NORTHERN FLAME - Twisted Reality

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VÖ: 18.12.2020
Bandinfo: NORTHERN FLAME
Genre: Melodic Power Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Den Witz mit dem finnischen Gesetz, demzufolge jeder Einwohner in mindestens einer Metalband beschäftigt sein muss, kennen inzwischen eh schon alle, also können wir ohne großartige Einleitung gleich direkt mit der Rezension zu "Twisted Reality" beginnen.

Die Band NORTHERN FLAME gibt es bereits seit 2002, allerdings dauerte es einige Jahre, bis das Lineup stabil genug für das Debütalbum war. Dieses ursprünglich bereits 2009 fertig gestellte Werk erschien schließlich 2014 unter dem Titel "Glimpse Of Hope" und erhielt von der Fachpresse wohlwollende Kritiken. Neben einigen Festival-Auftritten wurde es bald wieder ruhig um die Finnen, welche allerdings bereits am Nachfolger feilten. Ende 2020 wurde dieser in Eigenregie veröffentlicht und so fand "Twisted Reality" auch den Weg ins Stormbringer-Loft.

Melodischer Power Metal. Damit rennt man ja bei mir als STRATOVARIUS, SONATA ARCTICA und HELLOWEEN Fan der ersten Stunde offene Türen ein. Und genau das sind die Bands, die man ab den ersten Takten der CD unweigerlich im Hinterkopf hat. NORTHERN FLAME gönnen sich dabei eine Besonderheit: Man verzichtet aufs obligatorische Intro und setzt an dessen Stelle gleich eine von zwei vollwertigen und packenden Instrumental-Nummern. Und so sehr die Finnen ihr eigenes Klischee bedienen, so perfekt setzen sie dieses um. Hier klimpert das Spinett, dort rattert die Double-Bass Drum und die Gitarristen liefern sich ein Duett auf höchstem Neoclassic-Niveau. Wie gesagt: Offene Türen! Zumindest bis der Gesang einsetzt. Der ist leider ein echter Knackpunkt bei NORTHERN FLAME. Während die Band sowohl im Songwriting als auch instrumental auf Toplevel agiert, rangiert der Gesang gerade mal auf besserem Durchschnitt. Das liegt allerdings nicht daran, dass Simon Granlund ein schlechter Sänger ist. Er trifft alle Töne und seine Aussprache ist für finnische Verhältnisse sehr gut. Vermutlich wäre er ein hervorragender Musical-Sänger, aber für eine Metal Band singt er zu brav und zu harmlos. Dadurch fehlt es den Songs an Power und Wiedererkennungswert. Bei "Broken Soul" steuert Gitarrist Niclas Buss harsche Vocals bei und auch das wirkt für meinen Geschmack zu aufgesetzt.

Ich bin dennoch froh, dass ich diese Band entdeckt habe und werde versuchen, meine Finger irgendwie an den bereits vergriffenen Vorgänger zu bekommen. Wer melodischen Power Metal mit symphonischer Note liebt, wird definitiv auch mit NORTHERN FLAME seine Freude haben.

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: adl (19.01.2021)

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