Wie sind die vier neuen Songs ausgefallen, die als jeweils fünfter Song über die zwei Discs verteilt sind: "Ain't Done Yet" ist ein flotter Pop-Rock-Track, der auch auf den letzten Scheiben stehen könnte. Die E-Gitarre hört man da leider wieder nur eher country-mäßig eingeflochten. Die Lyrics TRAMP-mäßig  im Stil  von "Ich mach mein Ding und zieh das durch". 

"Take Me Away" ist zwar langsamer aber etwas rauer ausgefallen. "Every Time" ist dann die obligatorische Ballade. Die Stimme von MIKE TRAMP ist immer noch unverkennbar und sehr gut in Schuss. Der Song ist ebenfalls vergleichbar mit den letzten BON JOVI-Outputs. Leicht country-angehauchter Pop-Rock, sicher gut für eine Sommerfahrt im offenen Auto, aber auch nicht wirklich besonders aufregend. "I'll Never Be Young Again" schlägt in dieselbe Kerbe, wie der leicht depressive Titel schon vermuten lässt. Ebenfalls eine Ballade im üblichen TRAMP-Stil. Aber auch wieder ein bisschen langweilig muss man leider konstatieren.

Die restlichen Songs sind ein gelungener Querschnitt durch seine gesamte Solo-Karriere. Und da kommen auch wieder länger nicht gehörte Perlen wie "More To Life Than This", "Lay Down My Love For You" oder "If I Live Tomorrow" von den TRAMP'schen Solo-Anfängen zum Vorschein, als doch noch etwas kraftvoller gerockt wurde als auf den Scheiben des letzten Jahrzehnts. Nichts gegen ruhigere Songs, aber ich würde mir bei MIKE TRAMP künftig doch wieder etwas kraftvollere Songs mit ein paar Ecken und Kanten wünschen anstatt nur melancholische Midlife-Balladen. Damit stehe ich sicher nicht alleine dar.

Ob man "Trampthology" nun braucht muss man selber entscheiden. Hat man nicht alle Solo-Scheiben ist die "Best Of" sicher ein hervorragender Einstieg, Komplettisten greifen natürlich so oder so zu. Die vier neuen Stücke sind eher eine nette Dreingabe als absolut überzeugendes Verkaufsargument.

MIKE TRAMP sei jedenfalls zu 25 Jahren Solokarriere und zu seinem anstehenden "Runden" alles Gute gewünscht. Auf dass da noch die eine oder andere musikalische Perle in Zukunft zum Vorschein kommen wird.

               



Ohne Bewertung
Autor: Martin Weckwerth (13.01.2021)

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