W.E.T. - Retransmission

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VÖ: 22.01.2021
Bandinfo: W.E.T.
Genre: Melodic Rock
Label: Frontiers Records
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Lineup  |  Trackliste

AOR und Melodic Rock Fans sind W.E.T. sicher ein Begriff, auch wenn der Begriff "Supergroup" bei mir gleich mal wieder einen automatischen Ablehnungsreflex auslöst. Sänger Jeff Scott Scoto haben durch seine Zeit als Frontmann bei AXEL RUDI PELL von 1992 und 1997 (in der er mit seiner Stimme großartige Alben wie "Eternal Prisoner", "Black Moon Pyramid" oder "Magic" veredelte) auch die Freunde etwas härterer Gangart auf dem Schirm. Und Erik Mårtensson / Robert Säll (der Rest der Kernbesetzung von W.E.T.) sind jetzt nicht wirklich die unbekanntesten Namen im Genre. Ebensowenig die Ex-Combos der drei Herren, deren Anfangsbuchstaben den aktuellen Bandnamen bilden (WORK OF ART, ECLIPSE, TALISMAN), wenn gleich wohl vor allem ECLIPSE auch über die Grenzen des Melodic (Hard) Rock einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzen dürften.

However, W.E.T., die bereits auf ihren ersten drei Alben eine wirklich sehr gute Figur machten, werden mit ihrem neuesten Streich "Retransmission" sicher auch eine Menge Fans außerhalb des AOR/Melodic Rock Kosmos gewinnen können. Denn eins sei gleich vorab klargestellt: Die Konkurrenz muß sich richtig warm anziehen, wenn sie auch nur in die Nähe des aktuellen W.E.T. Longplayers gelangen will!

Das neue Jahr hatte noch gar nicht richtig begonnen, da lieferten die österreichischen Hard Rocker von SERGEANT STEEL bereits ein erstes frühes Highlight ab. Herr Soto und seine Mannen ziehen nun mit "Retransmission" rigoros nach und liefern ein Album ab, das sich gewaschen hat. 11 Melodic Rock Kracher, kein einziger Filler, nur Hits. So eine Bilanz muß man erst mal hinbekommen. 

Es gibt wohl kaum ein Genre, in dem die Grenzen so eng gesteckt und die einzelnen Vertreter so nah beieinander sind, wie im AOR/Melodic Rock. In einer Rezension las ich kürzlich, daß es eigentlich nur einen fähigen Songwriter und einen großartigen Sänger für ein gelungenes Melodic Rock Album braucht. Nun, W.E.T. haben mit Mårtensson und Säll gleich ZWEI exzellente Songwriter und mit Jeff Scott Soto einen echten Ausnahmesänger. Wenn dann die gesamte Instrumentalfraktion noch auf dem höchsten Qualitätslevel agiert, dann muß sich der Hörer wirklich nicht die geringsten Sorgen machen. "Retransmission" ist abwechslungsreich von der ersten bis zur letzten Sekunde und zeigt auch nach dem x-ten Durchlauf noch keinerlei Abnutzungserscheinungen.

Anfangen beim schmissigen Opener "Big Boys Don't Cry" präsentieren uns W.E.T. auf der ersten Albumhälfte einen Stadion Rock Hit nach dem anderen und schütteln Hooks und Singalong Refrains en masse aus dem Ärmel. Mal forsch und treibend ("The Moment Of Truth"), mal getragen und beinahe (power)balladesk ("Got To Be About Love") oder majestätisch und stampfend ("How Far To Babylon").

"Coming Home" im Anschluss ist ein lupenreiner AOR Song, ganz in der Tradition von FOREIGNER und JOURNEY (bei denen Jeff Scott Soto in der Vergangenheit auch schon zwei Jahre lang am Mikro gestanden hat). Mit "What Are You Waiting For" gibt es natürlich auch die obligatorische Ballade, die zwar zuckrig, aber nicht kitschig ist, und keinen Deut schwächer als die anderen Stücke.

Das finale Trio bietet noch einmal drei superbe Stadion Rock Hymnen der Extraklasse. Hier kann schlussendlich nur der subjektive persönliche Geschmack den Ausschlag geben, welchen Track man favorisiert. Ich schwanke momentan zwischen "You Better Believe It" und "The Final Kiss".

Fazit: Es tut mir ja wirklich leid, dass auch unter dieser Rezi schon wieder die zweithöchste Note unserer Wertungsskala steht! Aber was soll ich machen? Man kann es drehen und wenden, wie man will, "Retransmission" ist ein absolutes Hammer-Album geworden, an dem sich alle kommenden AOR/Melodic Rock Veröffentlichungen dieses Jahres messen lassen müssen. Herausragendes Songwriting, supereingängige, wundervoll melodische, mitreißende, langzeittaugliche Hymnen, instrumentales Handwerk ohne Fehl und Tadel, eine Produktion auf höchstem Frontiers-Level und ein Sänger, der zu den besten seines Fachs gehört, machen die vierte Langrille von W.E.T. zu einem unglaublichen Hörerlebnis und (auch wenn es viele nicht mehr hören/lesen können) zu einem sehr frühen, aber äußerst aussichtsreichen Kandidaten auf den Titel: Melodic Rock Album des Jahres 2021!

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (25.01.2021)

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