MOLTEN CHAINS - Torment Enshrined

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VÖ: 04.12.2020
Bandinfo: MOLTEN CHAINS
Genre: Heavy Metal
Label: Alone Records
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Lineup  |  Trackliste

Vergib mir Anthalerero, denn ich habe gesündigt. Da predigst du schon seit vielen Jahren in der „Underground von Unten“ Reihe: „österreichische Musik gehört“, aber dennoch gibt es Leute, die zwar einerseits wissen, dass guter Hard Rock und Metal heutzutage von überall, von Brasilien über Polen bis Indien, herkommt, andererseits dennoch ihre Ohren vor den Klängen aus dem eigenen kleinen Land verschließen.
Nach dem hammergeilen Debütalbum ROADWOLFs hat es Ende 2020 auch hier endlich Klick gemacht und ja, Gutes kann man selbst vor der eigenen Haustüre finden.

Auch aus der Hauptstadt kam zum Jahresende noch ein hervorragendes Album. Am 4. Dezember erschien mit „Torment Enshrined“ der zweite Longplayer des Wiener Duos MOLTEN CHAINS. Die Band wurde 2017 als Trio gegründet und veröffentlichte im darauf folgenden Jahr ihr erstes Demo “DEMO MMXVIII”. 2019 folgte das Debütalbum “In The Antechamber Below”. Im August 2020 wurde das neue Album aufgenommen. Die Band besteht jetzt aus Schlagzeuger Michi und Sänger, Gitarrist sowie Bassist in Personalunion Brenton.

Mit nur sechs Songs, davon nur zwei 7+ Minüter, der Rest im drei bis fünf Minuten Rahmen, und einer Gesamtspielzeit von nur rund 32 Minuten fällt es ziemlich kurz aus, aber diese gute halbe Stunde hat es in sich. Ohne irgendwelches Geplänkel geht es bei „Habitual Sufferance“ gleich zur Sache und präsentieren MOLTEN CHAINS dem Hörer ihren eigenwilligen Mix verschiedenster Spielarten und ausgeklügelter Komposition, die trotz Vielschichtigkeit doch Song an Song so aneinanderreiht, dass hier ein gewisser Flow entsteht. Stilistisch ist das Album nicht leicht einzuordnen, da hier eine Mischung aus Prog, Black Metal, Thrash und auch klassischem Heavy Metal kredenzt wird. Easy Listening ist das bei Weitem nicht, für das Album sollte man sich Zeit nehmen und bewusst zuhören. Technisch ist es sehr anspruchsvoll, was Leute die selbst Instrumente spielen wahrscheinlich noch mehr zu würdigen wissen, und wartet mit einigen originellen Parts auf. Zudem ist das Album sehr rifflastig, aber auch das Schlagzeug kommt hier gut zur Geltung. Hervorheben muss man auch den sehr eigenen, markanten Gesang der auch mit Facettenreichtum glänzt und Kontraste setzt z.B. zwischen cleanem Gesang und rauen Black Metal Tiefen, was ein angenehmer Unterschied zur weit verbreiteten clean vs. Death Metal Growls Kombi ist.
Obwohl die Songs alle vom selben Schlag sind, sticht mit „Weaponised“ ein Highlight heraus, das besonders mit rasend treibenden Parts besticht.

 

 

Die Band sagt: “The album can be considered a continuation of the bands idiosyncratic sound but with everything more dialled in. Cleaner production, better song writing and more twisted riffage.” und nachdem man dem Erstwerk gelauscht hat, kann man das im Großen und Ganzen auch so bestätigen. “Torment Enshrined” ist noch anspruchsvoller, daher aber auch vielleicht einen Tick weniger zugänglich als “In The Antechamber Below”.

Das Album wurde auf Vinyl in Eigenproduktion veröffentlicht (limitiert auf 200 Stück). Das griechische Label Alone Again brachte es auf CD heraus. 
Das Cover Artwork scheint wie schon bei DEMO MMXVIII“ ein Holzschnitt mit einer Szene aus einem Shakespeare Stück zu sein. Dieses mal aus „Macbeth“, von dessen Fluch die Band aber hoffentlich verschont bleibt.

Wer Musik für die nächste Metalparty sucht ist hier an der falschen Adresse. Denjenigen, die Gefallen an eklektischem und raffiniertem Metal finden, sei das Album aber wärmstens zu empfehlen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Brigitte Simon (15.02.2021)

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