AETHYRICK - Apotheosis

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VÖ: 22.01.2021
Bandinfo: AETHYRICK
Genre: Atmospheric Black Metal
Label: The Sinister Flame
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Lineup  |  Trackliste

Eine der größten und häufig unterschätzten bzw. aus der Selbstverständlichkeit als nebensächlich abgeleiteten Errungenschaften ist zweifelsohne die kulturelle, territoriale Vielfalt der Einflüsse, die jede Szene und deren jeweiligen Stil so unverkennbar macht (im Folgenden grenze ich das ganz bewusst auf den Black Metal ein, weil diese Rezension auch von jenem handeln wird, aber all das lässt sich natürlich auch auf den Death Metal, Thrash Metal, Pagan Metal etc. pp. übertragen). Denkt man an norwegischen Black, hat man ein sehr genaues Bild im Kopf. Denkt man an schwedischen Black Metal, hat man ein sehr genaues Bild im Kopf. Denkt man an amerikanischen Black Metal, hat man ein sehr genaues Bild im Kopf. Denkt man an finnischen Black Metal, hat man ein sehr genaues Bild im Kopf. Das finnische Zweigespann AETHYRICK wischt diese einleitende Ode mit einer beiläufigen Geste der Mühelosigkeit beiseite und tritt, wie bereits auf "Praxis" und "Gnosis", auch auf dem neuen Werk namens "Apotheosis" in eine eigenständige Klangwelt, die weder mit dem charakteristischen Geballer noch den folkloristischen Gitarrenharmonien diverser Granden kokettiert.

Bevor wir nun zum musikalischen Teil von "Apotheosis" übergehen, möchte ich an dieser Stelle noch respektvoll darauf hinweisen, dass das fantastische Artwork mit edler Farbgebung eines der letzten Werke des großartigen und prägenden Künstlers Timo Ketola, der im vergangenen Oktober leider an Leukämie verstarb, ist, weswegen ich das nicht als kurzen Beisatz untergehen oder gar unerwähnt lassen konnte. Genauso wie das mystische Cover kommt, und hier wären wir dann bei besagtem musikalischen Teil, auch das Duo, dessen Aufgabenverteilung bis dato nicht näher bekannt ist, ohne Spektakel aus, was durchaus positiv zu verstehen ist. Ja, auch AETHYRICK treten auf Pressefotos verschleiert auf, was in Anbetracht all der Hysterie, die heutzutage um jeden noch so lauen Darmwind gemacht wird, eine nachvollziehbare Strategie ist. Allerdings ist damit das Theater auch schon wieder geschlossen und man kann sich auf das Künstlerische fokussieren, das auf "Apotheosis" grundsolide im Sinne von handwerklich einwandfrei und schnörkellos vorgeführt wird. Das Keyboard dient oftmals als unterstützendes Element ("The Starlit Altar" und "Rosary Of Midnights"), darf in "In Blood Wisdom" und "Path Of Ordeal" aber auch prägende Abschnitte definieren, die Harmonien erweitern das mal infernalische, mal getragene Riffing um einen durchweg atmosphärischen Odem der Melancholie, was "Apotheosis" eine unaufdringliche, ja, regelrecht elegante Epik mitgibt, und das relativ einfache Schlagzeugspiel sowie die gewöhnlichen Vocals verzichten auf ausgefallene Kunststücke, alberne Effekte oder derlei und fügen sich stattdessen ihrer Umgebung, komplementieren diese.

Man hat ein wenig den Eindruck, als wären AETHYRICK, obschon sie bereits von einigen Hörern und Medien zu Recht als Geheimtipp genannt wurden, zuletzt immer wieder übergangen worden, was sich teilweise sicherlich damit begründen lässt, dass man es sich in einigen Aspekten selbst nicht leicht macht. Kein sinnfreies Gepose in Interviews oder sozialen Medien, keine Kooperation mit bekannten Labels, keine Anbiederung an aktuelle Black-Metal-Trends - mir gefällt diese distanzierte Herangehensweise, bei der man sich ausschließlich auf sein ausgereiftes musikalisches Fundament verlässt. Wie schon bei genannten Vorgängern, kann man auch bei "Apotheosis" zwar nicht von einem brillanten Meisterwerk, wohl aber von einem konsequent hochwertigen, eigenständigen Album sprechen, das sich beinahe trotzig auf sich selbst konzentriert und genügend Potenzial für zukünftige Veröffentlichungen veranschaulicht.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (19.01.2021)

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