PITYHOLE - Anancastia

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VÖ: 05.12.2020
Bandinfo: PITYHOLE
Genre: Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Menschen mögen Legenden, Mythen und Verschwörungstheorien. Warum sollte Partrick Hanemann, das kleinste gemeinsame Vielfache von PITYHOLE (Gitarre, Bass, Synthesizer und Gesang), nicht der verlorene Sohn von SLAYER-Gitarrist Jeff Hanneman sein?

Auf der Webseite von PITYHOLE  präsentieren sich jedenfalls zwei Reiter der Apokalypse, die mit Sombrero, Lanze und Öllampe an Sancho Panza und Don Quijote erinnern, das Vorgängeralbum "Last Breath on Earth". Die Ironie, Selbstironie bzw. womöglich Sozialkritik, ist hier nicht zu übersehen und in Zeiten, in denen alle Zeichen auf Abgesang des Menschengeschlechts stehen, ist das ein wirkungsmächtiger Zugang, der sich bei jeder Gezeitenwende bewährt hat.

Spaß beiseite, musikalisch geht`s dann erstmal nach sechs Jahren Album-Pause bei "Anancstia" in die Vollen der Powerchord-Düsternis, wo Hörer*innen mit dem Gaspedal des gestandenen Lead-Gitarristen, also das Cry-Baby-Wah-Wah, durchgeführt werden. Kompositorisch sei gesagt, dass man den Eindruck hat, es wurde ein Grundgerüst aus Metall geschaffen (Power-Chords), und darüber sozusagen eine Außenhülle modelliert, die bei jedem Lied diversen musikalischen Richtungen entspricht.

Bei der dritten Haltestelle, „Still Loving You“, wähnt man sich zu Beginn einer aufkommenden Ballade, wobei einen Hanemann abrupt gegen die bleierne Schwere seiner Power-Chord-Klangmauer prallen lässt, fieser Trick, jedoch wirkmächtig.

„Stop for a While“, kurze Pause, dann wieder ein Schlenker nach links, ein sanftes Driften, die Richtung wird wieder aufgenommen, weiter, immer weiter durch finstere Täler. Während im Video des letzten Albums eine Barbie-Puppe lichterloh auf dem Kreuze schmorte, treibt hier die Puppe leblos, ey, es ist eine Puppe, unstete Gewässer zu Tale. Der Rezipient wird hier ein wenig unschlüssig zurückgelassen.

„Black Soul“ unsere Seele ist schwarz, wir werfen in der Dunkelheit keine Schatten, wir sind der Schatten.

Ab „Hating Myself“ wird einem bewusst, ja, Mann, wir verstehen dich, nimm mal eine andere Richtung, nicht alle Wege führen nach „Anancastia“, die Pforten bis in die tiefesten Tiefen der Hölle bedürfen einer Entscheidung, freier Wille, Mann.

Der Widerspruch ist doch, dass hier divergentes Denken postuliert wird, indessen eine einzige Richtung vorgegeben, geradezu zelebriert wird, vom Dunkel ins Licht, Läuterung, Katharsis.

Man erahnt, wohin es Patrick Hanemann gelüstet. Im purpurnen Schleier des Lichts wird er nicht wirklich ankommen, weil seine Welt in Dunkelheit gehüllt sein will, sie scheut das Licht.

Fazit: Eine Ein-Mann-Band kann funktionieren, wenn man seinen eigenen Widerspruch in sich trägt und bei Patrick Hanemann ist das definitiv der Fall, wenn aber, und das ist hier der Fall, das Handeln der eigenen Dämonen nicht reflektiert werden kann, der eigene Beobachter zu sich selbst zu sein, ist eben eine herkulische Herausforderung, ist man sozusagen nur Passagier im Vehikel des eigenen Tuns.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (10.02.2021)

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