FAITHFUL BREATH - Skol

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VÖ: 22.01.2021
Bandinfo: FAITHFUL BREATH
Genre: Hard Rock
Label: High Roller Records
Lineup  |  Trackliste

Immer wieder spannend, wenn auf einmal Alben ausgebuddelt werden, die bislang irgendwie an einem vorbei gegangen sind, obwohl man dachte, man kennt so ziemlich alles in dem Bereich traditioneller, deutscher Heavy Metal aus den 1980ern. Für die meisten unter Euch wird FAITHFUL BREATH unbekannt sein, einfach auch weil das Treiben der Band weit zurückliegt. Daher erstmal eine kleine Geschichtsstunde: Ursprünglich wurde die Band bereits 1967 in Bochum gegründet, das erste Album 1974 mit dem Namen „Fading Beauty“ ist nach eigenen Angaben eine Mischung aus Krautrock, Prog und Psychedelic und ist heute ein Sammlerstück. Sechs lange Jahre später folgte „Back On My Hill“. Nach „Rock Lions“ (1981) und „Hard Breath“ (1983) kam „Gold'n'Glory“ (1984), von dem auf dem Promozettel berichtet wird, dass es nicht wenige für das beste Album der Band halten. Sänger und Gitarrist Heimi „Heinrich“ Mikus sagt dazu: „Der Unterschied zwischen der `Hard Breath´ und der `Gold'n'Glory´ war die Weiterentwicklung der Band. Zwischen den beiden Scheiben haben wir sowohl spielerisch als auch vom Songwriting her viel dazu gelernt. Was sich auf der `Gold'n'Glory´ positiv bemerkbar gemacht hat. Ach ja, einen Unterschied gab es noch. Wir haben den Sänger, der die `Hard Breath´ eingesungen hat, rausgeschmissen. Er passte einfach nicht zu uns. That’s it.“

„Gold'n'Glory“ wurde von Michael Wagener und Udo Dirkschneider produziert. Mikus berichtet weiter: „Die Arbeit an dem Album hat einfach nur Spaß gemacht. Es war eine super Atmosphäre, alles sehr entspannt. (Das Label; d. Red.) Mausoleum hat uns alles ermöglicht, was wir für die Produktion brauchten. Wagener hat mich zwar gesangstechnisch gequält, hab ich aber überlebt. Unterm Strich bin ich heute noch sehr zufrieden mit dem Album.” Soweit zur Vorgeschichte vom Album „Skol“ von 1985, bei dessen Produktion es trotz steigender Beliebtheit bei deutschen Metal-Fans (auch aufgrund des Wikinger-Images) es nicht mehr ganz so rund lief: „Der Plan war, dass Michael Wagener das Album wieder produzieren sollte. Das stellte sich aber als schwierig heraus. Wagener war in die USA übergesiedelt, und machte eine Produktion nach der anderen. Dadurch kamen wir terminmäßig ins Schleudern“, erinnert sich Mikus. Daher wurde „Skol“ mit Gerd Rautenbach in den Dierks Studios aufgenommen. Hinzu kamen Probleme innerhalb der Band: Der zweite Gitarrist Bubi wollte aussteigen. Er hatte ein lukratives Angebot einer anderen Band
bekommen. Er spielte „Skol“ zwar noch mit ein, „aber irgendwie war die Chemie in der Band nicht mehr die gleiche“, sagt Mikus. Für Bubi kam später Thilo Herrmann. Nach einem wenig beachteten Live-Album für Noise Records mutierten FAITHFUL BREATH schließlich zu RISK.

Anno 2021, also über 35 Jahre später, ein Re-Release von „Skol“. Das Mastering übernahm der sehr erfahrene Patrick W. Engel im Mai 2020. Ein Vorher-nachher-Vergleich des Sounds kann hier nicht vorgenommen werden, da dem Rezensenten die Original-Aufnahmen nicht bekannt sind und auch nicht vorliegen. Der Sound dieses Re-Release ist jedenfalls tip-top, klar und doch old-school – wie eine Top-Produktion Ende der 80er. Sehr authentisch und doch nicht verstaubt.

Musikalisch ist das Album recht nah an ACCEPT zu Zeiten von „Breaker“ oder „Balls To The Wall“. Also traditioneller Heavy Metal, meist im Mid-Tempo, ohne Sperenzchen, mit schön fetzigen Gitarren und mit einer großen Prise Hard Rock. Die Höhepunkte sind der Rocker „Start It Up“, das vorwärts treibende, im Gedächtnis verhaftet bleibende „Double Dealer“, das an JUDAS PRIEST erinnernde „Rock Rebels“, das einprägsame Up-Tempo-Stück „Backstreet Heros“ sowie der Mitgröhler „Skol“. Aber auch der Up-Tempo-Rocker „Lady M.“ fetzt schön durch die Boxen, die Fan-Hymne „We Want You“ kommt live bestimmt sehr gut an und „Crazy In Metal“ hat ebenfalls was, zumindest wenn man die platten Texte nicht ganz für voll nimmt. Und da auch „Inside Out“ seine Momente hat, gibt’s am Ende das Fazit, dass dieses Album keinen Ausfall hat.

Generell sollte man dieses Album nicht mit großer Ernsthaftigkeit hören, sondern eher in Party-Laune. Oder man hört sich die Songs an und kommt durch sie in Party-Laune. Geht auch. Im Vergleich zu dem gelobten Vorgänger-Album „Gold'n'Glory“ kommt „Skol“ für den Verfasser dieser Zeilen sogar eine Ecke besser rüber: Der Sound und die Songs packen einen einfach mehr. Ein direkter Vergleich zu frühen ACCEPT-Alben verliert „Skol“ zwar auch, da diese aber allesamt Meisterwerke waren, ist schon wieder ein Lob, dass „Skol“ wie ein kleiner Bruder klingt, der seine Sache auch richtig gut macht.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Tobias (20.01.2021)

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