GESTRÜPP - Below The Trees

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VÖ: 07.01.2021
Bandinfo: GESTRÜPP
Genre: Black Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

GESTRÜPP, das Einmannprojekt aus Darmstadt, hat an einem ziemlich riskanten Album gewerkelt, so viel ist klar! Zwar sammelte A.A.S, der Mann mit dem Namen, der an tote Viecher erinnert, mit seiner eigentlichen Funeral Doom Band THE COLD VIEW ausreichend Erfahrungen, aber die Beschaffenheit von "Below The Trees" ist so speziell, dass die Verwertung einer einzigen maroden Bausubstanz zur Folge hätte, dass der Schwarzmetaller unter seinem eigenen Gewicht einkrachen würde - mit Toten und allem. Besonders unter Verwendung des nicht mehr ganz frischen Blackgaze-Kleisters.

"All Is Full Of Hate" wäre ohne das heftige Grölorgan von A.A.S schon ein Stolperstein, fast eine Bärenfalle. Dieses punkige Gekotze des plakativen "Your religion is no better, than any other." hätte nicht nur unvorstellbar nervend, sondern mindestens ebenso peinlich ausfallen können. Stattdessen quillt es mit dem nötigen Finger- und Zungenspitzengefühl zum schwarzen Todeswalzer auf: Wie mit dem Mähdrescher hinterrücks durchs Dorffest rattern.

"At The Field" scheint anfangs im Vergleich zum Opener weniger Einspritzer musikalischer Spielereien in seiner grauen Einöde aufzuweisen. Die Lyrics werden vielleicht ein klein wenig sensibler ausgekotzt. Zehn Minuten Länge reichen aber vollkommen aus, um melancholisches Unkraut einzuplanzen. Entwickelt seinen vollen Charme mit der Zeit.

"The Change Of Seasons" - Wie entsteht hier diese Ästhetik? Da stecken ganz schön viele Emotionen in dieser kalten, grauen Lache aus Rachenschleim. Ist echt wie durch den Fleischwolf gedrehter Melodic Death Metal, damit seine Melodie nicht ausarten kann!

"Reflections" wird abenteuerlicher und heller. Nicht zu verwechseln mit Sonnenaufgang, sondern wie eine grelle Taschenlampe, die man in die Fratz´ geklatscht bekommt, nachdem stundenlang scharfes Gestrüpp einen an nassen Lehmboden gefesselt hat. Mir persönlich etwas zu Blackgaze lastig, aber wem´s gefällt...

"Hole In The Sky" ist der Kracher! Unterlag denselben Risiken wie der erste Song, aber A.A.S saugt jeglichen Anflug von Zweifeln oder Sorgen im Hörer in das schwarze Loch seines Rachens! "There is a hole in the sky! Where once was the sun!" beginnt und hört niemals auf - für gewöhnlich bin ich absoluter Gegner hochfrequentierter Refrains, aber dieser schmirgelnde Song wird mit jeder Wiederholung besser! H.P. Lovecraft wäre fasziniert von seiner Wirkweise!

"As The Birds Have Stopped To Sing" - Jetzt kommst du in die Zentrifuge, du Lump, bis dir die Hirnlappen aus den Nasenlöchern flattern und rhythmisch an die Ohrläppchen klatschen. Blut fließt dir aus der aufgeblähten Zunge und deine Augen verdrehen sich, so dass du dein Schädelinneres betrachtest. Nach etwa sieben Minuten eine kurze Verschnaufpause, dann wird dein Schädel mit kleineren Werkzeugen zerhämmert und dann wird es wieder ultra brutal. Fast 15 Minuten dauert diese Psychotherapie. Herrlich. Jetzt Drei Wetter Taft auf die Birne sprühen und du bist zum Ausgehen bereit.

"The Wind And The Trees" ist ein leises Akustik-Instrumental und eigentlich der Abschluss. Schön.

Aber es gibt da noch einen Bonus Song: Die Akustikversion von Song Nummer drei - absolut anders als das Original, absolut gefühlvoll. Kannst du der Blumenverkäuferin mit der schönen Haarspange vorspielen und ihr dabei dein Herz ausschütten, damit sie dir ein dickes Bussi auf die Backe drückt.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Daniel Hadrovic (31.01.2021)

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