GAIA EPICUS - Seventh Rising

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VÖ: 17.12.2020
Bandinfo: GAIA EPICUS
Genre: Power Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Ich weiß, aus heutiger Sicht klingt es utopisch. Aber vermutlich werden wir eines Tages zurückblicken und sagen: Es war nicht alles schlecht an 2020. Die Vorgärten der Reihenhäuser zum Beispiel waren noch nie so gepflegt wie in diesem Lockdown-Jahr. Außerdem gab es keine Invasion von außerirdischen Riesenechsen. Die orange Riesenechse, die jahrelang das Weiße Haus in Washington besetzte, konnte dafür endlich vertrieben werden. Und: Unter den um 800 % gestiegenen Musikveröffentlichungen befinden sich tatsächlich einige richtig gute. Wie zum Beispiel diese hier.

GAIA EPICUS, die norwegische One Man Show, gehört ja inzwischen bald schon zum Metal-Inventar. Wie ein lieb gewonnener Sessel steht er im Eck, man staubt ihn ab und zu ab, und obwohl man ihn nicht wirklich wahrnimmt, ist er doch irgendwie immer da. Meine erste Begegnung mit Thomas Christian Hansen vor 16 Jahren war durchwachsen. GAIA EPICUS hatte gerade das zweite Album "Symphony Of Glory" am Start, das phasenweise stark war, jedoch schwer am Gesang und den eigenen Ansprüchen geschwächelt hat. Die folgenden Veröffentlichungen bekam ich am Rande mit, sie rissen mich aber nicht vom buchstäblichen Hocker. Die Jahre zogen ins Land und eh man sichs versieht liegt plötzlich das siebte Album des Norwegers (unschwer am Albumtitel erkennbar) auf meinem Schreibtisch. Und siehe da: Was für eine Entwicklung!

"Seventh Rising" also. Hansen hat den Aufbruch, den kompletten Neubeginn zum großen Motto des Albums ausgerufen. Neben dem Albumtitel weisen "Like A Phoenix", "Rising" und textlich auch "From Ashes To Fire" die Richtung: Ich will's jetzt wissen! Spricht's und holt sich einen der besten Drummer dieses Planeten ins Boot: Mike Terrana. Das kraftvolle, präzise Spiel des Mannes mit dem unübersehbaren Irokesen-Schnitt treibt gnadenlos alle elf Songs des Albums vor sich her, wie einst zu besten RAGE-Zeiten. Damals hatte er einen gewissen Victor Smolski an seiner Seite, heute einen Mann namens Lukky Sparxx. Und wer immer sich hinter diesem Namen verbirgt, er steht Smolski um nichts nach. Fast ist man versucht zu zitieren: Lukky Sparxx, der Mann der schneller soliert als sein Schatten! Was der Kerl für Leads aus dem Ärmel schüttelt treibt dem alternden Power Metal Fan die Freudentränen in die Augen!

Wie auch in der Vergangenheit ist "Seventh Rising" eine Wundertüte aus Melodic-, Power-, Thrash- und astreinem Speed Metal. Nicht immer geht die Rechnung so voll auf wie auf den ersten vier Nummern der Scheibe. "The Dream" etwa zieht sich vor allem im Gesangsbereich wie ein Kaugummi, hat dafür instrumental eine richtig starke Performance. "Invisible Enemy" könnte direkt von  einem MEGADETH Album stammen und würde dort auch gute Figur machen. Überhaupt zollt Hansen den alten Meistern seinen Tribut. "Number One" erinnert phasenweise so stark an "For Whom The Bell Tolls", dass man fast versucht ist, dessen Textzeilen hier mitzusingen. Apropos "alte Meister": Auf "Gods Of Metal" gibt es einen der zahlreichen Gastauftritte, die Tim "Ripper" Owens in diesem Jahr absolviert hat. Und naja. Sagen wir so: GAIA EPICUS benötigt dessen Hilfe nicht notwendigerweise, um diesen Song, der prall gefüllt ist mit Zitaten legendärer Metalsongs (siehe Hörprobe unten!), zu einem ganz fantastischen Track zu machen.

Ich lehne mich jetzt ein Stück aus dem Fenster des Stormbringer-Lofts und behaupte: Mit diesem Album verabschiedet sich GAIA EPICUS vom Status des semiprofessionellen Underdogs. "Seventh Rising" ist ein spätes Highlight des Seuchenjahrs 2020 und das nicht zuletzt auch wegen seiner durchwegs positiven Message. Macht unheimlich viel Spaß!

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: adl (11.01.2021)

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